Einer von uns beiden

Einer von uns beiden

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Oder beide

Dieser überaus erfolgreiche Hollywood-Regisseur hat international einen klingenden Namen, doch sein Lebensweg und seine filmische Karriere begannen einst in Deutschland: Die Rede ist von Wolfgang Petersen. Untrennbar ist seine frühe Laufbahn hierzulande mit Aufsehen erregenden Filmen wie dem Tatort Reifezeugnis (1977), Das Boot (1981) und Die unendliche Geschichte / The Never Ending Story (1984) verbunden, und seit Mitte der 1980er Jahre führte Petersen Regie bei zahlreichen millionenschweren Hollywood-Produktionen wie Enemy Mine – Geliebter Feind / Enemy Mine (1985), Troja / Troy (2004) und Poseidon (2006). Nun erscheint mit Einer von uns beiden sein erster Kinofilm aus dem Jahre 1973 auf DVD, dessen Drehbuch von Manfred Purzer – bekannt durch seine Adaptionen einiger Romane von Johannes Mario Simmel – nach dem gleichnamigen Krimi von Horst Bosetzky mit dem knappen Pseudonym –ky verfasst wurde.
Sein Studium hat er abgebrochen, und nun hält sich Bernd Ziegenhals (Jürgen Prochnow) mit kleinen Gelegenheitsjobs über Wasser, während er sich erfolglos darum bemüht, einen Verlag für seinen Roman zu finden. Seine karge Existenz in einem Zimmer mit Gemeinschaftsklo auf halber Treppe hängt ihm gehörig zum Hals heraus, was angelegentlich durchschlägt, als seine Mitbewohnerin, die Prostituierte Miezi (Elke Sommer), plant, mit ihren ansehnlichen Ersparnissen die Biege zu machen und sich für eine Weile zur Ruhe zu setzen. So sehr er der kessen Frau den Start in ein neues Leben gönnt, hadert er doch umso mehr mit seinem eigenen trostlosen Schicksal, bis er eines Tages unvermittelt eine Entdeckung macht, von der er sich einen gewaltigen Gewinn verspricht. Ziegenhals bemerkt zufällig, dass der erfolgreiche, karrierebewusste Professor Kolczyk (Klaus Schwarzkopf) einst seine Doktorarbeit nicht etwa selbst verfasst, sondern schlicht das Werk eines wenig bekannten US-amerikanischen Kollegen übersetzt und als das eigene ausgegeben hat – ein schlummernder Skandal, dessen Erweckung höchst unangenehme Folgen für den mittlerweile renommierten Kolczyk haben würde.

Die Versuchung, diese Information in bare Münze zu verwandeln, ist allzu groß, so dass Ziegenhals den Professor aufsucht und ihn unverblümt auffordert, ihm für sein Schweigen zunächst einmal 10000 Mark zu zahlen, und dann laufend eine monatliche Zuwendung, mit der es sich ganz angenehm leben lässt. Kolczyk willigt sofort ein und stellt einen Scheck aus, eröffnet aber gleichzeitig die Kampfansage an Ziegenhals, dass diese Vereinbarung ein Duell sein, bei dem letztlich zwangsläufig einer von ihnen beiden auf der Strecke bleiben würde – eine Ansage, die der Erpresser erst einmal sorglos und gelassen quittiert. Dann wird allerdings Miezi ermordert und ihres kleinen Reichtums beraubt aufgefunden, und Ziegenhals gerät unter Verdacht, denn er hat sich mit seinem Geldsegen rasch eine angemessene Unterkunft besorgt und muss nun erklären, wie er diese finanziert. Diese Entwicklung bringt Ziegenhals in immer engere Verbindung zum Professor, der ihn nun als eine Art Assistent ausgiebt und mit allen Mitteln verdeckt darum kämpft, den lästigen Schmarotzer loszuwerden. Doch Ziegenhals wird immer dreister und macht sich an Kolczyks Tochter Ginny (Kristina Nel) heran, die prompt auf ihren neuen Verehrer abfährt. Als die beiden sogar eine gemeinsame Zukunft planen, scheint sich auch der Professor schließlich damit abzufinden ...

Es sind nicht zuletzt die Undurchdringlichkeit des Charakters des Professors und die bis zum Schluss immer wieder spannenden Wendungen der Geschichte, die Einer von uns beiden zu einem interessanten, unterhaltsamen Film mit einer bunten Darstellerriege machen, von der einige wie Jürgen Prochnow, Elke Sommer und Claus Theo Gärtner mittlerweile alte Hasen in der Fernseh- und Filmlandschaft geworden sind. Das Kinodebüt Wolfgang Petersens wurde für die Beste Nachwuchsregie und die Beste Kamera Charly Steinbergers im Rahmen des Bundesfilmpreises mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet. Betrachtet man die Inszenierung im derben Charme der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts heute, so erscheint sie dramaturgisch geschickt und nicht selten durchaus humorvoll bis zynisch, vor allem am Schluss, wenn aus dem Duell keineswegs ein strahlender Sieger hervorgeht.

Einer von uns beiden

Dieser überaus erfolgreiche Hollywood-Regisseur hat international einen klingenden Namen, doch sein Lebensweg und seine filmische Karriere begannen einst in Deutschland: Die Rede ist von Wolfgang Petersen.
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