Digging Up the Marrow

Digging Up the Marrow

Eine Filmkritik von Martin Beck

Monströse Unterwelten

Wer hätte das gedacht: Adam Green, jener Horror-Fanboy, der sich unter anderem dank der Hatchet-Reihe und Frozen zu beträchtlicher Fanboy-Popularität aufgeschwungen hat, kann auch ironisch und sympathisch. Der Film zu dieser unverhofften Erweiterung des inszenatorischen Horizonts heißt Digging Up the Marrow und entstand über vier Jahre als eine Art Nebenprojekt zu seinen ganzen anderen Sachen. Mit dabei sind er selbst, seine Familie, seine Freunde und seine Kollegen – eine echte, falsche Reality-Show zwischen Conventions, Editing-Studios und Monstern.
Die Sache ist nämlich die, dass in Adam Greens geschäftiges Umfeld eines Tages William Dekker (Ray Wise) eintritt, ein ehemaliger Detektiv aus Boston, der die Existenz echter Monster behauptet. Nach seiner Aussage leben diese Kreaturen, allesamt entstellte Kinder, in einer unterirdischen Welt namens "the marrow", die nur über versteckte Löcher im Boden zugänglich ist. Und eines dieser Löcher befindet sich angeblich in einem Wald nahe Los Angeles.

Was darauf folgt, ist eine Gratwanderung auf der bekannten Frage, ob das alles wirklich stimmt oder lediglich der lebhaften Fantasie eines verwirrten Mannes entstammt. Green und Dekker gehen zu dem Loch und installieren sogar Kameras, doch selbst handfeste Bilder können nur bedingt überzeugen, weil nämlich gleichzeitig immer mehr Ungereimtheiten bezüglich der Aussagen und der Person des Ex-Detektivs auftauchen. Ist er denn überhaupt der, der er vorgibt zu sein? Und wieso war er mit seiner Geschichte auch schon bei diversen Kollegen von Green, wie zum Beispiel Tom Holland oder Mick Garris?

Digging Up the Marrow hat sichtlich Spaß an dem Spiel mit Erwartungen und Koventionen, aber kommt dann zum Glück auch irgendwann auf den handfesten Punkt. Anders als zum Beispiel Willow Creek, der eigentlich bis zum Ende vage bleibt, schafft der Film eine packende Spannungskurve, die der grundlegenden Reality-Show einen angenehm drastischen Horrortritt verpasst. Die ganze "behind the scenes"-Ebene, mit Aufnahmen von Greens Produktionsbüro, den Conventions, den Kumpels und der Familie, nimmt den Zuschauer zunächst an die bodenständige Hand und erzeugt so eine effektive Involvierung, sobald aus dem Spiel Ernst wird.

Dass gerade Adam Green solch eine Genre-Vermischung hinbekommt, die dann auch noch Doku-Elemente, "found footage"-Szenen und skurrilen Humor einbaut, war vor Digging Up the Marrow nicht unbedingt zu erwarten. Am ehesten typisch für den Regisseur sind hier die Horrorszenen am Ende, doch selbst die, so straight und auf "jump scares" geeicht sie auch sein mögen, bekommen durch den besonderen Rahmen eine neue Qualität. Wenn zuvor Kane Hodder im Editing-Raum sitzt und eine spektakuläre "found footage"-Szene mit den Worten "Found footage. Boy, that hasn't been done before" abkanzelt, kommt der "real deal" danach einfach nochmal stärker an.

Nein, die Größe von Troll Hunter erreicht Digging Up the Marrow nicht, dafür ist der Film einfach zu sehr Nebenprojekt, aber ungemein unterhaltsam ist er auf jeden Fall. Die Nightbreed-artigen Monster (Spoiler, huch!?) sehen phänomenal aus und werden äußerst effektiv in Szene gesetzt, Ray Wise liefert eine brillante, ungemein intensive Vorstellung und die Posse um Adam Green macht einen fast schon erschreckend normalen Eindruck. Vom Fanboy zum Genre-affinen Sympathieträger – selbst mit massiver Eigenpromotion in Form seiner Produktionsfirma, die zu einem wichtigen Handlungsort auserkoren wird. Im Rahmen der überschaubaren Möglichkeiten ist Digging Up the Marrow eine gelungene Überraschung im diesjährigen Horrorangebot.

Digging Up the Marrow

Wer hätte das gedacht: Adam Green, jener Horror-Fanboy, der sich unter anderem dank der "Hatchet"-Reihe und "Frozen" zu beträchtlicher Fanboy-Popularität aufgeschwungen hat, kann auch ironisch und sympathisch. Der Film zu dieser unverhofften Erweiterung des inszenatorischen Horizonts heißt "Digging up the marrow" und entstand über vier Jahre als eine Art Nebenprojekt zu seinen ganzen anderen Sachen.
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