Ein perfekter Platz

Ein perfekter Platz

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Ein Bistro, in dem sich Schicksale kreuzen

Es ist schon merkwürdig: Da stehen Menschen auf Zenith ihres Schaffens, sind anerkannt und verehrt, vielfach sogar bewundert – und wünschen sich doch etwas ganz anderes. Da ist beispielsweise der bekannte Konzertpianist Jean-Francois Lefort (Albert Dupontel), der in der sicheren Gewissheit lebt, dass seine Konzerte auf Jahre hinaus ausgebucht sind. Doch Lefort ist des Rummels um seine Person überdrüssig und wünscht sich nichts sehnlicher, als aus dem Klassik-Zirkus auszusteigen und vor ganz einfachen Menschen zu spielen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn seine Managerin (Laura Morante) ist zugleich seine Ehefrau, und die hat wenig Verständnis für die „Allüren“ ihres Mannes. Ähnlich ergeht es der berühmten Schauspielerin Catherine (Valérie Lemercier), die zwar auf der Bühne und im Fernsehen große Erfolge feiert, die aber von einer großen Filmrolle träumt. Und ihr Traum scheint sich endlich zu erfüllen, als ein amerikanischer Regisseur (Sydney Pollack) auftaucht, der ein Opus über Sartre und Simone de Beauvoir inszenieren will. Und schließlich ist da noch der Unternehmer Jacques (Claude Brasseur), der sich aus ärmlichen Verhältnissen ganz nach oben gearbeitet hat und der eine erstaunliche Kunstsammlung sein Eigen nennt. Doch auch er hat genug von dem Erreichten und will in wenigen Tagen seinen Besitz versteigern lassen, um nicht Museumswärter seines eigenen Lebens zu werden.
All diese Lebenswege kreuzen sich in einem kleinen Bistro in der Avenue Montaigne, und wie der Zufall (oder das Drehbuch) es so will, ist für alle drei der 17. das entscheidende Datum, an dem sich etwas für ihr Leben Entscheidendes ereignen wird. Da trifft es sich gut, dass in dem Bistro erst wenige Tage zuvor die Kellnerin Jessica (Cécile de France) angefangen hat, die aus der Provinz kommend mit jeder Menge Charme und Naivität all jenen Menschen begegnet. Auf wundersame Weise beginnen sich nun die verschiedenen Lebensfäden, Schicksale, Träume, Wünsche und Hoffnungen miteinander zu verknüpfen, bis sich am Ende das Leben jedes Einzelnen grundlegend verändert haben wird…

Ein wenig erinnert Ein perfekter Platz / Fauteuils d’Orchestre schon an Die fabelhafte Welt der Amélie, wobei Danièle Thompsons Film auf Jean-Pierre Jeunets märchenhafte Elemente verzichtet und sich stattdessen lieber ins pralle Leben stürzt. Doch wie in dem Kultfilm mit Audrey Tautou, so ist es auch hier ein kleines Bistro, in dem sich Schicksale kreuzen, die von einer lebensklugen Kellnerin – in diesem Fall heißt sie Jessica – begierig aufgegriffen werden. Anders als Amélie Poulain ist das einfache Mädel vom Land aber keine Superfrau, sondern eine junge und vergleichsweise naive Person, die ihren Platz im Leben erst noch finden muss. Auch das Milieu ist ein anderes, statt den so genannten kleinen Leuten aus dem Montmartre sind es hier die Künstler, Schauspieler und feinsinnigen Kunstsammler, die die Kulisse für einen überaus charmanten Nachbarschaftsfilm abgegeben, der durch seine warmherzige Art, seinen fein gesponnenen Humor, seine erfrischenden Dialoge und nicht zuletzt durch seine Einsichten in die reale wie in die Welt des schönen Scheins zu bezaubern weiß.

Ein perfekter Platz

Es ist schon merkwürdig: Da stehen Menschen auf Zenith ihres Schaffens, sind anerkannt und verehrt, vielfach sogar bewundert – und wünschen sich doch etwas ganz anderes.
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Meinungen
· 13.09.2006

Wirklich klasse gemacht und sehenswert.

Katja · 24.08.2006

Ein süßer Film, aber keinesfalls so anrührend wie "Die fabelhafte Welt der Amelie" (So wie manche Filmkritiker behaupten).

Dennoch sehenswert!

Kommentare

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