Evet, ich will!

Evet, ich will!

Eine Filmkritik von Silvy Pommerenke

Hochzeit(en) mit Hindernissen

Wie gut, dass der Mensch Schubladen hat, in die er andere hineinstecken kann. Von Schubladen, also Vorurteilen, strotzt es nur so in diesem verdammt komischen und vor allem extrem politisch inkorrekten Debütfilm von Sinan Akkus. Das Schöne daran: Es darf gelacht werden, ohne dass man ein schlechtes Gewissen haben muss!
Vier Paare, die ungleicher nicht sein können und alle doch nur das eine wollen: Heiraten! Während der deutsche Student Dirk (Oliver Korittke) seine türkische Kommilitonin Özlem (Lale Yavas) ehelichen will — die Bedingung dafür aber den Verlust seiner Vorhaut und den Übertritt zum moslemischen Glauben bedeutet -, macht der kurdische Radiomoderator Coskun (Tim Seyfi) seiner Kollegin Günay (Idil Üner) einen Antrag. Sein Problem ist allerdings, dass deren Vater auf gar keinen Fall einen Kurden als Schwiegersohn haben will. Während hier schon gerangelt, gebrüllt und gehadert wird, so sieht es für den KFZ-Mechaniker Emrah (Eralp Uzun) fast noch schlimmer aus, denn sein vermeintlich bester Kumpel Tim (Mickey Hardt) ist mehr als das, nämlich sein Lebensgefährte, von dem er ebenfalls einen Antrag bekommen hat. Aber Emrah führt ein Doppelleben und fast kommt es zu einer Hochzeit mit einer von seinen Eltern Auserwählten. Die wiederum führt heimlich eine Beziehung zu einem Afroamerikaner, von dem die Eltern selbstredend nichts erfahren dürfen. Da sind die Probleme von Salih (Mürtüz Yolcu) fast banal, denn dieser sucht einfach nur eine schöne Frau zum Heiraten, damit er eine Aufenthaltsgenehmigung bekommt. Da er aber nicht gerade wie ein Adonis aussieht, ist die Aufgabe schwieriger als gedacht, denn Sülbiye (Hülya Duyar), einzige ernst zu nehmende Kandidatin, entspricht so gar nicht seinem Geschmack. Das beruht allerdings auf Gegenseitigkeit, denn die verträumte Steuerfachgehilfin schmiedet ganz andere Pläne …

Evet, ich will! ist ein Reigen um die schönste Sache der Welt (nein, nicht Fußball sondern die Liebe!), bei dem kein Auge trocken bleibt, kein politisches Fettnäpfchen ausgelassen und kein Klischee tausendfach ausgenutzt wird. Sinan Akkus hat damit die Feuerprobe seines Langfilmdebüts mehr als nur bestanden, denn neben der kurzweiligen Unterhaltung und der großartigen Komik bietet er einen großen Raum, um bestehende Vorurteile abzubauen und schwelende Konflikte zu thematisieren. Vielleicht sorgt er sogar mit dieser Komödie für mehr Nachdenklichkeit, als wenn er einen schwer verdaulichen Betroffenheitsfilm gedreht hätte. Vor allem ging es ihm darum aufzuzeigen, dass bei Türken zwar das Thema Heirat in der Rankingliste ganz oben steht, aber dass es dabei vor allem auch um einen Generationenkonflikt geht. Denn die Älteren wollen immer ein Wörtchen bei der Partnerwahl mitreden, sehr zum Leidwesen der Jüngeren. Dass das mitunter zu argen Konflikten führen kann, zeigt Akkus mit einem Augenzwinkern. Dass das letztendlich die Sache der Heiratswilligen sein sollte, zeigen seine Protagonisten.

Auch ein Blick auf die Nebendarsteller lohnt sich, denn einmal schwirrt der Filmkritiker und Radio-1-Moderator „Kino King Knut“ (Knut Elstermann) durchs Bild und der ehemalige Lindenstraßen Darsteller Cetin Ipekkaya vermittelt als Großvater zwischen den verfeindeten Familien. Einzig störend ist die etwas übertriebene Darstellung der liberalen Öko-Eltern von Dirk (Heinrich Schafmeister und Ingeborg Westphal), bei denen die inszenierte Komik etwas überhand nimmt. Und dass Oliver Korittke mit seinen Ü-40 einen Studenten spielt, scheint auch nicht sehr glaubwürdig. Aber es gibt ja so etwas wie den zweiten Bildungsweg … Trotz dieser marginalen Teilschwächen ein wunderbar leichter, temporeicher und vor allem amüsanter Film, der zwischen den Geschlechtern und Kulturen vermittelt. Oder wie sich der Regisseur äußerte, eine „Culture-Clash Hochzeitskomödie“!

Evet, ich will!

Wie gut, dass der Mensch Schubladen hat, in die er andere hineinstecken kann. Von Schubladen, also Vorurteilen, strotzt es nur so in diesem verdammt komischen und vor allem extrem politisch inkorrekten Debütfilm von Sinan Akkus. Das Schöne daran: Es darf gelacht werden, ohne dass man ein schlechtes Gewissen haben muss!
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Meinungen
Gewinne Roulette · 28.08.2010

An sich eine geniale Story, ich bin mir nur unsicher, ob das auch auf Dauer umsetzbar ist.

Internet Roulette · 28.08.2010

Da fragt man sich beim Lesen von kino-zeit.de schon, ob man selbst doof war. Danke für eure Erläuterungen

Kommentare

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