El otro

El otro

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Berlinale Wettbewerb

Wer hat davon nicht schon einmal selbst geträumt? Einfach alles, aber wirklich auch alles, stehen und liegen lassen. Sich aller Sorgen und Verpflichtungen entledigen und ein vollkommen neues, aufregendes Leben beginnen. Das berühmte Beispiel des "Liebling-Ich-Geh-Mal-Eben-Zigaretten-Holers", der dann auf Nimmerwiedersehen verschwindet, einfach in die Tat umzusetzen. Doch in den meisten Fällen bleibt es dann eben doch nur bei der Imagination des Möglichen. Etwas anders läuft es jedoch im Fall von Juan Desouza in Ariel Rotters Film El otro / Der Andere.
Der Andere, das ist in diesem Fall Juans Mitfahrer im Bus, der, so stellt Juan bei der Ankunft nach einer längeren Dienstfahrt zu seiner Verblüffung fest, unterwegs gestorben ist. Juan, ein angehender Familienvater, der zudem für seinen kranken Vater zu sorgen hat, steht urplötzlich vor einer verblüffenden Möglichkeit: Wie wäre es, wenn er die Identität des Toten annehmen würde und in eine neue Existenz schlüpfen würde? Fast schon spielerisch erfindet er für sich eine passende Vita und schlüpft nahezu mühelos in ein anderes Leben, das mehr Spannung und Aufregung verspricht. Bald schon reicht die eine neue Identität nicht mehr aus, und Juan wechselt virtuos von Namen zu Namen, von Beruf zu Beruf. Anfangs genießt er noch seine ungewohnte Freiheit und er findet – trotz der fremden Identität oder gerade deswegen – zu sich selbst zurück; er beginnt die Chancen, die das Leben für ihn bereit hält, zu erforschen. Doch schließlich muss er erkennen, dass auch sein neues Leben nicht ganz problemlos ist…

Schon in seinem Spielfilm-Debüt B. Aires – Solo por hoy, der auch in Deutschland im Kino zu sehen war, erforschte Regisseur Ariel Rotter, wie Menschen auf gesellschaftsimmanente Einschränkungen ihrer eigenen Wünsche und Bedürfnisse reagieren und welche Mechanismen und Methoden sie verwenden, um schlussendlich ihre Ziele zu verwirklichen. In El otro / Der Andere allerdings gerät das Spiel der Identitäten zu einem ebenso zähen wie schweigsamen Werk, das zwar bemüht wirkt, den Zauber eines Identitätswechsels, der als Gedankenexperiment so reizvoll erscheinen mag, niemals wirklich vermitteln kann.

El otro

Wer hat davon nicht schon einmal selbst geträumt? Einfach alles, aber wirklich auch alles, stehen und liegen lassen. Sich aller Sorgen und Verpflichtungen entledigen und ein vollkommen neues, aufregendes Leben beginnen.
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Meinungen
Roland Kenel · 20.07.2008

ein gottserbärmliches filmchen - bar jeglichen höhepunkts. der ausbruchsversuch bzw. weg zu einer neuen identität in keiner weise vermittelt, die motive - warum bricht da einer aus seiner welt aus? - bleiben völlig im dunkeln. auch die angeblich neuen identitäten fallen schwammig bis nichtssagend aus ....ein bisschen situationskomik, o.k.,aber das ist es schon. hab den film in uruguay gesehen, wo ich lebe, dachte, deutsche kritiker würden fundierter urteilen, aber so kann man sich täuschen.

@Roland Kenel · 20.07.2008

Fandest du die Kritik etwa positiv?

A.K. · 11.03.2007

Wofür hat dieser Film den Bären verdient!? Ich habe selten so etwas Langweiliges "genießen" dürfen.

Kommentare

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