Edition Jacques Rivette (6 DVDs)

Edition Jacques Rivette (6 DVDs)

Es gibt keinen besseren

Die Kölner flax film überraschen den DVD-Markt mit einer unprätentiösen und gehaltvollen Edition, die ihresgleichen noch lange suchen wird. Meisterwerke von Jacques Rivette in Deutschland auf DVD; dazu in einer sehr ansprechenden, dezenten Sammler-Anthologie.
Die 3 Meisterwerke als 6-DVD-Box mit einer Lauflänge von ca. 660 Min verbergen filmisches Kleinod:

Die schöne Querulantin, Langversion (230 Minuten) und Kurzversion Divertimento (124 Minuten) auf insgesamt 3 DVDs, Die Viererbande, Die Geschichte von Marie & Julien, Hauptfilm und Bonusmaterial auf insgesamt 2 DVDs, assistiert von einem 88-seitigem Nachdruck der mittlerweile legendären Edition Ausgabe von „Der Widerspenstige — Cinéaste Jacques Rivette“ des Magazins du — Zeitschrift der Kultur, Interviews mit Rivette und Emmanuelle Béart.

Warum ist Jaques Rivette eigentlich so besonders? „Es gibt in Europa keinen besseren Regisseur als Jacques Rivette.“, huldigte ihn schon Die Zeit. Der 1928 in Rouen geborene Meisterfilmer der Nouvelle Vague (eigentlich: Pierre Louis Rivette) schrieb schon als Redakteur (1963 -1965) der Cahiers du Cinéma: „Die einzige wahre Kritik an einem Film kann nur ein anderer Film sein“. Zu jener Zeit hatte er schon, gemeinsam mit Claude Chabrol und dem Kameramann Charles Bitsch, den Halbstundenfilm Le coup du berger (1956) gedreht (nach vorherigen Frühversuchen). Seine Karriere beginnt Rivette als Assistent von Jean Renoir, später wird er Kameramann für François Truffaut und Eric Rohmer.

Bei der Arbeit mit seinen Schauspielern verwendet Jacques Rivette eine Methode, die er während seiner gesamten Laufbahn beibehalten hat: Es gibt kein Drehbuch sondern nur ein paar Seiten, die grob die Handlung umreißen. Der Text wird erst einen Tag vor dem Drehen oder sogar erst am Drehtag selbst verteilt.

In seinen Filmen ging Rivette — ähnlich wie Kinoerzähler Alain Resnais — über die Grenzen des narrativen Kinos hinaus und war auf unspektakuläre Weise und fern vom jeweils herrschenden Zeitgeist ein radikaler Erneuerer der Filmsprache. Er erkundet die üblichen Normen, sprengt sie manchmal, wobei er immer eine gewisse Leichtigkeit des Nichtseins bewahrt. Dabei kommt der Dauer der Filme eine besondere Bedeutung zu. Out 1 bleibt in dieser Hinsicht einzigartig, aber auch die meisten anderen Flme Rivettes quälen bisweilen mehr als 2,5 Stunden. Die Langsamkeit seiner Filme stößt gerade vom Mainstreamkino konditionierten Zuschauer ab, aber sie gewährt eine Erfahrung besonderer Art. Und die erläutert Rivette so: „Ich habe das Bedürfnis, die Filme von Griffith ständig zu sehen, ich habe das Bedürfnis, die Filme von Eisenstein ständig zu sehen, die Filme von Murnau, aber ich habe auch das Bedürfnis, die zeitgenössischen Filme zu sehen. Weil man selbst nur Filme macht in Bezug auf andere Cineasten. man macht keine Filme im Abstrakten. Man projiziert keine innere Vision, die man im Kopf hat, das gibt es nicht. So etwas ist falsch. Man macht Filme in Bezug auf das, was bereits gemacht wurde von den großen Cineasten der Vergangenheit, jenen, die das Kino begründeten, und in Bezug auf jene, die unsere Zeitgenossen, unsere Nachfolger sind…Um einen Film wirklich zu lieben, muß man bereits ein Cineast sein.“

Nicht unbedingt Cinéast, sondern einfach nur Liebhaber schöner Bilder, sollte man beim Konsum eben dieser der Edition sein, die folgende Sujets bereitstellt:

Die schöne Querulantin (La belle noiseuse): Rivettes berühmtester Film ist derzeit als vierstündiges Kinoereignis in neuen Kopien wieder in ausgewählten Filmtheatern zu sehen — die unvergeßliche Geschichte eines Malers und seines Modells, dargestellt von Michel Piccoli und der jungen Emmanuelle Béart, frei nach Balzac. Die DVD-Edition enthält auch die zweistündige Version Divertimento in deutscher Fassung.

Die Viererbande (La bande des quatre): Vier Schauspielschülerinnen in Paris und ein rätselhafter Fremder — ein Film voller Geheimnisse über das Theater, das Leben, die Frauen und die Liebe, wundersam und meisterhaft verwoben.

Die Geschichte von Marie und Julien (L’histoire de Marie et Julien) erzählt als geheimnisvoller Reigen in unverwechselbarer Handschrift, wieder mit Emmanuelle Béart und erstmals überhaupt mit Erotikszenen, von einer übersinnlichen Liebe zwischen einem Turmuhrmacher und einer rätselhaften Schönen.

Wem das zuviel ist, mag sich nur an Die schöne Querulantin halten. Der Film ist auch als Einzeltitel (3 DVDs) erhältlich. Und wer sich die Werke genauer anschaut, wird feststellen: Rivette ist ein Filmemacher des Wechsels von Tag und Nacht, ein Nachtwächter, der auch am hellichten Tag über Zeit und Raum wacht.

(Jean Lüdeke)

Edition Jacques Rivette (6 DVDs)

Die Kölner flax film überraschen den DVD-Markt mit einer unprätentiösen und gehaltvollen Edition, die ihresgleichen noch lange suchen wird.
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