Fly High - Das Marihuana Experiment

Fly High - Das Marihuana Experiment

Eine Filmkritik von Falk Straub

Bored of the Weed

Die DVD-Hülle von Fly High wirkt vertraut. Ein Mann hat den Mund ziemlich voll genommen. Doch statt Pommes frites wie Morgan Spurlock auf dem Plakat zu Super Size Me streckt Doug Benson dem Betrachter jede Menge Joints entgegen. Ein Blick auf den Originaltitel macht den Bezug noch deutlicher: Super High Me heißt Michael Bliedens Dokumentarfilm auf Englisch, in dem der Regisseur den Stand-up-Comedian Benson 30 Tage rund um die Uhr kiffen lässt.
Die Idee zu Fly High beruht auf einem Witz. Als der bekennende Kiffer Doug Benson mit reichlich THC im Blut Morgan Spurlocks Doku Super Size Me sieht, bekommt er Lust auf eine heiße Apfeltasche. Im Rausch verfehlt das Experiment, bei dem sich Spurlock 30 Tage lang nur von Fast Food ernährt, bei Benson jegliche abschreckende Wirkung. Fortan erzählt der Komiker seinem Publikum Abend für Abend die witzige Anekdote und fügt an, dass er Spurlocks Experiment nachstellen wolle – mit Marihuana statt Fast Food. Als Regisseur Michael Blieden davon Wind bekommt, wird aus dem Spaß plötzlich Ernst und Fly High ist geboren.

Wie Spurlock in Super Size Me durchläuft auch Benson in Fly High jede Menge Tests. Um ein halbwegs aussagekräftiges Ergebnis zu erzielen, steht die erste große Hürde jedoch noch bevor: Mit dem Dauerkiffen kann Benson erst nach 30 Tagen Abstinenz beginnen. Was danach folgt, ist die übliche Mischung aus verwackelten Digitalkamerabildern, schnellen Schnitten, zeitgenössischem Soundtrack und witzigen Animationen, die der Zuschauer von charakterzentrierten Dokus à la Michael Moore gewohnt ist. Jede Menge B-Promis der US-amerikanischen Comedy-Szene von Sarah Silverman (Das Sarah Silverman Programm) über Bob Odenkirk (Breaking Bad) bis Zach Galifianakis (Hangover-Trilogie) oder Aktivisten wie der selbsternannte Prince of Pot, Marc Emery, geben dabei hinter den Kulissen mal mehr mal weniger mutige Statements zu ihrem eigenen Konsum ab.

Was mit einem Augenzwinkern beginnt und als Persiflage auf Spurlocks Herangehensweise an den Dokumentarfilm zunächst funktioniert, driftet allzu schnell ins Bedeutungsschwangere ab. Spätestens wenn sich Fly High für eine bundesweite Legalisierung von Marihuana – und sei es auch nur zu medizinischen Zwecken – vor den politischen Karren spannen lässt, nimmt sich der Film zu ernst. Ein dauerbreiter Protagonist, der nicht mehr in der Lage ist, von 100 rückwärts zu zählen und dessen Auftritte deutlich schlechter als in nüchternem Zustand ausfallen, jedoch weiterhin mit seligem Lächeln betont, um wie viel kreativer ihn Marihuana mache, wirkt alles andere als komisch. In wenigen guten Momenten ist Fly High dennoch witzig, in vielen schlechten prätentiös und verharmlosend. Bekifft macht das bestimmt mächtig Spaß, ohne Drogen bleibt dem Zuschauer das Lachen im Hals stecken. Und das ist gewiss keine Absicht.

Fly High - Das Marihuana Experiment

Die DVD-Hülle von „Fly High“ wirkt vertraut. Ein Mann hat den Mund ziemlich voll genommen. Doch statt Pommes frites wie Morgan Spurlock auf dem Plakat zu „Super Size Me“ streckt Doug Benson dem Betrachter jede Menge Joints entgegen. Ein Blick auf den Originaltitel macht den Bezug noch deutlicher: „Super High Me“ heißt Michael Bliedens Dokumentarfilm auf Englisch, in dem der Regisseur den Stand-up-Comedian Benson 30 Tage rund um die Uhr kiffen lässt.
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