Die Poetin

Die Poetin

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Stolz und Schüchternheit

Elizabeth Bishop ist eine der bekanntesten und einflussreichsten US-amerikanischen Dichterinnen. 1956 hat sie den Pulitzer-Preis für die Gedichte erhalten, die sie während ihrer langen Aufenthalte in Brasilien verfasst hat. Darüber, über ihr Leben und vor allem über ihre Beziehung zur brasilianischen Architektin Lota de Macedo Soares hat Bruno Barreto nun einen starken und sensiblen Film gemacht. Die Poetin ist ein Biopic, das sich lohnt, weil es versucht, nicht nur Lebensdaten, sondern Gefühle, Stimmungen und auch ein bisschen Poesie zu transportieren.
Der Film setzt ein, als sich die New Yorker Schriftstellerin Elizabeth Bishop (Miranda Otto, bekannt aus Der Herr der Ringe) in einer Schaffenskrise befindet. Um neue Impulse und Inspiration zu suchen, reist sie Anfang der 1950er Jahre nach Brasilien. Dort lebt ihre Studienfreundin Mary (Tracy Middendorf) zusammen mit der Architektin Lota (Glória Pires), gemeinsam haben sie sich einen beschaulichen Rückzugsort auf einem Anwesen abseits von Rio de Janeiro geschaffen. Elizabeth ist von Beginn an überwältigt von der sinnlichen und Kraft ausströmenden Kultur Brasiliens, kommt jedoch — in ihrer eigenen Schüchternheit — nicht damit zurecht, was die stolze Lota so gar nicht verstehen will.

In Elizabeth und Lota prallen zwei Lebensweisen aufeinander. Und das ist es wohl auch, was die beiden Frauen so aneinander reizt und weshalb sie sich wie magnetisch anziehen, warum sie letztendlich aber auch scheitert. Die Liebe, die zwischen den beiden Frauen entbrennt, ist gewaltig und stellt sich kurzerhand zwischen die jahrelange harmonische Beziehung von Mary und Lota, was Mary fast verzweifeln lässt. Indem Lota Mary deren langen Wunsch erfüllt, ein Baby zu adoptieren, erhält sie den Haussegen aufrecht, und so wohnen die drei Frauen fortan unter einem Dach.

Erst als Lota das Angebot erhält, in Rio ein großes Park-Projekt zu leiten, beginnt es zwischen Elizabeth und Lota zu kriseln. Lota arbeitet viel und verbringt lange Nächte in Rio, während Elizabeth im Whiskey einen angenehmen Begleiter findet. Aber auch Elizabeths Erfolge drücken auf die Stimmung zwischen den beiden Frauen: Die Verleihung des Pulitzer-Preises feiern sie noch gemeinsam, doch muss Lota bald erkennen, dass Elizabeth auch andere Gesprächspartner anzieht. Die politische Situation in Brasilien und der Militärputsch sind andere Ereignisse, welche die verschiedenen Haltungen der beiden Frauen aufzeigen und für Reibungen sorgen. Als sich Elizabeth entscheidet, ein einsemestriges Lehr-Angebot einer New Yorker Universität anzunehmen, kommt es zum Streit zwischen Lota und Elizabeth, und Elizabeth reist unversöhnt aus Brasilien ab.

Die Liebesgeschichte nimmt einen tragischen Verlauf, der dann fast ein wenig zu kurz kommt, zu schnell erzählt wird. Aber das ist vielleicht auch ganz gut so, würde der Film sonst möglicherweise als konventionelles Melodram enden. So aber bleiben die Grundfragen des Films auch über das Ende hinaus bestehen: Es wird das Leben (nicht nur von einer, sondern) von zwei überaus erfolgreichen Frauen portraitiert und danach gefragt, ob Liebe, Erfolg oder Ruhm zusammen gehen können. Dabei ist es letztendlich egal, was der eine oder der andere tut: Im einsamen Kämmerlein Gedichte schreiben oder in freier Natur und in einem großen Team Häuser bauen und Parks anlegen. Und wer viel Zeit und Energie in seine Projekte investiert, so zeigt der Film, der kann weniger für seinen Lebenspartner da sein, verschiebt Geburtstage oder verpasst den rechten Augenblick um zu sagen: „Ich liebe dich“.

Diesen Zwiespalt macht Die Poetin sehr gut deutlich, ebenso wie er zeigt, wie einsam — und wie verzweifelt häufig auch — eine bedeutende Schriftstellerin wie Elizabeth Bishop gewesen sein muss. Der Film schafft diesen gekonnten Spagat zwischen Lebensportrait und Gefühl. Man schaut nicht nur zu, sondern lernt die Figuren kennen und verstehen.

Die Poetin

Elizabeth Bishop ist eine der bekanntesten und einflussreichsten US-amerikanischen Dichterinnen. 1956 hat sie den Pulitzer-Preis für die Gedichte erhalten, die sie während ihrer langen Aufenthalte in Brasilien verfasst hat. Darüber, über ihr Leben und vor allem über ihre Beziehung zur brasilianischen Architektin Lota de Macedo Soares hat Bruno Barreto nun einen starken und sensiblen Film gemacht.
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