Du sollst nicht lieben

Du sollst nicht lieben

Eine Filmkritik von Silvy Pommerenke

Sünde am Schabbat

Aaron Fleischmann führt ein unaufgeregtes Leben mitten im ultra-orthodoxen Stadtteil Jerusalems, das von der Fleischerei seines Vaters, seiner Familie und den Gebeten in der Gemeinde bestimmt ist. Das ändert sich schlagartig, als eines Tages der junge Student Ezri in sein Geschäft und nicht zuletzt in sein Herz eintritt. Es kann nicht sein, was nicht sein darf: Aaron wird zwischen der Homosexualität und seinem Glauben hin- und hergerissen.
Der Stadtteil, in dem Aaron (Zohar Shtrauss) mit seiner Frau und seinen vier Kindern lebt, hat überall seine Augen. Die soziale Kontrolle in dieser ultra-orthodoxen Gemeinde ist unerbittlich und jeder Fehltritt, jede vermeintliche Sünde wird geahndet. Sofort eilen die Rabbis und Tora-Schüler herbei, um jede Form von individueller Lebensart im Keim zu ersticken. Bislang war Aaron ein beachtetes Mitglied in diesen Reihen, als aber der jüngere Ezri (Ran Danker) auf der Suche nach Arbeit seine Fleischerei betritt, gerät Aarons Leben aus den Fugen. Vom ersten Moment an herrscht eine flirrende Spannung zwischen den beiden Männern, der sie aber heroisch (noch) nicht nachgeben. Aaron bietet Ezri Arbeit und ein Bett im Geschäft an und findet bald heraus, dass der Student bereits aus einer anderen Gemeinde aufgrund seiner Homosexualität ausgeschlossen wurde. Das erfahren auch die unerbittlichen Sittenwächter, und den beiden Männern wird die Luft zum Atmen immer enger. Dennoch gehen sie heimlich eine Liebesbeziehung ein, und Aaron wird immer stärker in den Konflikt hineingezogen, dass diese Form der Liebe nicht mit seinem Glauben und auch nicht mit seiner Ehe zu vereinbaren ist. Der Druck auf das schwule Paar wird immer größer, bis es zum brutalen Übergriff auf Ezri kommt …

Haim Tabakman hat sich mit Du sollst nicht lieben eines heiklen Themas angenommen, mit dem er sich in den ultra-orthodoxen Kreisen keine Freunde machen dürfte. Umso wichtiger ist es aber, dass er diesen mutigen Schritt dennoch gemacht hat, denn er thematisiert nicht nur das Tabu-Thema Homosexualität, sondern schildert in einer Nebengeschichte, dass Heterosexuelle genau so vom Ausschluss aus der Gemeinschaft bedroht sind, wenn sie sich nicht konform verhalten. Dabei wird die Doppelmoral, die wohl Bestandteil jeder Glaubensform ist, deutlich. Einerseits wird gepredigt, den Nächsten zu lieben, andererseits wird jeder, der von den vorgeschriebenen Normen abweicht, sanktioniert. Der Konflikt, in dem sich Aaron befindet, wird von Tabakman intensiv herausgearbeitet und von Zohar Strauss eindrucksvoll dargestellt, denn für ihn bedeutet die Beziehung zu Ezri nicht nur einen Glaubenskonflikt, sondern er ist auch dabei, seine bis dato funktionierende Ehe zu zerstören und er riskiert den Ausschluss aus der Gemeinde. Ezri, dargestellt von dem nicht nur schönen sondern äußerst brillanten Sänger, Schauspieler und Fotomodel Ran Danker, ist in diesen Beziehungen wesentlich freier, denn weder ist er verheiratet, noch kann ihn ein Gemeindeausschluss schockieren. Wer nicht dazu gehört, kann auch nicht ausgeschlossen werden. Dennoch steht es für beide Männer nie zur Diskussion, ihren Glauben aufzugeben, sondern sie versuchen, Liebe und Glaube miteinander zu verbinden. Dies könnte auch funktionieren, wenn da nicht die Menschen mit ihrer engstirnigen Moral wären.

In bleischweren Momentaufnahmen, die in ihrer Stille und Distanziertheit manches Mal kaum zum Aushalten sind, werden die Zerrissenheit und die Ängste der beiden Männer aufs Schmerzlichste transportiert. Fast wie in einem spartanisch ausgestatteten Theaterstück werden die Emotionen ohne große Effekthascherei dargestellt und richten damit die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf die beiden fantastischen Hauptdarsteller, deren körperliche Begierde zu einer Sünde verurteilt wird, obwohl sie doch zutiefst menschlich ist und Aaron zu der Erkenntnis gelangt: „Ich brauche ihn einfach. Ich war tot – jetzt lebe ich.“ Haim Tabakman erhofft sich mit Du sollst nicht lieben eine Kontroverse in den jüdischen Gemeinden. Die wird er mit Sicherheit bekommen. Ob der Film allerdings zur Entwicklung von ultraorthodoxen Gemeinden beitragen wird, bleibt zu hinterfragen.

Du sollst nicht lieben

Aaron Fleischmann führt ein unaufgeregtes Leben mitten im ultra-orthodoxen Stadtteil Jerusalems, das von der Fleischerei seines Vaters, seiner Familie und den Gebeten in der Gemeinde bestimmt ist. Das ändert sich schlagartig, als eines Tages der junge Student Ezri in sein Geschäft und nicht zuletzt in sein Herz eintritt. Es kann nicht sein, was nicht sein darf: Aaron wird zwischen der Homosexualität und seinem Glauben hin- und hergerissen.
  • Trailer
  • Bilder
Meinungen
Alne · 12.10.2010

Ich habe diesen Film mit grosse Interesse gesehen und auch die DVD gekaft. Es errinert mich an meine eigene Geschichte.. Habe es ähnlich wie im Film gezeigt mit erlebt. Der Film ist fast ein Teil von mir. Gut gelungen , nichts übertrieben. Gefühlsvoll und Reel.. Um es besser zu vertehen muss man auch die jüdische Geschichte kennen. Petra, der Film endet leider mit selbstmord durch ertrinken .

perla blanca · 01.07.2010

Der Film ist sehr gut gemacht. Kann mir jemand sagen, wie ich die Schluss-Szene verstehen soll.

love · 24.05.2010

ich habe den film gesehen und er ist sehr schon

Hans · 21.05.2010

Wenn ich nun noch erführe, dass dieser hochinteressante Film in einem Kino auch in meiner Nähe liefe, wäre ich glücklich. Aber in unserer "Filmstadt" Hof in Oberfranken: leider Fehlanzeige. Zur Zeit jedenfalls. 21.05.10

Mark Medlock · 05.04.2010

Ich kann mich mit den charakteren dieses Dramas sehr gut identifizieren .
Der Film Meisterwerk .
Bless the gays !

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Weitere Filme von

Haim Tabakman

Weitere Filme mit

Zohar Shtrauss

Tinkerbell

Tzahi Grad