Endstation Sehnsucht

Endstation Sehnsucht

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Donnerstag, 1. Januar 2015, ARTE, 23:15 Uhr

Nachdem der US-amerikanische Regisseur und Schriftsteller Elia Kazan (1909-2003) das Stück A Streetcar Named Desire / Endstation Sehnsucht von Tennessee Williams, das im Dezember 1947 im Ethel Barrymore Theatre seine New Yorker Premiere feierte, erfolgreich am Broadway inszeniert hatte, wo es innerhalb von zwei Jahren 855 Mal aufgeführt wurde, realisierte er 1951 den gleichnamigen Spielfilm, der seinerzeit in zwölf Kategorien für den Academy Award nominiert wurde und letztlich vier Oscars gewann, neben weiteren Auszeichnungen wie dem Spezialpreis der Jury für Elia Kazan bei den Filmfestspielen von Venedig. Während Tennessee Williams maßgeblich am Drehbuch beteiligt war, besetzte Elia Kazan die filmischen Hauptrollen wie bereits am Theater mit Marlon Brando, der im Stück durch seine ungeheuer intensive Ausdruckskraft brilliert hatte, Kim Hunter und Karl Malden; allein die Rolle der Blanche DuBois, die ursprünglich Jessica Tandy gespielt hatte, wurde auf Druck des Produzenten Charles K. Feldman nun mit der weitaus populäreren Vivien Leigh besetzt, die für ihre Verkörperung der Scarlett O’Hara in Vom Winde verweht / Gone with the Wind (1939) mit einem Oscar prämiert wurde.
New Orleans zu Beginn der 1950er Jahre: Finanziell wie nervlich ruiniert besucht die einst wohlhabende, nunmehr kürzlich als Lehrerin gefeuerte Blanche DuBois (Vivien Leigh) auf unbestimmte Zeit ihre jüngere, schwangere Schwester Stella (Kim Hunter), die mit dem Automechaniker Stanley Kowalski (Marlon Brando) in einer beengten Zweizimmerwohnung lebt. Da prallen Welten aufeinander, als die innerlich mit ihrer Verzweiflung ringende, äußerlich um den schönen Restschein bemühte Blanche mit ihrer träumerischen, prätentiösen Art auf den geradezu animalischen, grobzüngigen Stanley trifft, der nur allzu gern mit seinen Kumpanen zockt und trinkt, auch schon mal seine Frau verprügelt und der kruden Realität des Daseins mit seinen auch sexuell geprägten Aggressionen begegnet. Die sanfte kleine Romanze, die sich zwischen Blanche und Stanleys sensiblem Freund Harold „Mitch“ Mitchell (Karl Malden) anbahnt, der bei seiner kranken Mutter lebt und offensichtlich ein reichlich schwieriges Verhältnis zu Frauen entwickelt hat, wird im Keim erstickt, als Stanley Nachforschungen über Blanche anstellt und sie als verlogene Person mit dubiosen Männerbekanntschaften diskreditiert ...

Ursprünglich bereits während der Produktion mit kräftiger Zensur ob der dezidierten Darstellung psychologisch komplexer menschlicher Abgründe belegt stellt Endstation Sehnsucht, der erst 1993 in einer ungekürzten Fassung auf DVD veröffentlicht wurde, selbst in seiner reichlich beschnittenen Version ein emotional kochendes, seinerzeit innovatives Kleinod der Filmgeschichte dar. Regisseur Elia Kazan – nicht unumstritten aufgrund seiner Haltungen und Denunziationen zur Zeit der berüchtigten, so genannten McCarthy-Ära – als Mitbegründer der renommierten Schauspielerwerkstatt The Actors Studio, an deren Kursen Filmgrößen wie Marilyn Monroe, Anne Bancroft, Julia Roberts, James Dean, Sidney Poitier und auch Marlon Brando teilnahmen, hat hier auf höchst beeindruckende Weise die dort praktizierte Kunst des Method Acting auf eine blühende Spitze getrieben, die dem Film seine drastische, realitätsbetonte und avantgardistische Eigenart verleiht und das so bezeichnete goldene Zeitalter Hollywoods kräftig aufgemischt hat. Dass eine gestrauchelte, versponnene Person wie Blanche letztlich gnadenlos pathologisiert wird, zeugt neben der unbehaglichen Gesellschaftskritik des Stoffes auch von der gleichermaßen treffsicheren wie pessimistischen und regelrecht zeitlosen Botschaft dieses aufwühlenden Dramas, das auch heute noch zu den eindringlichsten der Filmgeschichte gezählt wird.

Endstation Sehnsucht

Nachdem der US-amerikanische Regisseur und Schriftsteller Elia Kazan (1909-2003) das Stück "A Streetcar Named Desire" / "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams, das im Dezember 1947 im Ethel Barrymore Theatre seine New Yorker Premiere feierte, erfolgreich am Broadway inszeniert hatte, wo es innerhalb von zwei Jahren 855 Mal aufgeführt wurde, realisierte er 1951 den gleichnamigen Spielfilm, der seinerzeit in zwölf Kategorien für den Academy Award nominiert wurde und letztlich vier Oscars gewann, neben weiteren Auszeichnungen wie dem Spezialpreis der Jury für Elia Kazan bei den Filmfestspielen von Venedig.
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