Getting Home

Getting Home

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Berlinale Panorama

Jedes Jahr sterben Tausende Wanderarbeiter auf den Baustellen Chinas. Für einen Hungerlohn schuften sie unter unmenschlichen Bedingungen, um ihren Familien ein paar Yuan nach Hause schicken zu können. Getting Home handelt von so einem Arbeiter, der weit entfernt auf einer Baustelle arbeitet in Shenzhen, der aufstrebenden Metropole an der Grenze zu Hongkong. Besser gesagt, arbeitete – denn am Anfang des Films ist er bereits tot. Und weil sein Freund Zhao (Zhao Benshan) das wohl geahnt hat, versprach Zhao die Leiche seines Kumpels Liu zurück in sein Heimatdorf nach Three Gorges zu bringen.

Eine weite Reise steht den Beiden bevor. Quer durch den Südwesten Chinas kämpft sich der kräftige Zhao mit dem toten Körper auf dem Buckel voran – meist zu Fuß, mal mit dem Bus oder Lastwagen, mal mithilfe eines großen Traktorrades. Immer wieder verlassen Zhao seine körperliche Kräfte, nicht jedoch die kreativen Einfälle, die Leiche zu transportieren – immer auf der Hut nicht entdeckt zu werden. Die Bekanntschaften, die das seltsame Duo unterwegs macht, sind mal förderlich, mal hinderlich, eigenwillige Charaktere aus der Unterschicht.

Getting Home basiert auf einer wahren Geschichte aus dem Jahr 2005. Vier Arbeiter wollten die Leiche eines Freundes nach Hause bringen und wurden am Ziel von der Polizei verhaftet. Regisseur Zhang Yang hat aus diesem Stoff eine wunderschöne, bittersüße Komödie gedreht. Das chinesische Publikum war begeistert, zumal der Protagonist Zhao Benshan ein populärer Komiker ist und eine lange Filmographie aufweisen kann. Regisseur Zhang Yang zählt mit Jia Zhangke, Wang Xiaoshuai und Zhang Yuan zu den Regisseuren der so genannten sechsten Generation, die sehr realistische Filme über die Probleme der Gesellschaft drehen wie Armut, Migration in die Städte, Abtreibung und Prostitution. In Getting Home beleuchtet Zhang Yang auf sehr verdauliche und subtile Weise die Lebensumstände der Unterschicht, aber auch die Beziehungen zwischen diesen Menschen. Es kommt selten vor, dass ein Publikum vor Freude während der Filmaufführung Beifall klatscht. Getting Home ist so ein Film.
 

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Jedes Jahr sterben Tausende Wanderarbeiter auf den Baustellen Chinas. Für einen Hungerlohn schuften sie unter unmenschlichen Bedingungen, um ihren Familien ein paar Yuan nach Hause schicken zu können.

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