Eighth Grade (2018)

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Es ist die letzte Woche auf der Mittelschule, bevor Kayla Day auf die High School wechselt. Und diese Woche erweist sich für den pubertierenden Teenager als wahre emotionale Achterbahnfahrt.

Eighth Grade (2018)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Die Zeit des Wandels

Wenn man sie das erste Mal sieht, käme man kaum auf die Idee, dass Kayla Day (Elsie Fisher) ein Mädchen von der eher schweigsamen und introvertierten Sorte wäre. Wortreich beschreibt sie in einem Video, das sie gerade für ihren YouTube-Channel aufnimmt, ihr Leben und ihr Befinden und versucht anderen Gleichaltrigen gute Ratschläge mit auf den Weg zu geben. Auch wenn sie sich dabei immer wieder verhaspelt, nach Worten sucht und man durch die Art und Weise, wie sie spricht, merkt, dass es ihr vielleicht noch an Erfahrung fehlt, weshalb sie viele Vergleiche heranzieht („like“ ist das mit Abstand am meisten verwendete Wort), so strahlt sie doch eine gewisse Souveränität aus. Doch die Realität ist freilich eine andere.

Die achte Klasse („Eighth Grade“) stellt im amerikanischen Schulsystem eine Besonderheit dar: Es ist der Abschluss der Middle School und der Beginn der High School und damit ein Meilenstein auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Und es ist die Hochzeit der Pubertät in all ihren Ausprägungen und Schattierungen: Die 13- bis 14-jährigen Kids stecken mitten im rasanten Umbau ihrer Körper, ihres Denkens und Fühlens, ihrer gesamten Identität. Und das bekommt nicht nur Kayla, sondern auch ihr alleinerziehender Vater (Josh Hamilton) zu spüren, der sich zwar darum bemüht, alles richtig zu machen im Umgang mit seiner Tochter, der aber wie die meisten Eltern von Pubertierenden natürlich nichts (aus der Sicht ihrer Zöglinge) richtig machen kann. Denn eigentlich ist Kayla bestenfalls abwesend (weil sie mit Kopfhörern in ihr Handy oder ihren Computer starrt) oder abweisend (wenn ihr Vater mal wieder ein Gespräch führen will). Jegliche Kontaktversuche werden auf das Notwendigste beschränkt, jeder Blick, so empfindet sie es, ist ein einziger Vorwurf, jeder Ratschlag eine Peinlichkeit von gigantischem Ausmaß.

In der Schule läuft es nicht viel besser. Kayla ist eines jener Mädchen, die eher am Rande stehen. Sie gehört nicht zu den Schönen und Umschwärmten, sie ist nicht sonderlich beliebt, sondern wird kaum wahrgenommen, wenn nicht gar offen abgelehnt. Nicht den klapperdürren Modelmaßen entsprechend, die die Werbeindustrie als Standard vorgegeben hat und mit reichlich Akne im Gesicht sind Jungs wie der blendend aussehende Aiden (Luke Prael) für sie unerreichbar. Und dass sie eher beiläufig eine Einladung zur Pool-Party bei der beliebten Kennedy (Catherine Oliviere) erhält, ist für die weniger eine Bestätigung als eine Herausforderung, weil sie sich unter all den ausgelassenen und strahlenden Teenagern fehl am Platze fühlt.

Doch dann begegnet sie bei einem Einführungstag in der High School der älteren Olivia (Emily Robinson), die ihr als Mentorin zur Seite stehen soll, und die beiden Mädchen, die mehrere Jahre trennen, verstehen sich auf Anhieb, so dass sie schnell eingeladen wird, mit ihr und ihren Freunden abzuhängen. Doch auch das erweist sich als nicht ungetrübtes Vergnügen, denn einer der Jungs versucht ihre Unerfahrenheit auszunutzen.

Coming-of-age-Filme wie Eighth Grade sind ein Glücksfall. Das Debüt des Comedian und Youtubers Bo Burnham fängt sensibel und einfühlsam, aber auch ungeheuer lebendig, unterhaltsam und lebensklug die Welt der Teenager von heute ein, die mit der ständigen Anwesenheit des Internet und der sozialen Medien einem Dauerfeuerwerk an Informationen und der beständigen Jagd nach medialer Aufmerksamkeit ausgesetzt sind. 

Burnham ist aber niemand, der den moralischen Zeigefinger erhebt und über die Jugendlichen urteilt. Vielmehr begibt er sich mit bewundernswerter Loyalität und Empathie an die Seite seiner wundervollen Hauptfigur, lässt dieser selbst in Momenten größter Peinlichkeit ihre Würde und nimmt sein Publikum so mit auf eine Reise durch das Abenteuer der Pubertät, bei dem nicht nur die Teens, sondern auch deren Eltern unendlich viel übereinander lernen dürfen.

Ein großer kleiner Film.

Eighth Grade (2018)

Nur noch ein Schuljahr, dann kann die 13-jährige Kayla endlich von der Middle auf die High School wechseln. Doch diese achte Klasse hat es in sich … 

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