Geheimring 99

Geheimring 99

Eine Filmkritik von Falk Straub

Schatten der Vergangenheit

Unter Filmverrückten genießt Regisseur Joseph H. Lewis Kultstatus. Mit wenig Budget, aber einem untrüglichen Stilwillen hat es Lewis immer wieder geschafft, mit B-Movies visuelle Marksteine in der Filmgeschichte zu setzen. Als Paradebeispiel gilt sein Film noir Gun Crazy aus dem Jahr 1950.
Während in Gun Crazy ein waffenvernarrtes Pärchen in Bonnie-und-Clyde-Manier durch die Lande zieht, widmet sich Lewis fünf Jahre später in Geheimring 99 einer eher klassischen Handlung. Der Polizist Leonard Diamond (Cornel Wilde) will Gangster-Boss Mr. Brown (Richard Conte) zu Fall bringen. Um den Verbrecherkönig dingfest zu machen, muss Diamond die mysteriöse Alicia (Helen Walker) aus Browns Vergangenheit aufspüren. Zu allem Überfluss hat sich der Gesetzeshüter auch noch in Browns Geliebte Susan Lowell (Jean Wallace) verliebt.

Obwohl bereits Mitte der 1950er entstanden, steht Geheimring 99 ganz im Zeichen des Übergangs. Mit seiner Lowkey-Ausleuchtung, Schauplätzen in der Peripherie und einem Gewicht auf Ermittlungsarbeit ist Lewis‘ Film noir noch stark Vorläufern aus der Nachkriegszeit verhaftet. In der Figur des Gangsterbosses Brown scheint der psychotische Einzelgänger der Spätphase des Film noir jedoch bereits durch. Und auch das Happy End, das wie ein eher zufälliger Triumph des Guten über das Böse inszeniert ist, weist überdeutlich auf seine düsteren Nachfolger voraus.

Richard Contes Darstellung des Verbrechers Brown, der sich einst aus Liebe zu und dann aus Hass auf eine Frau nach oben gearbeitet hat, ist dann auch das Faszinierendste an Geheimring 99. Cornel Wilde als nicht immer ganz korrekter, aber stets aufrichtiger und übereifriger Lieutenant Diamond bleibt dagegen blass. Der Rest der Darsteller überzeugt, kommt aber nicht an Conte heran, der Brown kühl, stets beherrscht und mit absolutem Machtwillen gibt.

Auch visuell überzeugt Geheimring 99 – wenn er auch lange nicht an Gun Crazy heranreicht. Lewis beweist ein weiteres Mal sein Gespür für Ausleuchtung und die Anordnung der Figuren in der Kadrage. Mit schnellen Travellings wirkt Geheimring 99 auch heute noch äußerst dynamisch. Leider ist wohl nicht die beste Kopie auf der DVD gelandet, und so geht einiges der Kameraarbeit John Altons verloren. Bewegungen wirken häufig abgehackt und den vollen Glanz des Licht- und Schattenspiels kann der Zuschauer zum Teil nur erahnen.

Geheimring 99

Unter Filmverrückten genießt Regisseur Joseph H. Lewis Kultstatus. Mit wenig Budget, aber einem untrüglichen Stilwillen hat es Lewis immer wieder geschafft, mit B-Movies visuelle Marksteine in der Filmgeschichte zu setzen. Als Paradebeispiel gilt sein Film noir „Gun Crazy“ aus dem Jahr 1950.
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