Dirty Grandpa

Dirty Grandpa

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Unsäglich, aber wahr

Ähnlich wie der zügellose Rentner Dick Kelly in Dan Mazers Brachialkomödie Dirty Grandpa scheint Schauspielschwergewicht Robert De Niro im Spätherbst seiner Karriere vor allem ein Ziel zu verfolgen: Spaß haben. Anders lässt sich die Rollenwahl des Taxi Driver-Stars nicht erklären, die vereinzelt erfreulich – etwa im Fall von Silver Linings –, häufig aber ärgerlich bis peinlich ausfällt, wie Killing Season, Malavita – The Family oder Motel Room 13 belegen. Mit dem Party-Roadtrip Dirty Grandpa schießt die Hollywood-Legende nun endgültig den Vogel ab. Daher ein Rat an alle De-Niro-Verehrer: Wer das ohnehin angekratzte Image des einstigen Idols nicht weiter bröckeln sehen will, sollte sich dieses unterirdische Filmerzeugnis tunlichst sparen.
Nach dem Tod seiner Ehefrau will Witwer Dick (De Niro) unbedingt den traditionellen Florida-Aufenthalt antreten und bittet, da ihm der Führerschein entzogen wurde, seinen Enkel Jason (Zac Efron) um Hilfe. Der junge Anwalt, der in Kürze seine Verlobte Meredith (Julianne Hough) heiraten wird, ist wenig begeistert, lässt sich aber doch breitschlagen, seinen Großvater zu kutschieren. Ein gravierender Fehler, denn in Wahrheit hat es der liebestolle Rentner auf die Spring-Break-Hochburg Daytona Beach abgesehen, wo seine eingeschlafene Libido wieder in Schwung kommen soll. Passenderweise trifft das ungleiche Gespann dort auf die sexhungrige Studentin Lenore (Aubrey Plaza), die nach einem reifen Professor Ausschau hält, den Dick nur zu gerne mimt. Wie es der Zufall will, kennt Jason ihre Freundin Shadia (Zoey Deutch) aus der gemeinsamen Uni-Zeit.

Ohne Reiz ist das Konzept, das Dan Mazer (Das hält kein Jahr …!) und Drehbuchnovize John Phillips hier vorlegen, sicher nicht. Robert De Niro als offenherziger Rentner und Hollywood-Beau Zac Efron als fremdgeleiteter Spießer hätten durchaus ein tolles Duo abgeben können. Doch dafür wäre mehr vonnöten gewesen als unmotiviert aneinandergereihte Unflätigkeiten und kalkulierte Provokationen, die bereits nach zehn Minuten gehörig auf die Stimmung drücken. Fäkalhumor in all seinen Erscheinungsformen ist das bestimmende Merkmal von Dirty Grandpa. Und man stellt sich immer wieder Frage, was Hauptdarsteller De Niro mit einem derart missratenen Drehbuch zu seinen besten Zeiten getan hätte. Tonne auf, Tonne zu, ist wohl die Antwort, die der Wahrheit am nächsten kommt.

In der Gegenwart scheinen dem einst begnadeten method actor jedoch kein geschmackloser Spruch und keine platte Geste zu peinlich zu sein. Ständig steckt Dick – ein bewusst programmatischer Name – dem verklemmten Jason seinen Finger oder andere Gegenstände in den Po, was als großer Running Gag inszeniert wird, aber schon beim ersten Mal sämtliche Fremdschäm-Reflexe aktiviert. Schlimm ist nicht der derbe Slapstick-Humor an sich, sondern die chronische Witzlosigkeit der Handlung, die aus unbeholfen zusammengezimmerten Versatzstücken besteht. Ein bisschen Spritztour, ein Hochzeitsnebenstrang mit einer klischiert-zickigen Verlobten und eine Prise billige Gefühlsduselei. Irgendwie erstaunlich und traurig zugleich, dass Mazer und Co. ihrem brachialen Getöse nicht vollends über den Weg trauen und krampfhaft besinnliche Momente heraufbeschwören, die freilich vollkommen deplatziert wirken.

Mit zunehmender Dauer fällt es immer schwerer, Mitleid für De Niro aufzubringen, da der Schauspielveteran selbst einfachste Drehbuchschwächen bereitwillig mitträgt. Die meiste Zeit äußert sich Dick abfällig über Schwule und Schwarze, mutiert in einer Situation aber urplötzlich zum Beschützer von Minderheiten. Eine Szene, die ähnlich schal anmutet wie die zwischendurch angepriesene Liebe zur kürzlich verstorbenen Gattin. Hier wird es schlichtweg absurd, wenn man bedenkt, dass der notgeile Rentner auf seinem Spring-Break-Trip Frauen fast ausschließlich als Sexobjekte betrachtet. Beispiele für Unzulänglichkeiten ließen sich noch reihenweise aufzählen. Das bisher Gesagte sollte jedoch ausreichen, um gewarnt zu sein: Dirty Grandpa ist eine einzige komödiantische Katastrophe. Und ein Beweis, dass hierzulande leider viel zu oft größter Hollywood-Schrott eine Kinoauswertung erfährt.

Dirty Grandpa

Ähnlich wie der zügellose Rentner Dick Kelly in Dan Mazers Brachialkomödie "Dirty Grandpa" scheint Schauspielschwergewicht Robert De Niro im Spätherbst seiner Karriere vor allem ein Ziel zu verfolgen: Spaß haben. Anders lässt sich die Rollenwahl des "Taxi Driver"-Stars nicht erklären, die vereinzelt erfreulich – etwa im Fall von "Silver Linings" –, häufig aber ärgerlich bis peinlich ausfällt, wie "Killing Season", "Malavita – The Family" oder "Motel Room 13" belegen.
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Dirty Grandpa von Dan Mazer
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Dirty Grandpa - Trailer 2 (deutsch)
Dirty Grandpa - Trailer (deutsch)
Dirty Grandpa - Trailer (englisch)
Meinungen
Jan · 24.02.2016

Ic fande den Film seht lustig und unterhalten ja ein paar Sachen sind stark sexistisch aber Humor ist wenn man trotzdem Lacht

Christine · 14.02.2016

Der Film ist lustig aber nicht für 12 jährige Kinder. Die sexistischen Sprüche sind auf keinen Fall jugendfrei. Der müßte eher ab 16 frei gegeben werden

Dorose · 14.02.2016

Schrecklicher Film!!! Total enttäuschend, es ist mir ein Rätsel warum sich bekannte und geachtete Schauspieler für so ein peinliches und absolut humorlosen Stück "Komödie" hergeben konnten.
Eklige, sexistische Szenen - verbale versaute Ausdrücke an einem Stück! Musste den Film nach der Hälfte verlassen !!! Unterstes Niveau!

Kommentare

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Titel
Dirty Grandpa
Unsäglich, aber wahr
Startdatum
FSK
12
Regie
Genre

Daten und Fakten

Produktionsland
Filmlänge
102 Min
DVD
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TV

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