Ferien

Ferien

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Konflikte einer Familie

Ausnahmesituation Ferien: In einem abgelegenen Landhaus in der Uckermark nimmt sich eine Familie eine Auszeit vom Alltag. Ein Sommer lang kommen vier Generationen zusammen. Doch die schöne Zeit ist kurz, die Idylle schnell vorüber und Konflikte sind nicht länger zu vermeiden. Thomas Arslans neuer Spielfilm Ferien erzählt die Geschichte einer zerrüttenden Familie, deren Personen sich vergebens mühen, etwas mehr Glück in ihr Leben zu bringen.
In einem Haus fern von der Großstadthektik auf dem Land lebt Anna (Angela Winkler) mit ihrem zweiten Mann Robert (Wigand Witting) und dem gemeinsamen Sohn Max (Amir Hadzic). Nach dieser Idylle sehnt sich Annas in Berlin lebende Tochter Laura (Karoline Eichhorn), die aus ihrer ersten Ehe stammt. Laura besucht ihre Mutter zusammen mit ihrem Freund Paul (Uwe Bohm) und ihren zwei Kindern. Doch das ersehnte nette Zusammensein wird schnell schwierig: Nicht nur Mutter und Tochter geraten aneinander, auch zwischen Laura und ihrem Freund Paul wird es kompliziert, da sie ihn wegen einer Affäre verlassen will. Anna hingegen trauert noch immer ihrem ersten Mann nach, der sie mit ihren beiden Töchtern sitzen ließ. Zu der ohnehin schon angespannten Situation kommt Annas schwerkranke Mutter (Gudrun Ritter) hinzu und Lauras Schwester Sophie (Anja Schneider), die privat als Single und auch an ihrer gescheiterten Karriere zu knappern hat. Auch der pubertierende Max, Annas Sohn aus zweiter Ehe, hat mit den ersten Wehen einer Liebe zu kämpfen. Das sind einfach zu viele konfliktbeladene Personen auf zu engem Raum.

Bei all den Problemen kleineren oder größeren Ausmaßes kommt es nahezu nie zum Ausbruch, nur einmal gibt es zwischen Anna und ihren Töchtern ansatzweise eine lautstarke Diskussion, die sich jedoch schnell wieder beruhigt. Eigentlich wartet man die ganze Zeit darauf, dass etwas passiert, wartet auf den großen Knall wie bei der Ruhe vor dem Sturm – aber vergeblich. Denn nicht umsonst wird Regisseur und Absolvent der dffb Thomas Arslan zu einem der Begründer und wichtigsten Vertreter der "Berliner Schule" zugeordnet, einer Gruppe von Filmemachern, deren Kino reduziert und schlicht erzählt, fern von Sensation und Drama. Eher Form und Ästhetik als Plot und Inhalt stehen im Vordergrund. Es geht um die nüchterne Realität in kühlen, sachlichen, fast unbeweglichen Bildern. Nicht nur die Figuren wirken teilweise regungslos, auch die Kamera von Michael Wiesweg fängt sie in Ferien mit starren, langen Einstellungen ein. Wiesweg kennt man zum Beispiel als Kameramann von Rudolf Thomes Filmen Frau fährt, Mann schläft (2004) und Rot und blau (2003).

Seit 1994 hat Thomas Arslan, Jahrgang 1962, sechs Filme gedreht, darunter die Migranten-Trilogie mit den Filmen Geschwister (1996), Dealer (1998) und Der schöne Tag (2001). Zuletzt hat der in Essen geborene Regisseur den Dokumentarfilm Aus der Ferne (2005) gedreht, einen persönlichen Reisebericht über die Türkei, seiner zweiten Heimat, in der er mehrere Jahre seiner Kindheit verbracht hat. In dem Film Ferien, für den er auch das Drehbuch geschrieben hat, verzichtet er auf den Bezug zur Türkei und einen Einblick in die Lebensweise von Deutsch-Türken.

Ferien ist ein sehr langsamer und nüchterner Film. Wer das reduzierte Kino der Berliner Schule von Regisseuren wie Angela Schanelec, Christian Petzold oder Christoph Hochhäusler mag, dem wird auch dieser Film gefallen.

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Ausnahmesituation Ferien: In einem abgelegenen Landhaus in der Uckermark nimmt sich eine Familie eine Auszeit vom Alltag. Ein Sommer lang kommen vier Generationen zusammen.
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