Ein Brief an drei Frauen

Ein Brief an drei Frauen

Eine Filmkritik von Jean Lüdeke

Wenn der Postmann klingelt...

Sind Briefe im Film nicht immer hart, erregend, bedeutungsschwanger oder niederschmetternd? Und steht bisweilen nicht alles plötzlich auf dem Spiel? Weiß Gott, nicht nur der Empfänger zaudert, auch der Zuschauer leidet mit. Von der Dramatik her gesehen, ist der Brief etwas vom Stärksten, was einer Filmhandlung zustoßen kann. Bisweilen unbemerkt, ungeöffnet oder nicht zu entziffern. Am spannendsten sind die Erpresserbriefe, als Leitmotiv über die Länge des gesamten Movies tragisch, handlungsaktivierend und zumeist lebensbedrohlich. Nett aber auch die Denunziations- und die erotischen Bekennertexte, da gibt es dann kein Halten mehr, vor allem nicht, wenn der zweimal klingelnde Postmann selbst auf höchst sonderbare Weise involviert wird. Da beschert dann der Brief samt Träger dem Publikum Surprise und Suspense. Keine Frage, Briefinhalte sorgen für ungeahnte Wendungen wie Neugier, Anteilnahme, Schnüffelei, Intrige, Spionage, Kontrolle, Zensur usw und sofort….
So auch in dem Klassiker vom US-Altmeister Josepf L. Mankiewics (Weißer Oleander), den die Münchener MC One in ihrer Classic Edition auf den Markt bringt: Die Aufregung beginnt, als drei Freundinnen, auf einem gemeinsamen Ausflug plötzlich einen Brief von der vierten im Bunde erhalte: Die ist jedoch vorsichtshalber daheim geblieben. Darin kündigt sie unheilvoll an, mit dem Ehemann einer der dreien einfach durchzubrennen. Aber wer ist nun der glücklich Unglückliche? In episodenhaften Rückblenden lassen die drei nun ihre Ehen Revue passieren; und da eröffnen sich höchst sonderbare Irrungen und Wirrungen des Lebens-und Liebeslebens…

In den Hauptrollen gleich drei Hollywood-Diven ihrer Zeit: Jeanne Crain, Linda Darnell und Ann Sothern. Besonders beachtlich, Hitzköpfchen Kirk Douglas ist in einer seiner ersten Rollen als Sotherns Ehemann zu sehen. Bei Mankiewics (1909-1993) hagelte es zweimal Oscar für Buch und Regie, 1950 und 1951 beherrschte er regelrecht die die Oscar-Zeremonie mit Ein Brief an drei Frauen und Alles über Eva (6 Oscars und 8 weitere Nominierungen). Er ist und bleibt wohl der einzige Drehbuchautor Hollywoods, der in zwei aufeinander folgenden Jahren den begehrtesten Filmpreis erhielt und 1951 noch für einen weiteren nominiert war (Drehbuch für No Way Out). In den späteren Jahren erregte vor allem der 1963 entstandene aufwendige Cleopatra-Film mit Elizabeth Taylor und Richard Burton mehr als nur Aufsehen. Wie auch heute sorgte das Privatleben der Hauptdarsteller und das steigende Filmbudget einstens natürlich für überaus reges Interesse der Massenmedien.

Insbesondere hatte aber Kirk Douglas; (eigentlich Issur Danielowitsch Demsky) einen interessanten Werdegang: 1916 als Sohn jüdisch-weißrussischer Einwanderer in New York City (USA) geboren. Die Kindheit verbrachte in einem Armenviertel in New York und musste sich das Geld für Schule und College selber hart verdienen. Douglas gewann jedoch ein Ringkampfstipendium und durfte somit an der St. Lawrence University studieren, Chemie und englische Literatur: Um die Studienkosten bezahlen zu können, verdingte er sich ebenso auch als kraushaariger Hausmeister. Erst sein zweites Stipendium für die American „Academy Of Dramatic Arts“ führte ihn schließlich an den ersehnten Broadway.

Ein Brief an drei Frauen

Sind Briefe im Film nicht immer hart, erregend, bedeutungsschwanger oder niederschmetternd? Und steht bisweilen nicht alles plötzlich auf dem Spiel?
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