Glückskinder

Glückskinder

Eine Filmkritik von Falk Straub

Geklauter Glücksfall

Manche Songs sind bekannter als die Filme, aus denen sie stammen. Den Schlager „Ich wollt‘ ich wär‘ ein Huhn“ hat fast jeder im Ohr. All diejenigen, die dessen Ursprung – Paul Martins Komödie Glückskinder – nicht kennen, können das mit einer restaurierten Fassung des Films nachholen.
Gleich zu Beginn fegt die Kamera in atemberaubender Geschwindigkeit durch das Großraumbüro einer New Yorker Zeitungsredaktion. Die Szene erinnert an Howard Hakws‘ His Girl Friday. Entstanden ist sie bereits vier Jahre früher. Emsig werkeln die Reporter und Redakteure der Morning Post an ihren Schreibtischen. Als Frank Black (Paul Kemp) sich mit seinem Kollegen Stoddard (Oscar Sima) unterhält, die erste Irritation: deutlich ist beim einen ein rheinisches beim anderen ein österreichisches Idiom herauszuhören.

Paul Martins Glückskinder ist zugleich ein Glücksfall und eine ungewöhnliche Mischung. Ein Glücksfall, weil die Ufa-Komödie aus dem Jahr 1936 erstaunlich frivol und ideologiefrei daherkommt, ungewöhnlich aufgrund ihrer Schauplätze und Handlung. An der noch jungen Screwball Comedy orientiert, hat Martin seinen Film gleich ins Ursprungsland des Genres verlegt. Die Ausstattung der Studioaufnahmen ist bis ins kleinste Detail amerikanischen Vorbildern nachempfunden, bei Außenaufnahmen und Straßenszenen behilft sich der Film mit Rückprojektionen oder Doubles der Schauspieler, die nur von fern zu sehen sind.

Und auch bei der Story schöpft Martin aus dem amerikanischen Fundus. Glückskinder bedient sich schamlos gleich bei zwei Komödien Frank Capras, variiert die Versatzstücke aus Vor Blondinen wird gewarnt (1932) und Es geschah in einer Nacht (1934) jedoch clever und liebevoll.

Gil Taylor (Willy Fritsch), eigentlich Lyriker, wird von seinen Kollegen Black und Stoddard hochgenommen. Als Ersatz für einen betrunkenen Kollegen schicken sie den jungen Volontär als Reporter zum Schnellgericht. Dort bekommt Gil Mitleid mit einer Vagabundin (Lilian Harley), die er als seine Braut ausgibt. Der Richter durchschaut den Schwindel und vermählt die beiden kurzerhand. Ein gefundenes Fressen für die anwesende Presse. Dumm nur, dass Gil im ganzen Durcheinander vergisst, seine eigene Zeitung zu informieren. Gil, Black und Stoddard werden entlassen. Um ihre Jobs wiederzubekommen, wollen sie das Geheimnis von Gils Angetrauter aufdecken. Denn der Verdacht liegt nahe, dass sie die vermisste Nichte eines Millionärs (Albert Florath) ist.

Obwohl das Zusammenspiel zwischen Fritsch und Harvey teilweise stottert, nicht ganz so geschmiert läuft wie etwa bei Gable und Colbert, Grant und Russell oder Grant und Hepburn, stimmt das Tempo, sind die Dialoge bissig, sitzt der Großteil der Pointen. Zu wahrer Höchstform laufen Kemp und Sima auf, die sich die Bälle wie ein altes Ehepaar ein ums andere Mal gekonnt zuspielen. So rasant wie die Kamerafahrt zu Beginn sind am Ende die 94 amüsanten Filmminuten verflogen.

Glückskinder

Manche Songs sind bekannter als die Filme, aus denen sie stammen. Den Schlager „Ich wollt‘ ich wär‘ ein Huhn“ hat fast jeder im Ohr. All diejenigen, die dessen Ursprung – Paul Martins Komödie „Glückskinder“ – nicht kennen, können das mit einer restaurierten Fassung des Films nachholen.
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