Die Verachtung

Die Verachtung

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Montag, 7. April 2014, ARTE, 20:15 Uhr

Da gibt es Dinge, die sich zwischen Frau und Mann ereignen, die erscheinen auf den ersten Blick so banal wie harmlos, und doch stellen sie den Anfang vom Ende einer Liebesbeziehung dar, die zwei Menschen im Zustand der ein- oder beidseitigen Abneigung zurücklässt. Die Verachtung des Nouvelle Vague Filmemachers Jean-Luc Godard aus dem Jahre 1963 ist ein Drama über ebendiese Konstellation, das sich neben dem schlichten und doch so signifikanten Konflikt eines Paares auf ironisch-sanfte Weise mit dem Habitus der Filmindustrie beschäftigt, der nur allzu häufig in Gegensatz zum künstlerischen Anspruch der Filmschaffenden gerät. Als Partner der legendären Brigitte Bardot, die als eine am meisten fotografierte Frau der Welt gilt und damals bereits ein gefeierter Star war, agiert Michel Piccoli hier noch als aufstrebender Schauspieler, der in der Folge mit Regisseuren wie Jacques Rivette, Luis Buñuel und Alfred Hitchcock gedreht hat.
Die Frau liegt nackt auf dem Bett, schicklich auf den Bauch gedreht, während der Mann bei ihr sitzt und artig bestätigt, dass er die von ihr aufgezählten Stellen ihres Körpers liebt, und zwar die linke Brust ebenso wie die rechte: Camille (Brigitte Bardot) und Paul Javal (Michel Piccoli) wirken wie ein vertrautes, ein wenig gelangweiltes Ehepaar, das sich gerade mäßig engagiert mit gleichermaßen banalen wie existentiellen Details seiner Beziehung beschäftigt. Der Autor Paul steht kurz davor, den Auftrag zu übernehmen, das Drehbuch für einen Film des berühmten Regisseurs Fritz Lang (Fritz Lang, der sich selbst spielt) über den griechischen Helden Odysseus umzuschreiben. Doch zunächst muss der großkotzig auftretende US-amerikanische Produzent Jeremy Prokosch (Jack Palance) als Finanzier überzeugt werden, der unumwunden nicht nur ein Auge auf die äußerst attraktive Camille geworfen hat, die sich anfangs allerdings sehr reserviert ihm gegenüber verhält. Als Paul seine Frau geradezu in die Gesellschaft des Produzenten drängt, der nur allzu gern Situationen herbeiführt, um mit ihr allein zu sein, fühlt sich Camille von Paul strategisch für sein berufliches Fortkommen missbraucht und reagiert darauf mit wachsender Verachtung ...

Basierend auf dem Roman Die Verachtung / Il disprezzo des italienischen Schriftstellers Alberto Moravia hat Regisseur Jean-Luc Godard mit einem kleinen Protagonistenkreis, in dem die Emotionen des Paares hochkochen, einen augenscheinlich recht harmlosen Film von visueller Gemächlichkeit und Intensität geschaffen, der unterschwellig allerdings ein ansteigendes Brodeln transportiert, das im krassen Gegensatz zur Schönheit der sonnigen Bilder steht. Die Verachtung wurde teilweise auf Capri auf dem Grundstück und in der wegen ihrer extravaganten architektonischen Gestaltung berühmten Villa Malaparte gedreht, deren kuriose Konstruktion ein ganz hervorragendes Sinnbild der Geschichte abgibt. Wenn Paul seine Camille draußen bei den imposanten Stufen zur Villa nach dem Grund ihrer Verachtung ihm gegenüber fragt, weicht sie ihm zunächst trotzig aus, bis sie ihm dann doch entgegenschleudert: "Ich verachte dich, weil du diese Liebe nicht mehr in mir erwecken kannst."

Die Verachtung transportiert einige paradox anmutende Muster von Beziehungen und Konflikten, die hier aber häufig die Tendenz in sich bergen, letztlich doch zu den kleinen und größeren Missverständnissen zwischen Frau und Mann zu zählen, die oftmals innerhalb einer Liebesgeschichte als unvermeidbar erscheinen und im Grunde innerhalb einer kritischen Reflexion aufklärbar wären, die allerdings durch verhärtete Fronten verhindert wird. Während die überwiegend trotz aller angedeuteten Zuspitzungen letztlich doch sanfte Dramaturgie auf ein brutales Ende zusteuert, beschließt Jean-Luc Godard diesen an Andeutungen und Bezügen überaus reichhaltigen Film, der in seiner elegant inszenierten Selbstreferentialität weit über sich hinausweist, mit den Worten des Regisseurs Fritz Lang am Set seines Films über Odysseus, dessen Dreharbeiten wieder aufgenommen wurden: "Bitte Ruhe!"

Die Verachtung

Da gibt es Dinge, die sich zwischen Frau und Mann ereignen, die erscheinen auf den ersten Blick so banal wie harmlos, und doch stellen sie den Anfang vom Ende einer Liebesbeziehung dar, die zwei Menschen im Zustand der ein- oder beidseitigen Abneigung zurücklässt.
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