Gangster Chronicles

Gangster Chronicles

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Die Pfandleihe, der Nexus allen Seins

Der Wahnsinn hat bei Gangster Chronicles Methode. Der Episodenfilm mit verbindenden Elementen à la Pulp Fiction versteht es, immer wieder mit dem Unerwarteten aufzuwarten. Dabei gelingt es ihm erstaunlich oft, sogar noch einen draufzusetzen. Nur zum Ende hin geht dem gut besetzten Film merklich die Puste aus.
Eine Pfandleihe ist sowas wie das Zentrum der Welt, zumindest aber der Ausgangspunkt dreier sehr unterschiedlicher Geschichten. In der ersten geht es um ein paar dummdreiste Rednecks, die einen Methadon-Hersteller überfallen wollen, in der zweiten um einen frisch verheirateten Mann, der in der Pfandleihe den Ring seiner vor Jahren verschwundenen ersten Frau findet. Er macht sich auf die Suche nach ihr und erlebt eine bittere Überraschung. In der dritten Geschichte hat ein mieser Elvis-Doppelgänger die Wahl: Einen Deal mit dem Teufel eingehen und erfolgreich werden – oder weiter dahin dilettieren?

Gangster Chronicles ergeht es wie allen Episodenfilmen. Ein fauler Apfel ist einfach immer dabei. Unvorteilhaft ist es, wenn der Absacker die letzte Geschichte ist. Sie trübt den Gesamteindruck. Immer besser ist es, mit einem Highlight zu schließen, ein starkes Finale kann einen schwachen Start kaschieren, umgekehrt läuft es aber deutlich weniger gut. Die letzte Geschichte mit Brendan Fraser als Elvis-Nachahmer fällt auch völlig aus der Reihe, und das, obwohl die Geschichten ohnehin herrlich überzogen sind. Einen Pakt mit dem Teufel zum Knackpunkt der Geschichte zu machen, verfehlt seine Wirkung. Zudem pfeift der Film zum Ende hin auch auf jedwede Logik, wenn eine Figur, deren Tod man nicht akustisch, aber plastisch beiwohnte, doch noch lebt.

Dem gegenüber stehen die ersten zwei Geschichten (und die amüsante Rahmenhandlung mit dem kernigen Vincent D’Onofrio). Sie sind überraschend, spannend, skurril und höchst vergnüglich, wenn man etwas deftigere Unterhaltung zu schätzen weiß. Ansprechend an Pawn Shop Chronicles ist auch, dass der Film bis in die Nebenrollen namhaft besetzt ist. Das Format des Films erlaubte es, bekannte Namen für die amüsanten Geschichten zu gewinnen. Formal erinnert der Film mit der Einführung zu jeder Geschichte an gute, alte EC Comics im Stil von Tales from the Crypt. Auch das trägt dazu bei, dass der Streifen Kultfilmpotenzial hat. Einzig die finale Geschichte verhindert, dass er letzten Endes der Kracher ist, der schon mit den ersten Minuten versprochen wird.

Gangster Chronicles

Der Wahnsinn hat bei "Gangster Chronicles" Methode. Der Episodenfilm mit verbindenden Elementen à la "Pulp Fiction" versteht es, immer wieder mit dem Unerwarteten aufzuwarten.
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