Frau im Mond

Frau im Mond

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Fritz Langs letzter Stummfilm

Lange bevor der US-Amerikaner Neil Armstrong im Jahre 1969 als erster Mensch den Mond betrat, träumten Wissenschaftler wie Romantiker bereits davon, zu diesem Himmelskörper zu reisen. Die Sehnsucht nach dieser fernen Welt jenseits des Irdischen gepaart mit dem eigennützigen Wunsch, immense Reichtümer dort anzutreffen, findet ihren filmischen Ausdruck in Frau im Mond von Fritz Lang aus dem Jahre 1929, bei dem sogar ein weibliches Wesen mit von der Partie bei der Reise zum Mond ist. Dieser letzte Stummfilm des berühmten Regisseurs, der seine Karriere mit dem legendären Krimi M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931) als erstem Tonfilm seines Werkes fortsetzte, ist in der Art seiner Inszenierung bereits deutlich auf der Schwelle zum gesprochenen Wort anzutreffen, das hier noch durch eingeblendete Schrifttafeln ersetzt wird. Frau im Mond erscheint innerhalb der Edition Momente des deutschen Films, die von der Filmredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zusammengestellt wurde und enthält als Bonus ein Interview mit dem Filmkritiker Andreas Kilb, der interessante Hintergründe zu diesem Film als Auftakt der Edition präsentiert.
Von seinem wissenschaftlichen Kollegium verlacht haust der verarmte Professor Manfeldt (Klaus Pohl) in einer kargen Kammer und träumt noch immer von der Idee, auf den Mond zu fliegen und dort Schätze an Gold zu entdecken. In dem wohlhabenden Ingenieur Wolf Helius (Willy Fritsch), der über konkrete Pläne für eine Raumfahrt zum Mond verfügt, hat er einen einzigen Gesinnungsgenossen, der ihm eines Tages eröffnet, dass bald der große Moment der Reise gekommen sei. Doch die Vorbereitungen für das spektakuläre Projekt bleiben auch einer fachlich versierten Gaunerbande nicht verborgen, die in einem perfekt geplanten Coup das Material des Ingenieurs an sich bringt und Helius zwingt, den ebenso zwielichtigen wie gewieften Verwandlungskünstler Turner (Fritz Rasp) mit an Bord zu nehmen.

So startet dann tatsächlich die Rakete mit einer angespannten Besatzung zum Mond: Im Raumschiff befinden sich neben Professor Manfeldt, Turner und Helius noch dessen Freund und Kollege Hans Windegger (Gustav von Wangenheim) und dessen frische Verlobte Friede Velten (Gerda Maurus), die als Studentin der Astronomie bereits intensiv mit Helius zusammengearbeitet hat, der heimlich in die junge Frau verliebt ist und sich fürchterlich über die Verbindung seines Freundes mit Friede grämt. Kurz nach dem Start wird dann noch der kleine Gustav (Gustl Stark-Gstettenbaur) als blinder Passagier entdeckt, der sich diese Reise nicht entgehen lassen wollte. Angekommen auf dem Mond brechen die unterschwelligen Konflikte der Crew aus, und es kommt zu dramatischen Wendungen …

Einerseits ein früher Science Fiction Film, andererseits eine pathetische Liebesgeschichte stellt Frau im Mond als gemeinsames Projekt der damaligen Eheleute Thea von Harbou, die das Drehbuch nach ihrem gleichnamigen Roman verfasste, und Fritz Lang eine kuriose Geschichte dar, die bei einer ausführlichen Länge von über 160 Minuten das Zwischenmenschliche mit kriminalistischen und wissenschaftlichen Elementen verbindet. An heutigen Maßstäben gemessen entbehren die sorgfältig entworfene Raumfahrt-Ausstattung sowie die Vorstellungen von den Bedingungen auf dem Mond, wo die Astronauten sogar frei atmen können, natürlich nicht einer gewissen Komik. Doch bei diesem Film, dessen Premiere einst für Furore sorgte und mit großer Prominenz – darunter Albert Einstein – feierlich in Berlin zelebriert wurde, geht es weniger um die technischen Details als vielmehr um innovative Ideen des damaligen Zeitgeistes, die Gier nach Gold und Reichtum als menschliche Grundkonstante sowie schlichtweg um Liebe, die bereit ist, Leib und Leben zu opfern. Frau im Mond ist mit all seinen Längen und Schwächen auch heute noch ein sehenswertes Stück Filmgeschichte, das einen nachhaltigen Eindruck auf das Genre des Science Fiction Films hinterlassen hat – und zwar mit ausgesprochen nostalgischem Charme.

Frau im Mond

Lange bevor der US-Amerikaner Neil Armstrong im Jahre 1969 als erster Mensch den Mond betrat, träumten Wissenschaftler wie Romantiker bereits davon, zu diesem Himmelskörper zu reisen.
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