Elli Makra - 42277 Wuppertal

Elli Makra - 42277 Wuppertal

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Gehen oder bleiben?

42277 – so lautet die Postleitzahl des Wuppertaler Stadtteils Barmen, der bis 1930 eine eigenständige Stadt mit großer Bekanntheit war; im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Industriemetropole als „deutsches Manchester“ bezeichnet. Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass Wuppertal auch eine der größten griechischen Gemeinden Deutschlands beherbergt: Die Arbeitsmöglichkeiten in Barmen und den anderen Stadtteilen Wuppertals machten die Region zu einem Anziehungspunkt für Griechen, die sich ein besseres Leben erhofften. Heute ist das anders: Viele Griechen träumen davon, in ihre Heimat zurückzukehren. In der Fremde ist so manche Illusion zerbrochen, so mancher Traum hat sich nicht bewahrheitet.
Elli Makra (Anna Lalasidou, eine Laienschauspielerin, die aus Wuppertal stammt) ist die Tochter griechischer Einwanderer und lebt seit ihrer Geburt in der Stadt. Sie arbeitet in einer Fabrik, ist eng mit ihren beiden Schwestern Anna (Kiriakoula Bloukou) und Tassia (Anastasia Avenidou-Bartram) verbunden und hat Stress mit ihrem Ex-Ehemann, der eines Tages aus Griechenland zurückkehrt. Als Elli ihren Job in einer Fabrik verliert, hat sie endgültig die Nase voll und will zurück nach Griechenland. Doch dann kommt es anders, als sie denkt. Als Ellis Vater stirbt, bricht Tassia nach Thessaloniki auf. Elli muss zurückbleiben, um sich um Tassias Tochter Niki (Niki Papadopoulos) zu kümmern, die mit ihrer Tante nichts anfangen kann. Auch Elli, die es gewohnt ist, ihr Leben weitgehend eigenständig zu führen, hat ihre Schwierigkeiten mit der Aufgabe, sich um einen gelangweilten Teenager zu kümmern. Dann aber entdecken die beiden Frauen, dass sie einiges miteinander verbindet – sowohl Elli als auch Niki sind auf der Suche nach einem Ort oder einem Zustand, in dem sie sich zuhause fühlen können. Doch wo ist das wirkliche Zuhause? Vielleicht immer gerade dort, wo man nicht ist, weil die Sehnsucht zum Leben dazu gehört?

Spröde und ungeheuer lebensecht geht es in Elli Makra — 42277 Wuppertal, dem Debütfilm des in Thessaloniki geborenen Regisseurs Athanasios Karanikolas, zu. Wie im richtigen Leben, so wechseln auch hier die Figuren (nicht nur die wunderbare Anna Lalasidou, sondern auch die anderen Darsteller sind durch die Bank Laien) munter zwischen griechischen und deutschen Sätzen und Satzteilen hin und her, sind genervt, streiten sich, trauern zusammen und sind auf der Suche nach dem kleinen Glück in einer Umgebung, die voller Tristesse und schäbigem Charme ist. Doch das Glück zu finden bedeutet auch, dass zunächst einmal Entscheidungen getroffen werden müssen, dass Ballast abgeworfen werden muss – es sind Einschnitte, die wehtun und die ihre Zeit brauchen.

Auch wenn die Regie an manchen Stellen deutlich verrät, dass es sich hierbei um einen Debütfilm handelt, und man sich öfters eine dramaturgische Straffung und Verdichtung gewünscht hätte – Elli Makra — 42277 Wuppertal lebt vor allem von seinen genauen Einblicken in das Milieu griechischer Immigranten in Deutschland und zeigt deren Suche nach der eigenen Identität mit großer Intensität und Glaubwürdigkeit. Das ist zwar nicht immer so unterhaltsam, wie man sich das gewünscht hätte, wirkt aber wie aus dem Leben gegriffen.

Elli Makra - 42277 Wuppertal

42277 – so lautet die Postleitzahl des Wuppertaler Stadtteils Barmen, der bis 1930 eine eigenständige Stadt mit großer Bekanntheit war; im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Industriemetropole als „deutsches Manchester“ bezeichnet.
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