Die Nacht der Creeps

Die Nacht der Creeps

Eine Filmkritik von Martin Beck

Parasiten-Mörder. Aus dem Weltall.

Die Nacht der Creeps ist ein Film, den man eigentlich nur lieben kann. Zumindest als Horrorfan. Mit einer Schwäche für enthusiastischen 1980er-Jahre-Käse. Der hier aus charmant pervertierten Invasionsklischees, „frat boy“-Klamauk und allerlei augenzwinkernden Verneigungen à la Joe Dante besteht.
Die außerirdischen Schnecken, die in Die Nacht der Creeps Studenten in amoklaufende Zombies verwandeln, stammen geradewegs aus Parasiten-Mörder. Die Charaktere tragen Namen wie Romero, Carpenter-Hooper, Cronenberg oder De Palma. Es gibt eine Corman University, Dick Miller hat einen Cameo-Auftritt und im Hintergrund läuft natürlich Plan 9 From Outer Space.

Regie-Debütant Fred Dekker muss wohl der verlorene Bruder von Joe Dante sein, der mit Das Tier oder Matinee ähnlich zitatreiche B-Hommagen schuf. Der entscheidende Kniff bei beiden Regisseuren ist, dass ihre Filme auch ohne filmhistorische Kenntnisse funktionieren und die In-Jokes immer in der zweiten Linie bleiben. Man spürt sofort, dass Die Nacht der Creeps sein Genre respektiert und liebt. Ganz so, als würde die Scary Movie-Reihe auf einmal wissen was sie da tut.

Herumflitzende Alien-Schnecken, aufplatzende Köpfe und blindmachende 1980er-Jahre-Klamotten: Die Trash-Note des Films ist unübersehbar, aber eben nicht aufdringlich. Und bekommt ja auch Konkurrenz z.B. durch eine großartige „hard boiled“-Vorstellung von Tom Atkins, einen angenehm haarsträubenden Showdown und einen phänomenal inszenierten schwarz-weiß Prolog, in dem ein entlaufener Axtmörder auf ein knutschendes 1950er-Jahre-Pärchen trifft.

Alleine der Moment, als der Axtmörder ausholt und… – ein Killer. Und Tom Atkins darf Sätze sagen wie: „Die gute Nachricht ist, eure Freunde sind hier. Die schlechte Nachricht ist, sie sind tot.“ Und am Ende gibt’s dann einen Rasenmäher ins Gesicht, ein Raumschiff landet und über allem zuckt klebriger Synthi-Pop Marke Devo. Auch wenn Die Nacht der Creeps nie die Ruhmeshöhen anderer 1980er-Jahre-Favoriten wie American Werewolf oder Re-Animator erreicht, bleibt er doch auf jeden Fall ein herrlich bunter, fantasievoller Spaß.

In Amerika existiert bereits seit Jahren eine exzellente Blu-Ray des Films (genauso wie übrigens auch von Dekkers zweitem Fan-Favoriten, Monster Busters), doch in Deutschland musste man sich bisher mit einer geschnittenen Videokassette und allerlei Bootleg-Gesindel herumschlagen. Das österreichische Label Winkler Film füllt diese Lücke nun mit einer ebenfalls exzellenten DVD und Blu-Ray, der wohl das gleiche Master wie der amerikanischen Veröffentlichung zugrunde liegt und den Film regelrecht erstrahlen lässt.

Das mit dem „Director’s Cut“, den das Cover ankündigt, ist allerdings ein milder Schwindel, denn gezeigt wird hier die reguläre Kinofassung – mit dem Ende der (amerikanischen) TV-Fassung. Das ursprüngliche Kinoende ist dafür bei den „deleted scenes“ dabei, genauso wie einige Dialogszenen, die bisher nur im TV zu sehen waren. Abgerundet wird die üppige Bonus-Abteilung mit einem sehenswerten Making Of, zwei Audiokommentaren, einem Portrait von Tom Atkins, Trivia-Untertiteln und diversen Trailern.

Man sollte vor Die Nacht der Creeps ein gesundes Maß buckliger Popkultur anno Mitte der 1980er Jahre inhalieren. Das hilft dann ungemein beim unweigerlich folgenden Applaus. Groß, ganz groß!

Die Nacht der Creeps

„Die Nacht der Creeps“ ist ein Film, den man eigentlich nur lieben kann. Zumindest als Horrorfan. Mit einer Schwäche für enthusiastischen 1980er-Jahre-Käse. Der hier aus charmant pervertierten Invasionsklischees, „frat boy“-Klamauk und allerlei augenzwinkernden Verneigungen à la Joe Dante besteht.
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