Ein Jahr ohne Liebe

Ein Jahr ohne Liebe

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Leben im Angesicht des Todes

Pablo (Juan Minujín) ist 30 Jahre alt, Schriftsteller, gerade aus Paris nach Buenos Aires zurückgekehrt und HIV-positiv. Er lebt gemeinsam mit seiner verwirrten Tante in einer kleinen Wohnung, die seinem Vater gehört. Pablo hält sich als Französischlehrer und Übersetzter mühsam über Wasser, doch das Geld reicht bei weitem nicht für die benötigten Medikamente, die den tödlichen Verlauf der Krankheit stoppen sollen. Als er erfährt, dass ihm nur noch ein Jahr zu leben bleibt, beginnt der junge Mann Tagebuch zu schreiben. Allerdings hat dies weniger literarische Gründe, sondern dient vielmehr der Selbstversicherung in diesen für ihn verwirrenden und schwierigen Zeiten – im Angesicht des Todes greift er nach jedem Strohhalm, den er kriegen kann. Und so vertraut er dem Tagebuch all die Erlebnisse an, die ihn in diesem Jahr ohne Liebe bewegen: Seine Streifzüge durch die Pornokinos und Sex-Partys der argentinischen Metropole, seine Suche per Kontaktanzeige nach einem dominanten Mann und begegnet ihm in Gestalt von Báez (Osmar Nuñez) und Martín (Javier van de Couter), die ihn in die Geheimnisse von SM und Bondage einführen. Er schreibt über die Lust, sich im Schmerz zu verlieren, sich selbst zu spüren, darüber seine Grenzen auszuloten, seine Erfahrungen mit verschiedenen Therapieformen, die er ausprobiert, um dem in seinem Körper wildernden Virus Einhalt zu gebieten. Es ist der Beginn eines Jahres ohne Liebe, an dessen Ende der Tod stehen wird…
Anahí Berneris Debüt-Spielfilm Ein Jahr ohne Liebe / Un Año sin Amor basiert auf dem autobiografischen Roman von Pablo Pérez, der gemeinsam mit der Regisseurin auch das Drehbuch schrieb. Dem Film gelingt das Kunststück, trotz deutlicher und teilweise befremdlich wirkender Sexszenen aus der SM- und Bondage-Szene eine große Zärtlichkeit für seine Figuren zu bewahren. Niemals geht es allein um Schauwerte oder filmische Sensationen, stets steht Pablos Schicksal und seine verzweifelte Suche nach einem Halt in auswegloser Situation im Mittelpunkt des Interesses. Darüber hinaus aber zeigt der Film nicht nur das persönliche Schicksal des Protagonisten: Denn 1996, das Jahr, auf das im Titel angespielt wird, ist nicht nur für Pablo ein ganz besonderes, auch in der Geschichte der Immunschwächekrankheit AIDS spielt diese Zeit eine besondere Rolle. Von diesem Zeitpunkt an setzte sich die Gabe eines Medikamentencocktails statt der bislang allein mit dem hochgiftigen AZT durchgeführten medikamentösen Therapie durch.

Auf der Berlinale 2005 erhielt Ein Jahr ohne Liebe / Un Año sin Amor den Teddy-Award als bester schwullesbischer Film.

Ein Jahr ohne Liebe

Pablo (Juan Minujín) ist 30 Jahre alt, Schriftsteller, gerade aus Paris nach Buenos Aires zurückgekehrt und HIV-positiv. Er lebt gemeinsam mit seiner verwirrten Tante in einer kleinen Wohnung, die seinem Vater gehört.
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Meinungen
El Dorado · 18.07.2007

Starker Film.
Die Hauptfigur geht, egal was passiert, aufrecht durchs Leben.
Die Szenen im Underground wirken echt.

Zum Schluss gibt es eine Spielsituation, wo die Beteiligten einander eigentlich misstrauen, wo Gewalt im Spiel ist. Schade, dass eine einzige Szene einen ganzen Film versauen kann

Kommentare

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