Die Spaziergängerin von Sans-Souci

Die Spaziergängerin von Sans-Souci

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Samstag, 21. September 2013, rbb Fernsehen, 23:45 Uhr

Max Baumstein (Michel Piccoli), der engagierte Präsident einer internationalen Hilfsorganisation, wird am Pariser Flughafen von seiner schönen Frau Lina (Romy Schneider) empfangen – ein ungleiches, aber offensichtlich glückliches Paar mit großem Altersunterschied, eine agile, strahlende Frau und ein älterer, gehbehinderter Mann. Baumstein fährt zu einem Treffen mit Federico Logo (Mathieu Carrière), dem Botschafter von Paraguay, um sich nach einer inhaftierten Frau zu erkundigen, und nach einem kurzen Wortwechsel, bei dem es um Logos einstige Identität als Ruppert von Leggaert geht, erschießt Baumstein den Botschafter und begibt sich widerstandslos in den Gewahrsam der Polizei.
Die Spaziergängerin von Sans-Souci erzählt im Rahmen des Gerichtsprozesses gegen Baumstein (als Junge: Wendelin Werner) in Rückblicken die tragische Geschichte seiner Kindheit im nationalsozialistischen Berlin und später in Paris unter der Obhut von Elsa Wiener (ebenfalls Romy Schneider), die sich gemeinsam mit ihrem Mann Michel (Helmut Griem), der von den Nazis vor der Ausreise nach Frankreich verhaftet wird, des jüdischen Waisen angenommen hat. Basierend auf dem Roman Die Spaziergängerin von Sans-Souci. Ein Leben voller Liebe / La passante du Sans-Souci von Joseph Kessel werden hier die Motive einer späten Rache rekonstruiert, die in diesen zunächst unerklärlichen Mord münden.

Es ist der letzte Film der deutsch-französischen Schauspielerin Romy Schneider (1938-1982), der ihrem 1981 tödlich verunglückten Sohn David und seinem jüdischen Vater Harry Meyen gewidmet ist, der die NS-Zeit im Konzentrationslager überlebte und 1979 den Freitod wählte. Romy Schneider selbst verstarb im Mai 1982 kurze Zeit nach der Premiere des Films, den sie deshalb nicht mehr selbst auf Deutsch synchronisieren konnte, und es sind nicht zuletzt diese persönlichen Hintergründe, die Die Spaziergängerin von Sans-Souci begleiten und dieses intensive Drama um Schuld und Vergeltung in seiner historischen Dimension einmal mehr mit schwelender Melancholie behaften.

Die Spaziergängerin von Sans-Souci

Max Baumstein (Michel Piccoli), der engagierte Präsident einer internationalen Hilfsorganisation, wird am Pariser Flughafen von seiner schönen Frau Lina (Romy Schneider) empfangen – ein ungleiches, aber offensichtlich glückliches Paar mit großem Altersunterschied, eine agile, strahlende Frau und ein älterer, gehbehinderter Mann.
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