Georges Méliès – Die Magie des Kinos

Georges Méliès – Die Magie des Kinos

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Frühe Trickfilmkunst

Mit Hugo Cabret hat Martin Scorsese im vergangenen Jahr dem – so heißt es – ersten Geschichtenerzähler des Kinos, Georges Méliès, ein filmisches Denkmal gesetzt. Jetzt hat Arthaus nicht nur dessen vielleicht bekanntesten Film, Le voyage dans la lune (Die Reise zum Mond), in einer wiederhergestellten Fassung herausgebracht, sondern auch eine Doppel-DVD, die neben Die Reise zum Mond auch weitere seiner insgesamt bis zu 500 Kurzfilmen präsentiert. Eine Fundgrube für Freunde der Filmgeschichte und Trick-Film-Fans gleichermaßen.
Die ersten Filme der Brüder Lumière sind bestimmt jedem Kinozuschauer bekannt; Bilder wie der einfahrende Zug oder die nach Feierabend aus einer Fabrik heraustretende Arbeiterschaft sind im kollektiven Gedächtnis des Publikums verankert. Anders sieht es dagegen mit den Filmen von Georges Méliès aus. Filmstudenten und Kinoliebhaber mögen Die beschwipsten Plakate oder den Mann der Köpfe kennen – dem Gros des Publikums sind diese ersten Trick-Experimente der Filmgeschichte jedoch meist unbekannt.

Umso verdienstvoller ist die Kurzfilmsammlung aus dem Hause Arthaus, die nun auf DVD erschienen ist. Neben den 28 Kurzfilmen und Die Reise zum Mond enthält die Kollektion auch zwei Dokumentationen. Letztere sind lehrreich und öffnen einem einmal mehr den Blick für den Künstler des frühen Kinos. Mehr als 500 Filme hat Méliès in den Jahren 1896 bis 1912 gedreht, dann jedoch ob der steigenden Konkurrenz und des einsetzenden Ersten Weltkriegs, so sein Sohn, André Méliès, in der Dokumentation Méliès, Vater und Sohn, fast alle seine Filme verbrannt.

„Der Zauberer der Leinwand, der Poet der Leinwand, der Jules Verne des Kinos“, André Méliès zählt nur einige der Spitznamen auf, die man seinem Vater gegeben hat. Méliès erzählt aus dem Leben seines Vaters, lässt sich per Stopptrick auf die Bank setzen, die sein Vater regelmäßig besucht hat, und er zeigt – auch mithilfe von Filmausschnitten – auf, welch großen Wert Georges Méliès für die globale Kinogeschichte hatte. Mit einer Länge von nur sechs Minuten zeigt diese Kurzdokumentation in nuce, wer und was Georges Méliès für das Kino war beziehungsweise ist. Die Sichtweise ist selbstredend eine subjektive, doch schön ist dabei auch vor allem, dass Méliès wirklich jede Kleinigkeit erklärt, wie zum Beispiel, dass es zu Anfang des 20. Jahrhundert ja noch keinen Farbfilm gegeben und man deshalb die Filme von Hand koloriert habe; damit wendet er sich eben auch an Laien und nicht nur ans Fachpublikum.

Noch beeindruckender ist die einstündige Dokumentation Die außergewöhnliche Reise, die neben Méliès‘ Werdegang und seinem Schaffen auch die Geschichte der Rekonstruktion der kolorierten Fassung von Die Reise zum Mond erzählt, die im Mai vergangenen Jahres nach acht Jahren mühevoller Restaurationsarbeit auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2011 präsentiert wurde. Es wird deutlich, wie viel Arbeit die Filmliebhaber, die daran beteiligt waren, in die Wiederherstellung des 110 Jahre alten Filmmaterials gesteckt und wie viel Geduld und Problemlösungsvermögen sie an den Tag gelegt haben. Der frühe Kurzfilm, der knapp 15 Minuten dauert, gewinnt durch seine Geschichte noch sehr viel mehr an Bedeutung, die er eigentlich ohnehin schon hat: 1902 gedreht, gilt Die Reise zum Mond als erster Science Fiction-Film der Geschichte; Méliès hat die literarischen Versionen eines Jules Verne erstmals im bewegten Bild umgesetzt.

Besonders gelungen ist auch, dass sich auf der DVD sowohl Farb- als Schwarzweiß-Version von Die Reise zum Mond finden. Für die kolorierte Fassung war vom Elektropop-Duo Air ein neuer Soundtrack geschrieben worden, der auch auf der DVD den musikalischen Hintergrund bildet, während der Schwarzweiß-Film mit der Klaviermusik von Lawrence Lehérissey unterlegt ist.

Ansonsten konzentriert sich die Kollektion auf Méliès‘ Kurzspielfilme, wobei sie den Fokus auf seine erzählerischen Filme wie „Cendrillon“ (Aschenputtel) oder „Barbe-bleue“ (Blaubart) legt. „Le chaudron infernal“ (Der infernalische Kessel) liegt sogar in der kolorierten Fassung vor. Auch einige von Méliès‘ Trick-Filmen sind auf der DVD enthalten: Man mag vielleicht einige der berühmtesten filmischen Zauberkunststücke von Méliès wie etwa „L’homme à la tête de caoutchouc“ (Der Mann mit dem Kautschuk-Kopf) und „L’homme-orchestre“ (Das Ein-Mann-Orchester) vermissen; doch wiegen dies andere Trick-Filme wie „Un homme de têtes“ (Ein Mann der Köpfe), „Dislocation mystérieuse“ (Geheimnisvolle Ausrenkung) oder „Le déshabillage impossible“ (Das unmögliche Anziehen) auf. In jedem Fall – die Sammlung ist ein großes Verdienst.

Georges Méliès – Die Magie des Kinos

Mit „Hugo Cabret“ hat Martin Scorsese im vergangenen Jahr dem – so heißt es – ersten Geschichtenerzähler des Kinos, Georges Méliès, ein filmisches Denkmal gesetzt. Jetzt hat Arthaus nicht nur dessen vielleicht bekanntesten Film, „Le voyage dans la lune“ („Die Reise zum Mond“), in einer wiederhergestellten Fassung herausgebracht, sondern auch eine Doppel-DVD, die neben „Die Reise zum Mond“ auch weitere seiner insgesamt bis zu 500 Kurzfilmen präsentiert.
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