Die wandernde Erde (2019)

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„Die wandernde Erde“ – das klingt sphärisch, ruhig, nach kosmischer Angst und vielleicht einigen versprengten philosophischen Gedanken. Wer das sucht, kann hier mit dem Lesen aufhören und sich einfach noch mal „Melancholia“ anschauen.

Die wandernde Erde (2019)

Eine Filmkritik von Lucia Wiedergrün

Generation Praktikum muss es richten

Knapp zwei Monate nach seinem chinesischen Kinostart veröffentlichte Netflix am 30. April 2018 weltweit „Die wandernde Erde“ (Liú làng dì qiú) als Teil seines Streaming-Programms. Ausgehend von dem enormen finanziellen Erfolg des Films an den chinesischen Kinokassen, er zählte dort bereits kurz nach Erscheinen zu den ökonomisch erfolgreichsten chinesischen Filmen aller Zeiten, ist auch hierzulande das Interesse an dem Science-Fiction-Spektakel groß. Doch kann der Film auf der kleinen Leinwand halten, was der große Erfolg verspricht?

Die wandernde Erde basiert auf einer Kurzgeschichte Liu Cixins, der insbesondere als Autor der Trisolaris-Trilogie bekannt ist, von der in Deutschland bisher die ersten zwei Bände erschienen sind. Mit dem komplexen Gewebe dieses Science-Fiction-Epos hat Die wandernde Erde allerdings wenig gemein. Zu den Berührungspunkten der Geschichten gehört aber, dass es erneut um nicht weniger als das Überleben des Planeten Erde geht. Diesmal ist es die Sonne, die eine Gefahr für alles Leben darstellt. Ihre unkontrollierte Ausdehnung droht den blauen Planeten in kürzester Zeit zu verschlucken. Die einzige Möglichkeit, diesem apokalyptischen Szenario zu entkommen, ist die Erdrotation zu stoppen, um dann auf der anderen Seite der Erde Antriebe zu befestigen, welche den Planeten auf eine Reise durchs All schicken sollen. Ziel ist es, im Umfeld der Sonne eines anderen Sonnensystems eine neue Heimat zu finden. Da durch die veränderten Umstände ein Überleben auf der Erdoberfläche unmöglich geworden ist, hat sich die noch vorhandene Weltbevölkerung in unterirdische Städte unterhalb der Antriebe zurückgezogen, um dort die nächsten zweitausend Jahre auf ihre Ankunft in der neuen Welt zu warten. Leider kommt es bei der Ausführung dieses ausgezeichneten Plans zu Problemen, als die Erde überraschend auf Jupiter trifft. Damit konnte niemand rechnen.

In der Folge wird die Geschichte um den jungen Liu Qi (Qu Chuxiao), dessen noch jüngerer Schwester Han Duoduo (Zhao Jinmai) und seinen ihm entfremdeten Vater, der Astronaut Liu Peiqiang (Wu Jing), erzählt, in der die drei und eine relativ große Anzahl an auftretenden und verschwindenden Nebenfiguren versuchen, den scheinbar unvermeidlichen Zusammenstoß mit Jupiter zu verhindern. An einem Punkt des Films muss mechanisch durch das gemeinsame kraftvolle Drücken einer Gruppe menschlicher Körper ein sehr großes Metallteil in einen Fusionsantrieb oder so etwas in der Art gedrückt werden. Mit ähnlich präziser Eleganz verfährt der Film auch mit seinen Figurenmotivationen. Immer wieder wird die zugleich über- und unterkomplexe Handlung für einige kurze pathetisch-kitschige Momente unterbrochen, in denen die Protagonist*innen in Zeitlupe und zu dem kraftvollen Sound sterbender Geigen ihre Gefühle füreinander ausdrücken. Meistens geht dies mit dem Tod einer der Figuren einher.

Die wandernde Erde ist, das sei an dieser Stelle festgehalten, kein guter Film. Zu behaupten, die Handlung sei verwirrend, ist noch wohlwollend. Eine emotionale Figurenbindung aufzubauen ist schwierig, wenn besagte Figuren immerzu schreiend und rennend damit beschäftigt sind, sich entweder gegenseitig den Plot zu erklären oder zu sterben. Und trotz einiger beeindruckender CGI-Bilder lässt sich das ästhetische Konzept am besten über all jene Filme von Gravity über 2001: A Space Odyssey bis The Day After Tomorrow und Transformers fassen, in denen die gezeigten Bilder bereits auftauchten. Trotz alledem lässt sich ein gewisser Spaßfaktor der Wandernden Erde nicht leugnen. Spätestens wenn der Protagonist gegen Ende des Films irgendetwas mit einem Fusionsantrieb tun muss und auf die Frage, woher er wisse, wie das geht, antwortet, er hätte das im Praktikum gelernt, geht jedem millenial das Herz auf.

Die wandernde Erde (2019)

Als die Sonne stirbt, bauen die Menschen gigantische planetarische Steuerraketen, um die Erde aus der Sonnenumlaufbahn zu bewegen und auf die Reise in ein neues Sonnensystem zu schicken. Doch die Odyssee, die rund 2500 Jahre dauern soll, steckt voller Gefahren und um die Menschheit zu retten, muss eine Gruppe von Auserkorenen unglaubliche Gefahren auf sich nehmen.

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Meinungen
TeddyNeko · 21.05.2019

"...als die Erde überraschend auf Jupiter trifft. Damit konnte niemand rechnen."
So überzogen am Thema vorbei wie der Rest vom TEXT.

Man fragt sich, ob der Kommentator, eine generelle Abneigung gegen den Film (und Generation Millennium) hatte oder ob die Untertitel überfordert haben. *grübel *

Der Film war überaus interessant und man Fiebert mit.
Gerade mit dem Wissen, daß kein 0815 Hollywood Zeug daher kommt (gut gewinnt... Und wenn nicht jetzt, dann in teil 2), erwartet man das unerwartete.

Es ist zwar der Einfluss der Chinesischen Kultur (das große Ganze, nicht der einzelne etc) erkennbar, allerdings ist es passend.

Die KI ist nicht böse, die überlebenden nicht die unschuldigen und die Rettung nicht einem Volk überlassen.

Einer der besseren Filme der letzten Monate und sehenswert

hermse · 08.05.2019

"...als die Erde überraschend auf Jupiter trifft. Damit konnte niemand rechnen." Das ist ja unfassbar vescheuert. Mit dem größten Planeten des Sonnensystems der 90% der Masse aller Planeten ausmacht, konnte niemand rechnen?!?!
Das ist absolut anders als im Buch bzw. der Novelle. Das haben also die Drehbuch"autoren" dazu gedichtet. Schade. Ansich ist die Geschichte ganz nett. Das hier aber hört sich nach großem Käse an.
Hoffentlich machen die nich auch so etwas mit der Trisolaris Triologie. Diese wahrscheinlich beste SiFi-Geschichte der letzten Jahrzente, hat besseres verdient als das Graupen an der Stroy rumdoktoren. Wahrscheinlich besser wenn es gar nicht verfilmt wird.

Kommentare

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