Enron: The Smartest Guys in the Room

Enron: The Smartest Guys in the Room

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein geradezu unglaublich wahrer Wirtschaftskrimi

Hinter den Fassaden eines US-amerikanischen Energie-Giganten, der als strahlendes Beispiel für wirtschaftliche Innovationen und New Economy im ganz großen Stil schlechthin gilt, bahnt sich insgeheim ein geradezu teuflischer Coup an. Die räudigen Konzern-Bonzen, von der Öffentlichkeit, Wirtschaft und Politik höchst angesehene Persönlichkeiten, erschaffen jenseits der offiziellen Firmenpolitik und Bilanzen ein ganz eigenes System von illegalen Geschäftspraktiken, das nur ein einziges Ziel verfolgt: Die streng organisierte und absolut unmäßige Vermehrung ihres privaten Vermögens. Dieses größenwahnsinnige Unternehmen gelingt, und findige Verschleierungstechniken sowie eine auf Undurchsichtigkeit beruhende Konzernideologie verhindern, dass selbst äußerst erfahrene und kritische Wirtschaftsgrößen und Kontrollorgane Lunte riechen, bevor es zu einer Katastrophe gewaltigen Ausmaßes kommt. Doch Enron: The Smartest Guys in the Room ist keineswegs ein beinahe unglaubwürdig anmutender, fiktiver Thriller über Wirtschaftskriminalität, sondern eine Dokumentation der bitteren Realität, die als spektakulärster Finanzskandal in die Wirtschaftsgeschichte der USA Einzug hielt.
Einer verheerenden Bombe gleich schlug im Dezember 2001 die Nachricht ein, dass eines der sieben größten Unternehmen der USA, der in Texas ansässige Energiekonzern Enron, Insolvenz angemeldet hatte, und sie traf die Experten ebenso ahnungslos an wie die Öffentlichkeit. Die Folgen dieses Zusammenbruchs enormen Umfangs schlugen sich in Schulden in Milliardenhöhe, 20.000 Menschen ohne Arbeit sowie zwei Milliarden Dollar veruntreuten Geldes aus dem Pensionsfonds der Firmenmitarbeiter nieder und erschütterten die amerikanische Wirtschaft und Politik auf unangenehmste und nachhaltige Weise. Während der Ermittlungen zur Aufklärung der Hintergründe dieser Insolvenz entfaltete sich ein Szenario übelster Korruption und krimineller Bereicherungsstrategien, das an Raffinesse, Dreistigkeit und mangelnder Gewissensbildung kaum zu überbieten war. Dennoch erklärten sich die Verantwortlichen, unter ihnen Kenneth Lay und Jeffrey Skilling als Hauptakteure an der Spitze des Konzerns, bis auf einen einzigen, der als Belastungszeuge auftrat, für "nicht schuldig", was sie allerdings nicht davor bewahrte, im Mai 2006 von einem Geschworenengericht zu Gefängnishöchststrafen und Entschädigungen von einigen Millionen Dollar verurteilt zu werden, wobei Lay allerdings im Juli des Jahres an Herzversagen verstarb.

In seiner gleichermaßen spannenden wie empörenden Dokumentation Enron: The Smartest Guys in the Room, die auf dem gleichnamigen Buch von Bethany McLean und Peter Elkind basiert, lässt Regisseur Alex Gibney ein imposantes Ensemble von prominenten Beteiligten und Beobachtern zu Wort kommen, welche die vielschichtigen Dimensionen dieses Skandals und seiner Hintergründe beleuchten: Kenneth Lay und Jeffrey Skilling als Angeklagte; Ronald Reagan, Bill Clinton und George W. Bush als Vertreter der Politik; die Wirtschaftsjournalisten Peter Elkind und Bethany McLean, die als erste öffentliche Zweifel an der Seriösität der Enron-Bilanzen äußerte; Arnold Schwarzenegger, dessen Wahl zum Gouverneur aus der Energiekrise in Kalifornien resultierte, für die Enron mitverantwortlich war; Andrew Fastow, der einzige Angeklagte, der sich als "schuldig" bekannte und mit den Staatsanwälten kooperierte sowie diverse Wirtschaftsexperten, Börsianer und Juristen. Der Schauspieler Peter Coyote fungiert dabei als Erzähler, der den Zuschauer durch die komplexe Kriminalgeschichte führt, die zudem als persönliche Tragödie für zahlreiche menschliche Schicksale gezeigt wird.

Enron: The Smartest Guys in the Room entstand aus dem Bemühen des Regisseurs Alex Gibney, anhand des Enron-Skandals bestimmten Kontexten der amerikanischen Kultur nachzugehen, die eine derart eklatante Manipulation des Wirtschaftssystems zu ungeheuerlichen Gunsten der Mächtigen ermöglichen. Während der Recherchen und Dreharbeiten zu seiner Dokumentation befiel ihn häufig das Gefühl, es weniger mit Realität als mit geradezu filmisch konstruierten Gegebenheiten zu tun zu haben, was sich in der Art seiner Dramaturgie niederschlug und auch den Zuschauer erreicht, der sich mehr als einmal Kopf schüttelnd fragen muss, wie sich solch eine haarsträubende Geschichte zwischen gutgläubiger Ahnungslosigkeit und grenzenloser Gier tatsächlich ereignen konnte.

Enron: The Smartest Guys in the Room

Hinter den Fassaden eines US-amerikanischen Energie-Giganten, der als strahlendes Beispiel für wirtschaftliche Innovationen und New Economy im ganz großen Stil schlechthin gilt, bahnt sich insgeheim ein geradezu teuflischer Coup an.
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Meinungen
· 17.02.2007

Was wir zu fürchten haben ist nicht die Unmoral der großen Männer sondern die Tatsache daß Unmoral oft zu Größe führt. unb.

Kommentare

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