Eine Couch in New York

Eine Couch in New York

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Amouröse Analyse

Die Couch, die im Titel dieser französischen Komödie von Chantal Akerman aus dem Jahre 1996 auftaucht, reicht weit über die Bedeutung eines Gemütlichkeit suggerierenden Möbelstückes hinaus und verweist deutlich auf die möglichst entspannende Liegestätte bei psychoanalytischen Sitzungen, innerhalb welcher sie seit den Wiener Zeiten Sigmund Freuds eine signifikante Berühmtheit als unverzichtbares Utensil der Behandlung erlangt hat. Dieses humorige, längst geradezu inflationäre Synonym für eine Psychotherapie steht hier in einem schicken Appartement in Manhattan, wo der erfolgreiche, doch ausgebrannte Analytiker Dr. Henry Harriston (William Hurt) mit seinem depressiven Hund Edgar lebt und auch seine wohlhabenden Klienten empfängt.
Gründlich enerviert von seiner Arbeit und am Rande einer derben Sinnkrise beschließt Henry eines Tages, New York für eine Weile den Rücken zu kehren und bietet seine luxuriöse Wohnung in einer Annonce zum temporären Tausch an. Es ist die junge Tänzerin Béatrice (Juliette Binoche), die den Zuschlag erhält und nach Manhattan reist, während Henry sich auf den Weg in ihre charmante kleine Bruchbude in Paris macht. Dass die gleichermaßen herzliche wie naive junge Dame nicht nur seine Wohnung, sondern auch seine Patienten zunächst zögerlich, dann wachsend engagierter als vermeintliche Vertreterin des Doktors übernimmt, erfährt Henry bei seiner spontanen, unangekündigten Rückkehr nach Hause: Dort floriert fröhlich das Geschäft mit dem Seelenheil à la Béatrice, seine verhaltenen Zimmerpflanzen haben sich in eine üppige Flora verwandelt und sein inzwischen gar nicht mehr träger, sondern agiler Hund Edgar hört nunmehr auf den Namen Romeo. Doch bevor Henry unerkannt als Fremder in der eigenen Wohnung sein Leben wieder an sich bringen kann, erliegt er auch schon den sanften Reizen der schönen Béatrice, die gleichermaßen berührt ist, und es entspinnt sich eine romantische Liebesgeschichte mit starker Neigung zu verspielten Rührseligkeiten …

Auf witzige Weise und zunehmend auch mit dem Mut zu kräftigem Kitsch präsentiert die zuvorderst für ihre radikal-experimentellen Filme bekannte Regisseurin Chantal Akerman mit Eine Couch in New York eine zuckersüße Komödie, die sich augenzwinkernd mit den gängigen Klischees aus dem Territorium der Psychotherapie beschäftigt. Ebenso werden scherzhaft soziokulturelle Differenzen aufs Korn genommen, während sich die ganz wunderbar in Gegensätzlichkeiten harmonierenden Hauptdarsteller Juliette Binoche und William Hurt dem vitalisierenden Gefecht der Verliebtheit hingeben, immun gegen jegliche Albernheiten, auch die mitunter allzu ausgedehnten – ein filmisches Vergnügen, das die Bereitschaft zu blumigen Befindlichkeiten voraussetzt.

Eine Couch in New York

Die Couch, die im Titel dieser französischen Komödie von Chantal Akerman aus dem Jahre 1996 auftaucht, reicht weit über die Bedeutung eines Gemütlichkeit suggerierenden Möbelstückes hinaus und verweist deutlich auf die möglichst entspannende Liegestätte bei psychoanalytischen Sitzungen, innerhalb welcher sie seit den Wiener Zeiten Sigmund Freuds eine signifikante Berühmtheit als unverzichtbares Utensil der Behandlung erlangt hat.
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