Fanaa

Fanaa

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Liebe im Schatten von Terrorismus

Als dieser Film des indischen Regisseurs Kunal Kohli 2006 in die Kinos kam, wurde er zu einem der erfolgreichsten des gesamten Jahres, und auch außerhalb Indiens spielte die tragische Geschichte beachtliche Summen ein. Mit Fanaa erschien auch nach mehrjährigem Rückzug ins private Babyglück die schier unglaublich häufig ausgezeichnete Schauspielerin Kajol wieder auf der Leinwand, die auch dieses Mal den Filmfare Award als Beste Hauptdarstellerin gewann – und die Fans dürfen wieder schwärmen und schwelgen. Der Titel Fanaa bedeutet Zerstörung, und in der Tat wird dieser Liebesfilm von der sehr ernsten politischen Thematik um den blutigen Kaschmir-Konflikt flankiert, die im letzten Teil die Geschichte beherrscht und sich auf dramatische Entscheidungen zwischen persönlichen Zuneigungen, politischen Überzeugungen und gewaltigen Gewissensfragen zuspitzt.
Zooni (Kajol) ist eine wunderschöne junge Frau, die seit ihrer Geburt blind ist, wohl behütet bei ihren Eltern (Kiron Kher, Rishi Kapoor) in Kaschmir lebt und von der großen Liebe träumt. Eines Tages reist sie mit Freundinnen ihrer Tanzgruppe für ein paar Tage nach Delhi zu einem Auftritt und verliebt sich heftig in den windigen Charmeur Rehan (Aamir Khan), der dort als Fremdenführer arbeitet. Entgegen der Warnungen ihrer Freundinnen und trotz des Wissens darum, dass Rehan sich weder binden noch ihr die Treue versprechen will, verbringt Zooni ihre letzte Nacht in Delhi mit ihm, um dann mit gebrochenem Herzen in den Zug nach Kaschmir zu steigen. Doch Rehan ist ebenfalls für Zooni enflammt und holt sie in letzter Sekunde kurzerhand zu sich, um sich mit ihr zu verloben, obwohl er weiß, dass er sie bald verlassen muss, denn er führt insgeheim ein Leben als wichtige Figur einer revolutionären Vereinigung, die mit terroristischen Aktivitäten für ein autonomes Kaschmir kämpft.

Für kurze Zeit nur sind Zooni und Rehan gemeinsam glücklich, und eine lang aufgeschobene Untersuchung von Zoonis Augen erweckt sogar die Hoffnung, dass ihr Leiden mittlerweile durch eine Netzhauttransplantation behoben werden kann. Zooni entschließt sich für die Operation und plant mit Rehan die anschließende Hochzeit, doch als sie nach dem Erwachen tatsächlich sehen kann, erwarten sie nur ihre zu den Feierlichkeiten angereisten Eltern, während ihr Verlobter verschwunden ist und später zu den Opfern eines Terroranschlags gezählt werden muss. Zooni, die ihren Liebsten niemals sah und ein Kind von ihm erwartet, ist zutiefst verzweifelt und zieht sich nach Kaschmir zurück. Rehan allerdings ist keineswegs Opfer, sondern skrupelloser Täter des Anschlags gewesen und anschließend untergetaucht, um sich wieder ganz dem gewalttätigen Unabhängigkeitskampf zu widmen, der von seinem Großvater organisiert wird, der ihn gnadenlos für seine Ziele funktionalisiert. Als er eines Tages in einer gefährlichen Mission schwer verwundet wird, landet Rehan ausgerechnet vor der Tür des abgeschiedenen Hauses, in dem Zooni mit ihrem Vater und ihrem mittlerweile siebenjährigen Sohn lebt, der sich ebenso wie seine Mutter von dem vermeintlich Fremden stark angezogen fühlt. Und wieder ist es nur eine kurze Zeit des Glücks, die der kleine Rehan, seine Mutter und sein Vater gemeinsam erleben, bis das tragische Schicksal unaufhaltsam seinen Lauf nimmt …

Fanaa ist überwiegend im ersten Teil der Anbahnung der Liebesgeschichte als Komödie angelegt, die auch dort auf für Bollywood-Filme nicht unüblichen Klamauk verzichtet, um im weiteren Verlauf der Geschichte eine spannende, aktionsreiche und hochaktuelle Tragik zu entwickeln, die bei Zeiten von filigranem Humor durchsetzt ist – eine gelungene Komposition, der auch auf der enormen Länge von 168 Minuten nicht die Puste ausgeht.

Fanaa

Als dieser Film des indischen Regisseurs Kunal Kohli 2006 in die Kinos kam, wurde er zu einem der erfolgreichsten des gesamten Jahres, und auch außerhalb Indiens spielte die tragische Geschichte beachtliche Summen ein.
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