Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern

Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern

Biographie einer großen Unbekannten

Die tschechische Schriftstellerin Božena Nĕmcovà (1816 bis 1862) gilt in ihrer Heimat als eine der großen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, hierzulande ist sie allenfalls Experten ein Begriff. Immerhin aber war und ist ihre Bedeutung für die tschechische Literatur enorm, und selbst der große Franz Kafka empfahl das Studium des Buchs Großmutter (1855) seinen Schwestern als Beispiel für große Literatur. Dagmar Knöpfels Film Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern versucht nun eine Annäherung an das Leben der Autorin, indem sie den Fokus auf drei Briefe, bzw. drei Entwürfe zu ein und demselben Brief an ihren Freund Vojtech Náprstek aus den letzten Lebensmonate der Nĕmcovà legt – ein Verfahren, das freilich dem reichen Leben der streitbaren Schriftstellerin nur teilweise gerecht werden kann.
Bis heute steht Božena Nĕmcovà in der Tradition der gegen die gesellschaftlichen Konventionen aufbegehrenden Künstlerin, ihr Name wird in einem Atemzug mit Virginia Woolf, Sylvia Plath und Frieda Kahlo genannt, sie selbst nahm sich George Sand zum Vorbild, um ihr Leben frei und selbstbestimmt einzurichten. Doch all das erzählt der Film allenfalls andeutungsweise und bruchstückhaft in einem Geflecht von Rückblenden, das immer wieder durch das mühselige Ringen um die richtigen Worte der bereits vom Tode gezeichneten Autorin durchbrochen wird. Die Entwürfe zu den Briefe variieren in der Grundstimmung, sie sind Anklage, Lebensbeichte und Bilanz zugleich, sie sezieren die Mechanismen, mit denen widerspenstige Frauen von der Gesellschaft für „Fehlverhalten“ bestraft wurden. Und die Briefe sind entsprechend ihrer Grundstimmung jeweils unterschiedlich umgesetzt, vorgetragen und dargestellt von Corinna Harfouch, die hier mit beängstigender Intensität die tschechische Autorin darstellt. Doch trotz der hervorragenden Schauspielerin gelingt es dem Film nur selten, Einblicke in das Leben der Nĕmcovà zu gewähren, die die Literatin einem zwar interessierten, aber nicht kundigen Publikum näher bringen. Man sollte Leben und Werk der tschechischen Autorin also schon gut kennen, um den Film wirklich goutieren zu können, denn der nahezu vollständige Verzicht auf eine geradlinige Narration macht für Nicht-Eingeweihte den Zugang zu einer entdeckenswerten Künstlerin schwierig.

Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern

Die tschechische Schriftstellerin Božena Nĕmcovà (1816 bis 1862 ) gilt in ihrer Heimat als eine der großen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, hierzulande ist sie allenfalls Experten ein Begriff.

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Meinungen
Traratra · 20.07.2006

Da ist auch nix Intellektuelles dran, sondern einfach ein Filmkonzept, das in die Hose gegangen ist.

Hälläna · 11.05.2006

Bozena Nemcová - ich denke dabei sofort an das hübsche DEFA-Märchen "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Dieser Film hat mich in der Hinsicht etwas enttäuscht. Wie schon gesagt: An drei Briefen kann man doch nicht Nemcovás gesamtes Leben festmachen! Das Resultat ist dann diese recht unangenehme Geschichte über die Erzählerin traumhaft schöner Märchen - passt nicht so zusammen. Da ist es schade um Corinna Harfouch, Petr Forman und Ondrej Vetchy, die wunderbare Schauspieler sind und auch diesen Film aus seinem Joch herauszuziehen vermochten. Der lange Titel des Filmes hat mir ebenfalls nicht unbedingt gefallen - ich stand an der Kinokasse und stotterte ewig mit diesem Namen herum, bis ich schließlich sagte: "Irgendwas mit `Stern`und `Nacht`."

Vera Zazulic · 01.03.2006

Ausstattung und Corinna Harfouch sind klasse, Regie jedoch absoluter Mist. Die dreifache Auslegung eines einzigen Briefes ist langatmig, langweilig und verwirrend. Da fragt man sich doch: Warum lassen die Tschechen bei einem Film über die eigene Landsfrau keinen begabten tschechischen Regisseur ran, sondern lassen es zu, dass so ein einseitiges Skript so schlecht umgesetzt wird. Ich sehe in diesem Film jedoch nur Corinna Harfouch und die schönen Drehorte, das überwiegt maßgeblich.

Bettsy · 25.11.2005

Durch diesen Film sehe ich nur intellektuelle Verkrampfung

Kommentare

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