Friedhof der Kuscheltiere (2019)

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Stephen King, wohin man schaut! Sein Horrorroman „Friedhof der Kuscheltiere“ findet zum zweiten Mal den Weg ins Kino. Ob die Auffrischung den Zuschauer stärker das Fürchten lehrt als die allenfalls durchwachsene Erstverfilmung?   

Friedhof der Kuscheltiere (2019)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Auferstanden von den Toten

Was, wenn man einen Verstorbenen zurück ins Leben holen könnte? Diese ebenso spannende wie irritierende Frage steht im Zentrum von Stephen Kings Roman Friedhof der Kuscheltiere aus dem Jahr 1983, der eine griffige Schauergeschichte mit ernstzunehmenden Reflexionen über Trauer und Verlust verbindet. Die 1989 veröffentlichte, von Mary Lambert inszenierte Kinoadaption, zu der der Bestsellerautor selbst das Drehbuch beisteuerte, ließ die reizvollen Gedankenspiele weitgehend unter den Tisch fallen und entpuppte sich als, wenn überhaupt, mittelprächtiges Gruselvergnügen, das trotz einer bedächtigen Einführung nur wenig für subtilen Schrecken übrig hatte. 

Die nun startende Neuverfilmung, die unter der Regie des eingeübten Gespanns Kevin Kölsch und Dennis Widmyer (Starry Eyes) entstand, ist sicherlich nicht schlechter als die alte Leinwandversion, krankt aber wie so viele heutige Horrorwerke an einer Präsentation des Grauens mit dicken Pinselstrichen. Im Prinzip geht das laute Raunen und Klappern schon mit den ersten Bildern los, die dem Publikum einen Vorgeschmack auf die irgendwann ausbrechenden Eskalationen geben. 

Da sie das Leben in der Großstadt Boston zunehmend gestresst hat, ziehen der Arzt Louis Creed (Jason Clarke) und seine Ehefrau Rachel (Amy Seimetz) mit ihren Kindern Ellie (Jeté Laurence) und Gage (Hugo und Lucas Lavoie) in die ruhige, von tiefen Wäldern umgebene Kleinstadt Ludlow im US-Bundesstaat Maine. Ein Stück hinter ihrem Haus befindet sich ein Friedhof für Haustiere, wie ihr kauzig-sympathischer Nachbar Jud Crandall (John Lithgow) zu berichten weiß. Als eines Tages die vor allem von Ellie geliebte Katze Church – eine Kurzform für Winston Churchill – auf der Schnellstraße vor dem Anwesen totgefahren wird, beschließt Louis, den Vierbeiner ohne das Wissen seiner Tochter zu beerdigen. Jud bietet dem Doktor seine Hilfe an und führt ihn mitten in der Nacht auf ein jenseits des Tierfriedhofs gelegenes Areal, vor dem der Geist eines verunglückten jungen Mannes (Obssa Ahmed) Louis kurz zuvor gewarnt hat. Dennoch begräbt er Church an diesem geheimnisvollen Ort, dessen übernatürliche Kräfte den Kater nur wenig später lebendig, aber wesensverändert in den Schoss der Familie zurückkehren lassen.  

Der von King erdachte Plot strahlt noch immer eine beunruhigende Faszination aus, wird in der darstellerisch überzeugenden Neuauflage allerdings nur selten für wirklich starke Gänsehautmomente genutzt. Statt langsam in die Eingeweide kriechendes Unbehagen aufzubauen, setzen Kölsch und Widmyer lieber auf eine mit dem Holzhammer hervorgerufene Verunsicherung. Rachel und Ellie treffen nach der Ankunft im neuen Heim auf eine Kinderprozession, deren Teilnehmer unter dumpfen Trommelschlägen mit gruseligen Masken über den Gesichtern zum Tierfriedhof schreiten und dank ihres bizarren Aufzuges an eine Sektengemeinschaft erinnern. Immer wieder drehen die Macher den Lautstärkeregler nach oben, um den Betrachter durchzuschütteln. Die zerzauste Church-Reinkarnation muss mehr als einmal für einen grellen Schock herhalten. Und allzu plump sind die mit Rachels sterbenskranker Schwester zusammenhängenden Rückblenden und Visionen auf den Effekt hin getrimmt. Das Regie-Duo vertraut hier den Bildern eines bizarr entstellten Körpers, merkt jedoch nicht, dass die kurzen Einschübe schnell ins Lächerliche kippen, da sie schlichtweg zu oft und zu beliebig auftauchen. 

Dass Kölsch und Widmyer Szenen durchaus mitreißend und intensiv orchestrieren können, beweist ein tragisches Unglück im Mittelteil. Obwohl der Einsatz digitaler Hilfsmittel an dieser Stelle arg offensichtlich ist, lassen einen die dramatischen Geschehnisse keineswegs kalt. Während den Creeds der Boden unter den Füßen weggezogen wird, verliert auch der Zuschauer seine Fassung. Interessanterweise erlaubt sich Drehbuchautor Jeff Buhler (The Prodigy) ausgerechnet bei diesem zentralen Ereignis eine markante Abänderung des Ursprungsstoffes, die sicherlich für Diskussionen sorgen wird.

Überraschende Wege beschreitet der neue Friedhof der Kuscheltiere ferner im Finale. Wirkte schon der Showdown in der Verfilmung von 1989 mit seinen Gewaltausbrüchen und seinen plötzlichen Entgleisungen ungemütlich, setzen Kölsch und Widmyer nun noch einen drauf. Der um sich greifende, blutige Wahnsinn hat zweifelsohne Verstörungspotenzial und endet mit einer abgewandelten Pointe, fällt allerdings einmal mehr in die Kategorie Haudrauf-Horror, der sich im Kopf des Zuschauers über den Kinobesuch hinaus nicht sehr lange einnistet.

Friedhof der Kuscheltiere (2019)

Basierend auf dem bekannten und bereits 1989 verfilmten Roman „Friedhof der Kuscheltiere“ von Stephen King erzählt „Pet Sematary“ von Dr. Louis Creed, der zusammen mit seiner Familie von Boston ins ländliche Maine gezogen ist. Als er einen geheimnisvollen Begräbnisplatz in der Nähe seines Hauses entdeckt, beschwört das die Geister des Bösen herauf.

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Meinungen
Joseph · 12.04.2019

Der erste Stephen King Film der gut war. Gruselig aber, ziemlich gruseliger Film.

Stevaan Könisch · 08.04.2019

Die Kulisse mit dem Haus und dem Friedhof ist klasse. Die Schauspieler sind auch gut. Aber der Film zieht sich irgendwann wie Gummi und die wenigen spannenden Momente ploppen wie kitschiger Grusel auf. Unter dem Strich ist das Remake nicht gelungen. Wenigstens im Abspann hätte man den Ramones Tribut zollen können. Stattdessen ein schlechtes Cover von "Pet Semetary".
Fazit: 3 von 5 Sternen, weil die Kulisse gelungen ist und die Schauspieler passend wirken.

ralf · 04.04.2019

richtig guter film

Kommentare

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