Frankfurt Coincidences

Frankfurt Coincidences

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Odysseen in einer Schicksalsstadt

Das Schicksal also mal wieder. Oder der Zufall – ganz wie man will und (an) was man glaubt. Wenn man Robert Altman und Alejandro González Iñárritu etwas vorwerfen muss, dann wohl die Tatsache, dass sie das episodisch verschränkte, nonlineare Erzählen als Sehnsucht in den Köpfen deutscher Jungfilmer verankert haben und vergaßen, auf all die Schwierigkeiten einzugehen, die mit dieser Form der Narration einhergehen. Zum Beispiel der Zufall, der immer dann die Zusammenführung der Figuren herbeiführen muss, die sonst einander nie begegnet wären. Burhan Qurbanis Berlinale-Beitrag Shahada war ja in dieser Hinsicht geradezu ein Musterbeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Zumindest in dieser Hinsicht hat der Autor, Regisseur und Produzent Enkelejd Lluca in seinem Abschlussfilm Frankfurt Coincidences nicht viel anbrennen lassen – seine Geschichten begründen sich dadurch, dass sie in verschiedenen Episoden von den Bewohnern eines Frankfurter Hauses erzählen, deren Begegnungnen und Überschneidungen immerhin durch die Nähe und Nachbarschaft begründet sind.
Vier Geschichten sind es, von denen der Film erzählt: Da ist zum einen der freundliche türkische Gemüsehändler Abdullah (Ramin Yazdani) und seine Tochter Najila (Teodora Djuric), die wir am Anfang in einer fast schon dokumentarischen Sequenz im Großmarkt sehen, dann die asiatische Prostituierte Ana (Bolor Sharhuukhen), deren Tochter in Paris bei Anas Schwester lebt. Hinzu kommt der aus Afrika stammende Asylbewerber Aidu (David Wurawa) der im Dachgeschoss lebt und schließlich noch der trauernde Witwer Udo (Ulrich Günther), der den Tod seiner Frau nicht verwinden kann und um den sich Najila rührend kümmert. Dabei hat die eigentlich ganz andere Probleme, denn gegen den Willen ihres Vaters führt sie eine heimliche Beziehung zu dem Deutschen Erik (Benedikt Blascovic) und ist von diesem schwanger. Auch bei den anderen Charakteren spitzen sich im Verlauf der anfangs recht zäh gestalteten Handlung die Ereignisse immer zu – Aidu etwa soll nach dem Willen der Behörden abgeschoben werden und Anas Zuhälter wird gewalttätig, so dass sie sich entscheiden muss, wie sie ihr Leben weiterführen soll.

Selbst wenn man großzügig darüber hinwegsieht, dass die Figurenzeichnung und Charakterisierung dieses zwar mit kleinem Geld (12.000 Euro), aber großen Ambitionen entstandenen Spielfilmdebüts geradezu lehrbuchhaft nahezu jedes Klischee bedient, das man sich nur vorstellen kann, sind es vor allem die unglaublich zähen und banalen Dialoge sowie die darstellerischen Leistungen, die aus Frankfurt Coincidences eine echte Geduldsprobe machen.

Technisch bietet der Film im Rahmen seiner Möglichkeiten eine durchaus ansprechende Kameraarbeit, die sich aber der gemächlichen und überdeutlich bedeutungsschwangeren Inszenierungsweise immer wieder unterordnet, viel zu lange auf Szenerien verweilt und oftmals mit dem Wechsel von Schärfe und Unschärfe spielt. Retten können aber diese Spielereien auch nicht allzu viel, so dass sich bei aller Unterstützung für den jungen Film schon ein wenig die Frage stellt, was dieses Werk denn eigentlich im Kino verloren hat. Und dass Frankfurt Coincidences den Hessischen Filmpreis für den besten Hochschulfilm gewann, wirft allenfalls ein bezeichnendes Licht auf die Bedeutung des Bundeslandes als Filmstandort, nicht auf die Qualität des Films.

Frankfurt Coincidences

Das Schicksal also mal wieder. Oder der Zufall – ganz wie man will und (an) was man glaubt. Wenn man Robert Altman und Alejandro González Iñárritu etwas vorwerfen muss, dann wohl die Tatsache, dass sie das episodisch verschränkte, nonlineare Erzählen als Sehnsucht in den Köpfen deutscher Jungfilmer verankert haben und vergaßen, auf all die Schwierigkeiten einzugehen, die mit dieser Form der Narration einhergehen.
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Meinungen
Geraldine K. · 31.05.2012

War letzte Woche in dem Film drin. Die Meinung des Verfassers kann ich nicht teilen. Ich fand die Mischung aus dokumentarisch ruhigen Szenen eigentlich mal ganz schön. Ist nicht alles so hektisch. Auch die Leistung der Darsteller, vor allem die der Ana und von Aidu fand ich gut. Auch die des türkischen Papas. Der Mix ethnischer Protagonisten wirkt frisch. Über den Film lässt sich denke ich streiten, man muss wohl auf sowas stehen. Die Klischees wirken auf mich realistisch. Muss man für sich selbst entscheiden.

Ramin Yazdani · 22.10.2011

Eine der Hauptfiguren (Abdollah Aydin) spielt Ramin Yazdani.

Kommentare

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