Geburt

Geburt

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Das Wunder des Lebens – schlicht und ergreifend

Wie wenig es manchmal für einen gelungenen Dokumentarfilm bedarf, der sein Publikum berührt, das führen die beiden Schweizer Filmemacher Silvia Haselbeck und Erich Langjahr in ihrem Film Geburt vor, dessen schlichter Titel keinerlei Fragen offen lässt, welches Ereignis hier im Mittelpunkt steht. Wobei der Titel, wenn man es genau nimmt, das Thema ausschließlich vom Endpunkt her beschreibt, der Film aber setzt viel früher ein und begleitet zwei Frauen und deren Familien durch ihre Schwangerschaft hindurch bis hin zur schlussendlichen Geburt. Wir sehen die Frauen und ihre Partner bei Besuchen bei der Hebamme, bei der Schwangerschaftsgymanstik, beim Nordic Walking und bei anderen Tätigkeiten, die auf die Geburt vorbereiten sollen. Und am Ende werden wir Zeuge, wie ein neuer Mensch auf die Welt kommt, sind beinahe in Echtzeit bei den letzten Minuten einer langen Zeit dabei, an deren Ende ein neues Leben steht.
So einfach der Titel des Films klingt und so einfach das erzählerische Konzept auch klingen mag – nur wer sich mit Dokumentarfilmen auskennt, und vielleicht schon selbst welche gemacht hat, kann ermessen, dass hinter diesem scheinbar ganz schlichten Film viel mehr steckt, als wir auf den ersten Blick sehen. Die Intimität, die Geburt ausstrahlt, ist das Ergebnis einer gewaltigen Offenheit der werdenden Mütter einerseits und einer seismographischen Sensibilität der beiden Regisseure andererseits. Denn wie sonst wäre es zu erklären, dass die Kamera bei einem der intimsten Momente im Leben eines Menschen so selbstverständlich dabei sein kann, dass sie jedes Pathos und jede Indiskretion vermeidet, dass sie ganz selbstverständlich etwas beobachtet und registriert, dass uns normalerweise nur dann nicht verborgen bleibt, wenn wir selbst unmittelbar Beteiligte sind?

Wer das Glück hatte, die Zeit der Schwangerschaft und den Akt der Geburt selbst mitzuverfolgen und zu erleben, sei es als werdende Mutter oder als unterstützender Vater in spe, dem werden diese Bilder und die treffend transportierte Besonderheit dieser Stunden sehr vertraut vorkommen. Und dies ist der Moment, an dem man sich als Zuschauer löst von den konkreten Geschichten, von den realen Personen, die Silvia Haselbeck und ihr Lebensgefährte Erich Langjahr über lange Zeit begleitet haben – sie werden im Moment des tiefsten Schmerzes und des höchsten Glücks zu Prototypen des Wunders der Geburt, ohne dass dieser Moment auf unangenehme Weise oder durch Penetranz getrübt wird. Die Balance, die die beiden Filmemacher finden und das Vertrauen, das ihnen von den Porträtierten entgegen gebracht wird, kann man angesichts der Intimität jener Momente kaum hoch genug einschätzen. So ist Geburt nicht nur ein sehenswerter Film über die Schwangerschaft und deren Endpunkt, sondern auch das Dokument einer innigen Verbundenheit und eines tiefen Vertrauens zwischen zwei Dokumentarfilmern (die übrigens ebenfalls Kinder miteinander haben) und den von ihnen porträtierten Menschen. Die Geburt eines Menschen, das zeigt der Film eindrücklich, ist wahrscheinlich das Normalste auf der Welt. Und zugleich ein Moment voller Magie, Vertrautheit, Nähe, wie man ihn im Leben nur selten erlebt.

Geburt

Wie wenig es manchmal für einen gelungenen Dokumentarfilm bedarf, der sein Publikum berührt, das führen die beiden Schweizer Filmemacher Silvia Haselbeck und Erich Langjahr in ihrem Film „Geburt“ vor, dessen schlichter Titel keinerlei Fragen offen lässt, welches Ereignis hier im Mittelpunkt steht.
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Meinungen
Snacki · 06.05.2010

Zutiefst beeindruckend, wenngleich auch ab und an hart an der Schmerzgrenze. Was ja anscheinend auch so gewollt war.

Kommentare

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