Freeway

Freeway

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Bereits die Zeichnungen des Intros zu Beginn des Films lassen keinen Zweifel darüber, worum es hier geht: Ein Mädchen in einer Mission, ein Korb, ein Wolf, eine Großmutter – Rotkäppchen in Eckdaten. Doch die Geschichte von Freeway nimmt dann doch einen drastisch anderen Verlauf als der märchenhafte Klassiker, und vor allem ein glückliches Ende ist schon nach ein paar Minuten rettungslos verloren, für die Figuren ebenso wie für ihre Zuschauer. Der Film konnte einige Nominierungen und Auszeichnungen auf Festivals ergattern, unter anderem mehrfach für Reese Witherspoon als Beste Hauptdarstellerin.
Beschimpfungen, Flüche sowie physische Übergriffe und Brutalitäten bestimmen den vorwiegenden sozialen Umgangston im Umfeld der jugendlichen Vanessa Lutz (Reese Witherspoon), die unter den heftigen Desolationen ihrer Familie leidet. Ihre Mutter Ramona (Amanda Plummer) versucht direkt vor dem Hotel, wo sie sich provisorisch eingerichtet haben, Freier zur Drogenfinanzierung aufzureißen, während ihr Stiefvater Larry (Michael T. Weiss) sich permanent zuknallt und das Mädchen sexuell belästigt. Den einzigen Lichtblick stellt ihr Freund Chopper (Bokeem Woodbine) dar, der allerdings ebenfalls gefährlich dicht in üble Illegalitäten verstrickt ist.

Als Ramona und Larry schließlich verhaftet werden, erscheint die vertraute Frau von der Jugendfürsorge wieder einmal bei Vanessa, doch dieses Mal reißt das traumatisierte Mädchen schlichtweg mit dem Wagen der außer Gefecht gesetzten Lady aus. Ihr Ziel ist es, sich zu ihrer Großmutter durchzuschlagen, die allerdings wahrscheinlich nicht einmal um ihre Existenz weiß. Aber das Auto lässt sie nach einer Weile im Stich, und sie schließt sich dem verständnisvollen Bob Wolverton (Kiefer Sutherland) an, der sie vom Rand des Freeways mitnimmt – der Wolf kommt ins Spiel. Zunächst scheint es so, dass sie diesem engagierten Zuhörer vertrauen könne, doch allmählich dämmert Vanessa, wer dieser aalglatte Mann tatsächlich sein könnte ...

Zwei Deutungsmöglichkeiten drängen sich nach dem Konsum dieses fürchterlichen Films auf: Entweder handelt es sich bei Freeway mit seinen miserablen, mit uncoolen dreckigen Deftigkeiten überladenen Dialogen um eine wenig gelungene Persiflage auf das Genre der Roadmovies, Serienkiller und verlassenen, tapferen Mädchen. Oder aber schlicht um einen dramaturgisch unschlüssigen, übermäßig gewalttätigen Actionfilm, dessen Wendungen unangebracht und ermüdend wirken. Selbst die renommierten Akteure geben sich der albernen Überzeichnung ihrer Charaktere hin, während sich weder die Stimmung noch der Fokus der Geschichte nicht einmal für eine ansatzweise passende Ausrichtung entscheiden können – ein hohles Spektakel mit Hang zu scheppernder Dramatik und gescheitertem Witz, das auf der ganzen Linie ohne Widerhall bleibt.

Freeway

Bereits die Zeichnungen des Intros zu Beginn des Films lassen keinen Zweifel darüber, worum es hier geht: Ein Mädchen in einer Mission, ein Korb, ein Wolf, eine Großmutter – Rotkäppchen in Eckdaten.
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