First Love (2019)

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Ein Boxer mit Gehirntumor und eine junge Frau zwischen Drogensucht und Prostitution sind normalerweise nicht gerade als Liebespaar füreinander bestimmt — und erst recht darf man nicht erwarten, dass so eine Geschichte gut ausgeht. Takashi Miike aber zeigt, dass es auch anders geht.

First Love (2019)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Wahre Romantik

Manchmal schlägt das Schicksal unbarmherzig wie der präzise geführte Uppercut eines Boxers zu. Das muss der junge Boxer Leo (Masataka Kubota) am eigenen Leibe erfahren, der zwar im Ring einiges an Tiefschlägen gewöhnt ist. Doch dieser Punch, der ihn ausknockt, kommt unerwartet an ganz anderer Stelle auf ihn zu. Als er während eines eigentlich aussichtsreichen Kampfes kollabiert und einen Arzt konsultiert, eröffnet ihm dieser, dass er unter einem inoperablen Hirntumor leidet, der ihm wohl nicht mehr viel Zeit zum Leben lässt. Wie betäubt stolpert er fortan durchs Leben und mitten hinein in eine wilde Räuber-und-Gendarm-Geschichte, die ausgerechnet ihm, dem eigentlich Lebensmüden, alles abverlangt, um… ja, um zu überleben. Auch wenn er das eigentlich überhaupt nicht mehr will. Denn für was lohnt es sich schon weiterzuleben, wenn man wie er als Waise ohne Bindungen und Wurzeln aufgewachsen ist, dem zudem nur noch eine kurze Zeit auf der Erde bleibt.

Denn plötzlich geht es — genau wie es ihm ein Wahrsager prophezeit hat — gar nicht mehr um ihn selbst und sein eigenes Leben, sondern um das von Monica, die ihn auf der Flucht versehentlich anrempelt und deren Partei er instinktiv ergreift. Und im Handumdrehen sind die beiden mitten in einem unübersichtlichen Gemenge, bei dem es um Drogen, korrupte Polizisten, japanische Yakuza und chinesische Triaden und um Hass, Rache und Tod geht — und das nicht nur in überaus unübersichtlicher, sondern auch sehr blutiger Form, die nicht nur das junge Paar, sondern auch den Zuschauer schnell mal die Orientierung verlieren lässt.

Weil sich die ganze Geschichte im Verlauf einer einzigen Nacht entspinnt und Takashi Miike gemeinsam mit seinem Drehbuchautor Masa Nakamura ein großes Figurenensemble zusammenführt, huscht, nein rast der Film im gestreckten Galopp über manche Holprigkeiten und nimmt vom Tempo her keine Rücksicht auf das Fassungsvermögen des Zuschauers, sondern zieht munter seinen an Tony Scotts und Quentin Tarantinos True Romance orientierten Stiefel runter, variiert und verdichtet dessen Grundthematik und macht in Sachen Action, grimmig-sarkastischem Humor und Blutzoll keine Gefangenen, so dass selbst der kampferprobte Yakuza Kase sich mehr als nur einmal darüber beschwert, wieviele Menschen er denn in dieser verhängnisvollen Nacht noch um die Ecke bringen muss, bevor es ihn selbst erwischt.

Dass Miike bei all diesem Tempo und der Dichte des bisweilen überkonstruiert wirkenden Plots es aber tatsächlich noch schafft, die aufkeimende Liebe zwischen Leo und Monica (die eigentlich Yuri heißt) zu entwickeln und langsam wachsen zu lassen, und Leos Todgeweihtheit sowie Monicas / Yuris Besessenheit mit einem früheren Mitschüler am Ende aufzulösen, gehört zu den wohl erstaunlichsten Volten dieses an verrückten Wendungen nicht gerade armen Films, dem wir wohl mit ziemlicher Sicherheit beim Fantasy Film Fest und in Sitges wieder begegnen werden. Denn First Love hat definitiv das Zeug zu einem Publikumsliebling, der über so manche Enttäuschung, die sich Miike in den letzten Jahren geleistet hat, hinwegtrösten kann.

First Love (2019)

Takashi Miikes neuer Film spielt während einer einzigen nacht in Tokio und folgt Leo, einem Boxer, der eine Pechsträhne hat und der auf seine erste große Liebe Monica trifft. Durch einen dummen Zufall geraten die beiden in einen Drogendeal und werden fortan, nicht nur von von einem Yakuza und einem korrupten Cop, sondern auch von einer erbarmungslosen Killerin gejagt, die im Auftrag einer chinesischen Triade handelt.

 

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