Ginger und Fred

Ginger und Fred

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Dieses späte Werk des italienischen Filmemachers Federico Fellini, in dem seine Frau Giulietta Masina gemeinsam mit Marcello Mastroianni ein schräg-charmantes reifes Künstlerpaar mimt, hat im Jahre 1986 die Berlinale eröffnet. Ginger und Fred ist nicht etwa die Geschichte des berühmten Schauspielpaares Ginger Rogers und Fred Astaire, die großen Stars der Musikfilme der 1930er Jahre, sondern jene einer bedeutsamen Wiederbegegnung zweier Menschen, die vor langer Zeit einmal zusammen als Imitatoren des glamourösen Tanzduos auf der Bühne standen. Zugleich stellt der Film eine sanfte, sensible Satire auf eine zur oberflächlichen Unterhaltungsmaschinerie verkommene Showbranche dar, die weniger auf stilvollen künstlerischen Ausdruck als vielmehr auf flüchtige Sensationen setzt.
Es ist dreißig Jahre her, seit die noch immer ebenso attraktive wie agile Amelia Bonetti (Giulietta Masina) ihren einstigen Tanzpartner Pippo Botticella (Marcello Mastroianni) zuletzt sah, nachdem sich die beiden damals abrupt und nachhaltig getrennt hatten. Im Rahmen einer auf sentimentale Nostalgie abzielenden Fernsehshow sollen die einst beliebten Darsteller von Ginger Rogers und Fred Astraire erneut zusammen auftreten. Amelia putzt sich heraus und reist in das Hotel, wo die Mitwirkenden untergebracht sind. Dort herrscht ein Auflauf bunter Gestalten mit mehr oder weniger künstlerischen Talenten, und die Betreuung der Akteure fällt äußerst nachlässig aus, doch Amelia interessiert sich vor allem dafür, ob Pippo bereits eingetroffen ist, den sie mit Spannung erwartet. Die erste Begegnung jedoch verläuft dann überraschend und keineswegs so feierlich, wie man es sich hätte wünschen können. Als die anfänglichen Distanzen sich verkürzen, tauchen Amelia und Pippo in die bitter-süße Sphäre der Erinnerungen an letztlich verdammt gute Zeiten ein, während bei den Vorbereitungen zur Fernsehshow der letzte Rest an Struktur und Stil destilliert …

Es ist die ungeheuer melancholische Komponente, die Ginger und Fred zu einer stark emotionalen Geschichte macht, der die witzig-verzerrende Dimension abkühlend gegenübersteht; ein Kontrast, dessen Balanceakt durchweg gelingt. Die wunderbare Giulietta Masina mit den ausdrucksvollen Augen, die eine gelassene Würde versprüht, und der hingebungsvoll den vor Liebe abgestürzten Mann verkörpernde Marcello Mastroianni – das ist ein Gespann mit zündender Interaktion, das ein reiches Spektrum an sehenswerten Sentimenten transportiert. Auf der DVD gibt es als Bonus eine ausführliche Dokumentation über Giulietta Masina von Sandro Lai, die nicht zuletzt durch ihre umwerfende erotische Originalstimme begeistert. Ginger und Fred ist ein altmodischer Film im besten Sinne, der der Wehmut und dem Abschied von den durchaus nicht immer nur guten alten Tagen des Showgeschäfts mit einer Komik der zwinkernden Verzweiflung begegnet.

Ginger und Fred

Dieses späte Werk des italienischen Filmemachers Federico Fellini, in dem seine Frau Giulietta Masina gemeinsam mit Marcello Mastroianni ein schräg-charmantes reifes Künstlerpaar mimt, hat im Jahre 1986 die Berlinale eröffnet.
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