Die Methode

Die Methode

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Die Macht der Inszenierung

Wie weit ist ein ambitionierter Mensch in unserer heutigen Gesellschaft im Stande zu gehen, um in einer Bewerbungssituation seine Konkurrenten auszuschalten und als Gewinner aus dem Rennen um die begehrte Führungsposition hervorzugehen? Diese zentrale Fragestellung prägt den Film des argentinischen Regisseurs Marcelo Piñeyro von 2005, der sich im Verlauf der Handlung auf einen mitunter geradezu diabolisch anmutenden Psychothriller zuspitzt. Die Methode / El Método nach dem Theaterstück El Método Grönholm / Die Grönholm-Methode des Spaniers Jordi Galcerán erzeugt jenseits und inmitten der stets präsenten moralischen Komponente eine Atmosphäre der Hochspannung, innerhalb welcher hinter jeder Harmlosigkeit eine neue tückische Wendung lauern kann.

An diesem Morgen herrscht noch stärker als üblich das Verkehrschaos über Madrid, denn es finden anlässlich einer Tagung der Weltbank in der spanischen Metropole Demonstrationen antikapitalistischer Gruppen und anderer Globalisierungsgegner statt, die von umfangreichen Polizeieinsätzen flankiert werden. Der bestens ausgebildete Anwalt Carlos (Eduardo Noriega) und die nicht minder qualifizierte Nieves (Najwa Nimri) machen sich auf den Weg zu einem Vorstellungstermin für eine leitende Position bei der Firma DEKIA, denn neben fünf anderen Kandidaten haben sie es in die letzte Runde geschafft. Noch ahnen die beiden ehrgeizigen Karrieristen nicht, dass sie sich bald in den abgeschotteten Räumen der Chefetage des großen Konzerns wiederbegegnen werden, nachdem sie vor beinahe drei Jahren eine zauberhafte Nacht miteinander verbrachten, doch Gelegenheit, über alte Zeiten zu plaudern, haben die beiden zunächst nicht. Es beginnt ein knallhartes Auswahlverfahren nach der so bezeichneten Grönholm-Methode, das alle sieben Bewerber an einem Ort versammelt, um sie in der Arena der Verbalgefechte und Strategien gegeneinander antreten zu lassen, auf dass sich der oder die Beste selbst durchsetze. Wem das nicht passt, der kann jeder Zeit aussteigen, wie die anfangs zuckersüße Sekretärin Montse (Natalia Verbeke) eingangs die uneingeschränkte Freiwilligkeit der Teilnahme betont; wer allerdings bleibt, ist an die Regeln gebunden.

Beginnt die angespannte Runde, in der die aufstrebenden Konkurrenten bemüht sind, sich von ihrer gewitztesten Seite zu zeigen und zwischen Kooperation und Gegnerschaft im Kampf um die Gunst ihrer Mitstreiter zu bestehen, auch noch verhalten munter, gestaltet sich die Situation zunehmend komplexer und vor allem heftiger. Rasch wird den fünf Männern und zwei Frauen klar, dass es hier schonungslos ans Eingemachte gehen wird, doch alle sind entschlossen, diese provokative Herausforderung anzunehmen. Gleich bei der ersten Aufgabe, die dem temporären Team gestellt wird, beginnt die stetig wachsende Konfusion: Es gilt, den firmeninternen Spitzel zu demaskieren, der sich unauffällig in der Gruppe aufhält …

Geschickt von politischen Kontrasten flankiert versteht es Die Methode ebenso elegant wie tiefschichtig, menschliche Haltungen wie Aufrichtigkeit, Verschlagenheit, Loyalität und Kampfgeist in ein sorgfältiges konstruiertes und stimmiges Szenario von grandios gestalteten Kommunikationen und Strategien zu setzen, das den Zuschauer bis zum Ende gnadenlos packt und fesselt. Gemütlich ist es nicht, die mehr oder weniger giftigen Attacken der Bewerber zu betrachten, doch aufregend und aufschlussreich allemal, zumal die Doppelbödigkeit und -moral in diesem mehrfach ausgezeichneten Film den grausamen Charakter der Korrumpierbarkeit des menschlichen Strebens in selten so gelungener Weise visualisiert – sicherlich nicht zuletzt durch die großartigen schauspielerischen Leistungen des Ensembles.

Vor allem zu Beginn und am Ende der filigran ausgetüftelten Geschichte repräsentiert die multiperspektivische, gelegentlich das Bild unterteilende Kameraführung die differenzierenden wie manipulativen Tendenzen der Dramaturgie, die letztlich zwar ansatzweise entlarvt werden, doch zu diesem Zeitpunkt ist der Zuschauer mittlerweile geneigt, auch diese finale Wahrheit als nur eine mögliche Inszenierung zu verstehen. Es ist diese Raffinesse, die Die Methode zu einem ganz außergewöhnlichen Film werden lässt, der wie ein fiktives Experiment mit den Figuren und dem Publikum gleichermaßen anmutet, hinter dem möglicherweise eine ernsthafte moralische Mahnung steht – vielleicht aber doch schlicht ein zynischer Spieltrieb.
 

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Wie weit ist ein ambitionierter Mensch in unserer heutigen Gesellschaft im Stande zu gehen, um in einer Bewerbungssituation seine Konkurrenten auszuschalten und als Gewinner aus dem Rennen um die begehrte Führungsposition hervorzugehen?

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