Erzähl mir was vom Regen

Erzähl mir was vom Regen

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Irrungen und Wirrungen des Lebens

Wenn der Titel schon etwas vom Regen erzählt, dann ist es nicht verwunderlich, dass es gleich zu Beginn des Films richtig regnet. Doch der Regen spielt nur eine Nebenrolle in Agnès Jaouis drittem Kinofilm Erzähl mir was vom Regen. Auf herrlich beschwingte und amüsante Weise erzählt sie mit einem großartigen Figurenensemble und starken Dialogen von den Irrungen und Wirrungen zwischenmenschlicher Beziehungen.
Im Zentrum des Films steht die Pariser Feministin und Buchautorin Agathe Villanova (Agnès Jaoui), die in die Politik gehen will. Der Wahlkampf führt sie wegen der Quotenregelung in ihre Heimat auf das Land nach Südfrankreich zurück. Bei dieser Gelegenheit besucht sie ihre jüngere Schwester Florence (Pascale Arbillot), die im Haus der verstorbenen Mutter mit ihrem Mann Stéphane (Guillaume de Tonquedec), ihren Kindern und der algerischen Haushälterin Mimouna (einzige Laiendarstellerin des Films: Mimouna Hadji) lebt. Die Schwestern können unterschiedlicher nicht sein und bieten genau das richtige Maß an Konfliktpotenzial, das der Film für seine Entwicklung braucht.

Auf Agathe haben es zwei Männer ganz besonders abgesehen, und zwar Karim, der Sohn der Haushälterin (Jamel Debbouze) und sein Freund, der Journalist Michel Ronsard (Jean-Pierre Bacri). Die Beiden wollen einen Dokumentarfilm über die angehende Politikerin drehen – als Teil einer TV-Reihe über "Erfolgreiche Frauen". Agathe scheint wenig Lust auf das Projekt zu haben, lässt sich aber dennoch darauf ein, schließlich könnte ein guter Film nützlich im Wahlkampf sein. Dass die beiden Männer jedoch dilettantischer ans Werk gehen als man sich vorzustellen mag, macht den Filmdreh zu einem Fiasko. Sei es die Technik, die Arbeitsmoral oder andere Störfaktoren aus dem Umfeld – irgendetwas geht immer schief. Eine der komischsten Szenen ist die, als während eines Drehs auf dem Berg plötzlich Schafe auftauchen und nicht mehr aufhören zu blöken. Als es dann auch noch anfängt zu regnen, ist die Stimmung völlig hinüber.

Dem Wirrwarr der Dreharbeiten stehen die Turbulenzen im Privatleben der Hauptfiguren in nichts nach. Michel leidet unter der Distanz zu seinem Sohn, Agathe stellt ihr politisches Engagement zunehmend in Frage, ihr Freund Antoine (Frédéric Pierrot) fühlt sich von Agathe vernachlässigt, Florence hat eine Affäre mit Michel, Karim flirtet mit seiner Kollegin Aurélie (Florence Loiret-Caille) und Mimouna nimmt eine neue Stelle an. Ein verregneter Sommer ändert ganz schön viel im Leben der Figuren.

Der Plot an sich klingt unspektakulär und das wäre er auch, wenn er mit langweiligen Figuren besetzt wäre. Aber genau da trifft der Film ins Schwarze. Jede Figur für sich hat enormen Charme, Witz und Intellekt wie man es meist nur aus dem französischen Kino kennt. Interessanterweise sieht sich jede Figur als Opfer einer anderen Ungerechtigkeit, wobei jeder damit anders umzugehen weiß. Agathe sieht sich als Opfer von Frauenfeindlichkeit und Sexismus und versucht, schlagfertig wie sie ist, dagegen mit Worten anzukämpfen. Ihre Schwester fühlt sich gedemütigt, weil sie sich von ihrer Mutter immer weniger als ihre Schwester geliebt fühlte. Doch während Agathe gegen Ungerechtigkeiten ankämpft, leidet Florence lieber vor sich hin.

Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri, die beiden Hauptdarsteller des Films, haben auch das Drehbuch für den Film geschrieben. Sie sind nicht nur beruflich miteinander verbandelt, auch privat führen sie schon länger eine Beziehung. Jaoui arbeitet seit Anfang der Achtziger Jahre als Schauspielerin, u.a. für Alain Corneau, Patrice Chéreau und Cédric Klapisch. 2000 drehte sie ihren ersten eigenen Film Lust auf Anderes / Le goût des autres, in dem sie selbst mitspielt. Das Drehbuch schrieb sie zusammen mit Bacri. Der Film erhielt vier Césars und eine Oscar-Nominierung. Mit ihrer zweiten Regiearbeit Schau mich an / Comme une image (2004) machte sich Jaoui weiter einen Namen: Die Kritik in Cannes 2004 nahm den Film begeistert auf. Für das Drehbuch erhielt sie 2004 gemeinsam mit Bacri die Goldene Palme.

Erzähl mir was vom Regen

Die politisch engagierte Feministin Agathe Villanova kehrt nach dem Tod ihrer Mutter an ihren Geburtsort zurück. Dort triftt sie auf ihre Schwester Florence und die Haushälterin Mimouna. Welten prallen aufeinander.
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