Euphoria (2017)

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Zwei Schwestern unternehmen eine Reise. Es könnte eine Wiederannäherung sein, ein neuer Anfang. Doch eine von beiden hat etwas Wichtiges verschwiegen.

Euphoria (2017)

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Ein Hotel in den Bergen

Sehr lange haben sich die Schwestern Ines (Alicia Vikander) und Emilie (Eva Green) nicht mehr gesehen, nun treffen sie sich am Flughafen wieder. Auf eine gemeinsame Reise wollen sie gehen, für Emilie scheint es der Beginn eines neuen Abschnitts in ihrem Leben zu sein: Sie hat sich und ihre Schwester in einem noblen Hotel eingemietet, erzählt, dass sie ihre Wohnung verkauft hat und zurück an die Uni will. Aber zugleich ist offensichtlich, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Sie nimmt demonstrativ alles sehr bewusst auf, sogar die Nähe zu ihrer Schwester. Als würde sie alles noch einmal aufsaugen wollen. Ja, sie lässt sich sogar auf einen Tanz mit einem wildfremden Mann in einem Restaurant ein.

Ines ist das alles eher ein wenig peinlich und unangenehm, der Tanz, die Versuche, Nähe aufzubauen. Sie ist Künstlerin, lebt eigentlich in den USA, doch ihre letzte Ausstellung hat keine guten Kritiken bekommen. Deshalb, so mutmaßt Emilie, habe sie sich überhaupt bereit erklärt, mitzukommen. Denn eigentlich will Ines mit ihrer Vergangenheit nichts mehr zu tun haben, deshalb ist sie auch gegenüber ihrer Schwester distanziert.

Alicia Vikander und Eva Green verkörpern dieses Schwesternpaar perfekt. Da ist zum einen eine physische Ähnlichkeit, die sie rein äußerlich glaubhaft wirken lässt. Doch da ist vor allem in ihren Bewegungen und Interaktionen stets der Hinweis auf eine urwüchsige Vertrautheit, die Geschwister auszeichnet. Hinzu kommt, dass beide Schauspielerinnen unter der Regie von Lisa Langseth ein wenig gegen ihr bisheriges Image anspielen: Alicia Vikander ist kalt und kontrolliert, bisweilen ein wenig arrogant in ihrem Künstlerinnenhabitus. Und Eva Green ist offen, emotional und neigt zur Selbstaufgabe.

Von Anfang an ist zudem zu spüren, dass sich hinter dieser Reise mehr verbirgt. Emilie verheimlicht das konkrete Ziel und die Absicht hinter diesem Trip. Als die Schwestern dann in dem Hotel in den Bergen ankommen, wissen weder Ines noch die Zuschauer, wo sie eigentlich gelandet sind. Ist das die Heimstatt einer Sekte? Oder mehr ein esoterisches Yoga-Retreat? Lisa Langseth greift diese bedrohliche, unheimliche Atmosphäre in den Bildern auf, immer wieder wird ein See gezeigt, untermalt von düsteren Klängen. Diese Ambivalenz hält das Interesse aufrecht, lässt bisweilen zweifeln, ob die naheliegende Erklärung, die auch Ines geboten wird, tatsächlich stimmt. Denn die Bewohner sind nicht seltsam, die weiß gekleideten Angestellten nicht geheimnisvoll: Dieses Hotel ist ein Ort, an dem Menschen, die über sehr viel Geld verfügen, sterben können.

Einige Tage bleiben Ines und Emilie also, um mit ihrer Vergangenheit aufzuräumen, sich auszusprechen und zu einem versöhnlichen Abschluss zu kommen. Aber Ines will eigentlich nicht reden, sie fühlt sich überrumpelt und hintergangen. Jedoch was bleibt ihr?

Je weiter der Film voranschreitet, desto mehr neigt sich sein Schwanken zwischen Psychodrama und Horrorfilm zugunsten des ersteren – und wenngleich Vikander und Green sehr gut spielen, stellt sich Distanz zu dem Geschehen ein. Sicherlich muss so ein Film nicht Sterbehilfe diskutieren, aber er zeigt nun einmal ein überaus privilegiertes Ableben. Wie sich Emilie das trotz Verkauf ihrer Wohnung überhaupt leisten kann, ist nur eine der Fragen, die offen bleibt. Stattdessen konzentriert sich der Film auf die psychologischen Bahnen, die ein kontrolliertes und selbstbestimmtes Sterben mit sich bringen. Aber hier bleibt es letztlich bei Gesprächen und oftmals bedeutungsschwangeren Gesten, die an der Oberfläche lediglich kratzen.

Vielleicht wäre es spannender gewesen, wenn sich aus Euphoria doch ein Horrorstreifen entwickelt hätte. Doch so bleibt der Film in sicheren Bahnen – und erlaubt es immerhin, zwei großartigen Schauspielerinnen zuzusehen.

Euphoria (2017)

Ines und Emilie sind zwei Schwestern, die sich über die Jahre fremd geworden sind. Letztere, die von beiden die eher zurückhaltende ist, fragt eines Tages ihre Schwester, ob diese sie nicht auf einer geheimnisvollen Reise nach Europa begleiten wolle. Im Verlauf dieser Tage dämmert es Ines langsam, was der Hintergrund für diese Reise ist - und warum es für sie beide wichtig ist, sich ihrer gemeinsamen Vergangenheit zu stellen - damit sie überhaupt eine Zukunft haben können …

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