Die Morde von Snowtown

Die Morde von Snowtown

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Die Stimmen der Toten

Im australischen Snowtown ist die Tristesse zuhause. Hier lebt der völlig in sich gekehrte Jamie mit seiner Mutter und seinen Brüdern. John Bunting, der neue Freund seiner Mutter, behandelt ihn gut. Für Jamie ist er fast wie ein Vater, doch hinter der freundlichen Fassade ist John ein Monster. Zusammen mit einem Kumpel will er das Viertel sauber halten. Sie entführen Junkies, Homosexuelle, Behinderte und jeden, den sie als Störenfried ansehen, foltern und ermorden sie. Und nun soll Jamie helfen.
Die Morde von Snowtown ist ein dokumentarisch anmutender Film, der sich einer wahren Geschichte annimmt. John Bunting ist einer der berüchtigsten australischen Serienkiller. Umso erstaunlicher ist, dass Autor und Regisseur Justin Kurzel sich nicht auf ihn konzentriert, sondern die Geschichte aus der Perspektive des jungen Komplizen Jamie erzählt. Herausgekommen ist ein zutiefst verstörender Film, der sich viel Zeit damit lässt, das hoffnungslose Leben der Menschen rund um John Bunting zu zeigen. Ein jeder von ihnen ist ein Verlorener, weswegen Bunting mit seiner unglaublichen Lebenskraft umso mehr strahlt und die anderen so um sich schart.

Ohne Vorkenntnisse des Falls ist es bisweilen ein wenig schwierig, der Geschichte zu folgen. Nicht alle Morde werden in diesem Film gezeigt, manche sind nur angedeutet, indem die Botschaften, die die Opfer für ihre Lieben aufnehmen mussten und die den Eindruck erwecken sollten, sie hätten mit Snowtown gebrochen und die Stadt verlassen, über das Geschehen hinweg abgespielt werden. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass der zeitliche Ablauf der Geschichte etwas stärker verdeutlicht und dem Eindruck entgegengewirkt wird, alles geschehe innerhalb weniger Wochen.

Die Morde von Snowtown ergeht sich nicht darin, sich in den grausigen Morden zu suhlen. Die wahre Geschichte hätte Exploitation durchaus Tür und Tor geöffnet, aber Kurzel pickt nur einen Mord heraus, den er explizit zeigt. Die Sequenz ist vergleichsweise kurz, aber schwer zu ertragen. Wo man den „Torture Porn“ von Filmen wie Saw nicht ernst nehmen kann, ist die entsprechende Folter- und Mordsequenz in Die Morde von Snowtown wie ein Schlag in die Magengrube.

Die Besetzung besteht aus unbekannten Mimen – und das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für Australien. Aber Kurzel hat sehr fähige Schauspieler verpflichtet. Neben der fast autistischen Darstellung Jamies durch Lucas Pittaway ist es vor allem Daniel Henshall als John Bunting, der Großes leistet. Es gelingt ihm in der ersten Hälfte des Films, Sympathie zu erwecken, da er der einzige Mensch in dieser Geschichte ist, der sich selbst noch nicht aufgegeben hat. Aber ganz langsam und schleichend ändert sich das Bild, das man von ihm hat. Es wird ersetzt durch das Bildnis eines Mannes, der vom Hass zerfressen ist.

Diesem Film beizuwohnen ist fast so, als ob man zu Buntings Komplizen würde. Man steht direkt neben ihm, wenn sein Wahnsinn neue Opfer fordert – und fühlt sich dadurch besudelt. Die Morde von Snowtown ist kein angenehmes, aber ein immens effektives Werk, das die Messlatte für True-Crime-Filme sehr, sehr hoch setzt.

Die Morde von Snowtown

Im australischen Snowtown ist die Tristesse zuhause. Hier lebt der völlig in sich gekehrte Jamie mit seiner Mutter und seinen Brüdern. John Bunting, der neue Freund seiner Mutter, behandelt ihn gut. Für Jamie ist er fast wie ein Vater, doch hinter der freundlichen Fassade ist John ein Monster. Zusammen mit einem Kumpel will er das Viertel sauber halten.
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