Girlhouse - Töte, was du nicht kriegen kannst

Girlhouse - Töte, was du nicht kriegen kannst

Eine Filmkritik von Rochus Wolff

Camgirls, Blut und Voyeurismus

Also, hier ist mal ein kostenloser Tipp für’s Schreiben von Horrorfilmen: Psychologisierende Erklärungen dürfen nicht schlicht und einfach sein. Denn da wir alle das inzwischen schon viel, viel, viel zu oft gesehen haben, wirkt das im Handumdrehen vor allem platt: Waschküchenpsychologie, die Milchmädchenrechnung des Drehbuchautors. Damit das glaubwürdig wird, muss man sich schon um vielschichtigere Modelle bemühen – oder, das ist meist viel angsteinflößender, man verzichtet gleich ganz auf die Psychologie.
Aber sei’s drum, der im Grunde recht klassisch angelegte Slasher Girlhouse jedenfalls eröffnet mit einem, so müssen wir annehmen, Rückblick in die Vergangenheit des mörderischen Protagonisten: Da wird ein übergewichtiger Junge von zwei Mädchen gejagt, sie machen sich über ihn lustig, ziehen ihm die Hose runter und lachen ihn aus. Das endet nicht gut, so viel darf man verraten.

In der Gegenwart ist der kleine Junge von 1988 einer der „regulars“ im Girlhouse, einem Big-Brother-artig mit Kameras ausgestatteten Wohnhaus, in dem lauter junge Damen vorzugsweise leicht oder gar nicht bekleidet ihrem Tagwerk nachgehen. Für mehr oder weniger Geld erhalten die Zuschauer mehr oder weniger exklusive, mehr oder weniger erotische Einblicke. Dann gehen ein paar Sachen schief, und der mörderische Mensch steht mit Maske und Messer in der Haustür. Es folgt: der Slasher-typische Abzählreim in Filmform.

Camgirls sind natürlich kein ganz neues Phänomen mehr, sind aber – wie alle Bereiche des Erotikgeschäfts vor allem im Online-Bereich – in den letzten Jahren und Monaten immer wieder Thema von Dokumentar- und Spielfilmen geworden; zuletzt etwa mit ganz unterschiedlicher Intention in den Produktionen Hot Girls Wanted und Cam Girlz. In Girlhouse sind sie freilich primär „Kanonenfutter“, das praktischerweise auch noch hübsch anzusehen ist – so funktioniert das Exploitationkino der Gegenwart.

Regie-Debütant Trevor Matthews hatte sich schon einen Namen als Mit-Autor und Hauptdarsteller der wirklich sehr amüsanten Monsterkomödie Jack Brooks: Monster Slayer gemacht; sein erster Film nun (nach einem Buch von Nick Gordon, ebenfalls neu im Metier) ist eine durchaus solide Genrearbeit ohne wirklich herausragende Momente, Spannung oder Schrecken. Aber Matthews spielt mit dem Medium – die Webcams und Überwachungskameras werden natürlich eins mit dem Kameraauge – und lässt sich Zeit, bis er das erste Blut herumspritzen lässt.

Stattdessen wird eine Kylie (Ali Cobrin) als Protagonistin (und, wir sind in einem Slasher, potentielles „Final Girl“) eingeführt, Collegestudentin und in finanziellen Nöten; sie lässt sich auf das Angebot ein, gegen gutes Geld im „Girlhouse“ selbst entscheiden zu können, wie viel sie (körperlich wie seelisch) von sich Preis gibt. Cobrin gibt dem Film Menschlichkeit jenseits seiner hübschen Hüllen; Licht, Schatten und Splattereffekte sorgen für den Rest. Und einige Wendungen sind dann doch recht hübsch und nicht wirklich erwartbar.

Vor diesem Hintergrund hat dann selbst der eigentlich ziemlich platte Filmbeginn noch ein hübsches Element: Wenn das Mädchen (übrigens ein kurzer Auftritt von Camren Bicondova, die in der Fernsehserie Gotham die junge Selina Kyle – später mal Catwoman – spielt) den Jungen aufzieht mit den Worten „I’ll show you mine if you show me yours“, dann spielt das schon auf den Voyeurismus an, der das ganze Konzept des Girlhouse überhaupt nur ermöglicht – und mit dem zugleich, hallo Publikumsbeschimpfung, natürlich auch der Film selbst seine Zuschauer sucht.

Girlhouse - Töte, was du nicht kriegen kannst

Also, hier ist mal ein kostenloser Tipp für’s Schreiben von Horrorfilmen: Psychologisierende Erklärungen dürfen nicht schlicht und einfach sein. Denn da wir alle das inzwischen schon viel, viel, viel zu oft gesehen haben, wirkt das im Handumdrehen vor allem platt: Waschküchenpsychologie, die Milchmädchenrechnung des Drehbuchautors.
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