Fallen

Fallen

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Süßer Vogel Jugend

14 Jahre ist es her, dass sich die Lebenswege dieser fünf Frauen getrennt haben, und nun ist es ausgerechnet ein Todesfall, der die Freundinnen von früher wieder zusammenführt. Die kleine Gemeinde betrauert den Tod des ehemaligen Klassenlehrers, und so sind die arbeitslose, schwangere Nina (Nina Proll), die in Deutschland mehr oder weniger erfolgreiche Schauspielerin Carmen (Kathrin Resertarits), Alex (Ursula Strauss), die beim Arbeitsamt arbeitet und Nicole (Gabriela Hegedüs), die nur auf Hafturlaub dem Knast entronnen ist angereist, um Abschied von dem beliebten Pädagogen zu nehmen. Ergänzt wird die kleine Gruppe durch die immer noch im Ort wohnende stille Brigitte (Birgit Minichmayer), die dem Vorbild des verstorbenen Lehrers gefolgt ist und die heute selbst als Pädagogin arbeitet. Die Zeit ist knapp, die sie miteinander verbringen werden und die Entfremdung zunächst groß, doch neben der Trauer gibt es noch etwas, das die fünf eint – für sie alle ist der Abschied auch eine schmerzliche Erinnerung daran, dass die Jugend eigentlich schon längst vorbei ist, dass das Leben die Weichen gestellt hat, ohne dass ihnen genau bewusst wurde, was mit ihnen geschieht. Früher, da waren sie voller Ideale. Und heute? Binnen eines durchaus turbulenten und bewegt-bewegenden Wochenendes müssen sich die fünf schwarz gewandeten Frauen dem stellen, was sie aus ihrem Leben gemacht haben – eine Aufgabe, die nicht ohne Tränen, Verzweiflung und einen Funken Hoffnung vonstatten geht.
Die Ausgangslage zu Barbara Alberts neuem Film Fallen (Die Doppeldeutigkeit des Titels ist durchaus gewollt) erinnert an Satyan Rameshs wunderbaren, aber leider häufig übersehenen Film Schöne Frauen, denn hier wie dort hat das Schicksal fünf Frauen zusammengeführt, die sich dem stellen müssen, was von ihren Wünschen, Hoffnungen und Träumen übrig geblieben ist. Und noch etwas verbindet die beiden Filme miteinander: Am Anfang des Entstehungsprozesses stand jeweils die Idee, eine Geschichte für fünf bestimmte Schauspielerinnen zu entwickeln, eine Story zu finden, die den jeweiligen Akteurinnen wie auf den Leib geschrieben ist. In beiden Fällen ist zumindest dieser Teil der Mission durchaus geglückt – bei Barbara Albert sind dies neben Nina Proll, die auch in Nordrand und Böse Zellen der Regisseurin mitwirkte, Kathrin Resetarits, Birgit Minichmayer, Ursula Strauss und vor allem Gabriela Hegedüs, die mit viel Mut zur Hässlichkeit, zum Verhuscht-Verdrucksten agiert. So groß das Vergnügen aber auch sein mag, den Schauspielerinnen bei ihrem Agieren zuzuschauen, ganz ungetrübt ist die Freude nicht: Recht sparsam mit Dialogen versehen weist Fallen die eine oder andere Länge auf. Auch die Zurschaustellungen des drögen österreichischen Landlebens nebst einem Striptease in der Dorfdisco, einem Casanova mit Pferdeschwanz und rühr- wie schnapsseligem Beisammensein am Lagerfeuer können nicht darüber hinwegtäuschen, dass diesem Film ein wenig die Seele fehlt. Denn so nahe wir den fünf Frauen im Laufe des Films auch kommen – wirklich berührend sind ihre Schicksale nicht. Und genau das unterscheidet Fallen von Nordrand und Böse Zellen – es fehlt bei aller kühlen Analytik die Empathie mit den Figuren und das Mitleiden. Was nun beileibe nicht bedeuten soll, dass Fallen ein schlechter Film wäre – im Vergleich mit den beiden anderen zugegebenermaßen hervorragenden Werken der Regisseurin ist er einfach nur der etwas schlechtere.

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14 Jahre ist es her, dass sich die Lebenswege dieser fünf Frauen getrennt haben, und nun ist es ausgerechnet ein Todesfall, der die Freundinnen von früher wieder zusammenführt.
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