Die Quereinsteigerinnen

Die Quereinsteigerinnen

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Das Comeback der gelben Telefonzellen

Erinnert sich eigentlich noch jemand an die hübschen gelben Telefonhäuschen, die früher die betongrauen deutschen Innenstädte belebten? Das war, bevor die Konzernstrategen und PR-Experten der Telekom, die ja damals noch ein staatliches Unternehmen mit der Bezeichnung Deutsche Bundespost war, die Trennung der verschiedenen Sparten des Konzerns verordneten, die Einzelunternehmen privatisierten und der Telekommunikationssparte das neue Corporate Image mit der Grundfarbe Magenta verpassten.
Barbara (Nina Proll) und Katja (Claudia Basrawi) gehören zu jenen Menschen, die den sonnengelben Telefonhäuschen nachtrauern. Doch anders als ihre Leidensgenossen beschränken sie sich nicht nur auf erinnerungsseelige Seufzer, sondern sie entschließen sich zu einer Aktion, die den ausrangierten gelben Zellen zu einem Comeback verhelfen sollen. Kurzerhand entführen sie Harald Winter (Rainer Knepperges), den Boss der Telekom, um dem Konzern ihre Forderungen zu präsentieren, die in der Zentrale freilich auf großes Erstaunen stoßen. Auch der Entführte selbst ist verwundert und verärgert, denn die beiden Entführerinnen und ihr Kompagnon sind erschreckend unprofessionell. Wenn schon eine Entführung, dann doch bitteschön eine ordentlich und professionell ausgeführte, so das Credo des toughen Managers. Doch diesen Wunsch können die beiden Frauen Winter nicht erfüllen. Allem Ärger zum Trotz beginnt sich der Manager bald schon seiner Geiselhaft pudelwohl zu fühlen, zumal ihm der Aufenthalt im Siebziger-Jahre-Ferienhaus mit Eierlikör, lustigen Gesellschaftsspielen und allerlei Absurditäten versüßt wird. Als schließlich die ersten gelben Telefonzellen im Straßenbild wieder auftauchen, scheint die Entführung ihrem guten Ende entgegen zu gehen, doch dann taucht der finstere Sonderagent Korn (Klaus Lemke) des Telefonkonzerns auf, der dem Spuk ein Ende setzen will.

Rainer Knepperges und Christian Mrasek gehören beide der so genannten Kölner Gruppe an, einem losen Verbund von Filmemachern aus der Domstadt am Rhein, die seit Jahren zusammenarbeiten und deren Filme sich durch absurden Witz, schrägen Humor, feine Ironie und den Mut zum Unfertigen und Nicht-Perfekten auszeichnen – ganz ähnlich also wie die beiden Entführerinnen in Die Quereinsteigerinnen. Was im ersten Moment wie ein großer, bunter Spaß daherkommt, lässt aber immer wieder durchblitzen, dass es neben dem unübersehbaren Spaß am Spiel auch noch um etwas anderes geht: Um eine Antithese zum aufgeblasenen, sich selbst zu wichtig nehmenden deutschen Kino, das mitunter vor lauter Betroffenheit und guten Absichten zu erstarren droht. Der Film wirkt so, als habe Helge Schneider gemeinsam mit dem Enfant Terrible des Neuen Deutschen Films Klaus Lemke (der in diesem Film den rotzcoolen Agenten Korn gibt) ein Remake von Die fetten Jahre sind vorbei gedreht. Groovy, sexy, cool!

Die Quereinsteigerinnen

Erinnert sich eigentlich noch jemand an die hübschen gelben Telefonhäuschen, die früher die betongrauen deutschen Innenstädte belebten?
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Meinungen
Gernot Podolsky · 23.08.2006

Oh, oh, da schau her!
Kann aber auch nichts dafür.

· 21.08.2006

es tut mir leid, aber ich kann wirklich nichts dafür ... auf platz eins unter den besten 1000 sätze des films

Elvirus · 19.08.2006

Her mit den gelben Zellen!!!!

Gernot Podolsky · 20.08.2006

Oh ja bittschön auch für mich so eine wunderbare klitzkleine Telefonzelle!

Kommentare

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