Drone

Drone

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Exekution auf dem Bildschirm

Brandon Bryant war fünf Jahre lang Pilot bei der U.S. Army. Er saß aber nicht in einem Flugzeug, sondern steuerte unbemannte Drohnen. An seinem Arbeitsplatz in den USA richtete er auf dem Monitor das Fadenkreuz auf die Zielpersonen. Bei den Aktionen, an denen er beteiligt war, starben über 1600 Menschen. Bryant wurde damit nicht fertig, er stieg aus und ist mittlerweile ein erklärter Gegner des Drohnenkriegs. Er tritt im Fernsehen auf und hat auch vor den Vereinten Nationen gesprochen. Im Dokumentarfilm Drone der Norwegerin Tonje Hessen Schei erzählt er über die Arbeit eines Drohnenpiloten, die Entscheidungshierarchie und die schrecklichen Bilder, die ihn verfolgen. Der Film nimmt diese neue Art der Kriegsführung gründlich und sehr kritisch unter die Lupe.
In der pakistanischen Region Waziristan gehört das Surren herannahender Drohnen zum Alltag vieler Menschen. Der amerikanische Geheimdienst CIA setzt sie hier in einem verdeckten Krieg gegen den Terror ein. Ein Mann berichtet, dass seine Mutter bei einem solchen Bombenangriff starb. Sein jugendlicher Sohn wurde von der Explosion ebenfalls erfasst und musste im Krankenhaus operiert werden. Auch in vielen anderen Fällen sind die Opfer keine Terroristen, sondern gerieten irrtümlich in Verdacht oder standen zur falschen Zeit am falschen Ort. Bewohner berichten, dass Helfer und Rettungskräfte, die sich nach einem Bombenangriff den Verletzten nähern, nicht selten eine zweite Attacke provozieren. Menschenrechtsaktivisten fordern die pakistanische Regierung auf, die Zivilbevölkerung zu schützen und die Drohnen abschießen zu lassen.

Bryant und ein zweiter ehemaliger Drohnenpilot erzählen, dass sie bei ihren Einsätzen auf dem Bildschirm keine Gesichter erkannten. Sie fragen sich, wie ihre Vorgesetzten wissen konnten, um wen es sich da wirklich handelte. Der Film zeigt häufig aus der Perspektive eines Schützen am Monitor die Schwarzweiß-Aufnahmen von Menschen, die ins Visier genommen werden. Dann schneidet er jeweils direkt auf Dorfbewohner in Pakistan, Fußgänger, Kinder. Einmal zielen kleine Jungen mit ihren Steinschleudern auf eine Drohne am Himmel. Diese Gegenüberstellungen verdeutlichen auf drastische Weise das Gefühl der Bedrohung, von dem die Menschen am Zielort erzählen. Mit einem Klick könnte jemand an einem Bildschirm in einem anderen Kontinent ihrem Leben ein Ende machen. Man bekommt aus dieser Perspektive auch tödliche Treffer zu sehen. Woher solche Aufnahmen jeweils stammen, ob sie echt oder nachgestellt sind, bleibt unklar.

Zahlreiche Experten wie Politiker, Menschenrechtler, Buchautoren erörtern im Film die Konsequenzen des Drohnenkriegs, besonders in seiner geheimen Variante, für das globale Rechtssystem. Bryant enthüllt, dass nicht nur die Einsätze im Afghanistan- und Irakkrieg, sondern auch die von der CIA gelenkten Operationen vom Militär ausgeführt würden. Der Verweis auf den Geheimdienst dient nach Meinung von politischen Beobachtern nur dazu, keine Rechenschaft ablegen zu müssen. In anderen Statements wird davor gewarnt, dass Präzedenzfälle geschaffen würden, denn auch viele andere Länder verfügen bereits über die Technologie. Hoch spannend ist die Passage, in der es um die Rekrutierung künftiger Piloten geht: Das Militär sucht sie unter Jugendlichen, die sich für einschlägige Videogames begeistern. Mit dem packenden und sehr informativen Film zeigt Schlei auch auf, dass es dringend internationaler Regeln bedarf, um die zerstörerische Macht dieser Technologie zu bändigen.

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Brandon Bryant war fünf Jahre lang Pilot bei der U.S. Army. Er saß aber nicht in einem Flugzeug, sondern steuerte unbemannte Drohnen. An seinem Arbeitsplatz in den USA richtete er auf dem Monitor das Fadenkreuz auf die Zielpersonen. Bei den Aktionen, an denen er beteiligt war, starben über 1600 Menschen.
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