Die Männer

Die Männer

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein früher Antikriegsfilm mit dem jungen Marlon Brando

Es gibt hervorragende Filme, die einfach zum unpassenden Zeitpunkt im Kino erscheinen, wenn die aktuellen Entwicklungen innerhalb von Politik und Gesellschaft dazu führen, dass sie nur mäßig erfolgreich sind. Dies trifft auch auf den US-amerikanischen Spielfilm Die Männer / The Men von Fred Zinnemann aus dem Jahre 1950 zu, der kurz nach Ausbruch des Koreakriegs in New York City Premiere hatte und mit seiner Darstellung verkrüppelter Kriegsgeschädigter nur wenig Publikum fand, obwohl er von der Presse euphorische Kritiken erhielt. Es ist der erste Film, in dem der damals 26jährige Marlon Brando mitspielte, der 2004 verstarb und heute längst zu den ganz Großen der Filmgeschichte zählt.
Die Atmosphäre, die im Krankenhaus für Kriegsveteranen auf der Station von Dr. Brock (Everett Sloane) herrscht, ist durch einen derb-humorigen Umgangston der überwiegend querschnittsgelähmten Männer bestimmt. Doch trotz teilweise düstester Scherze unterstützen sich die ehemaligen Soldaten gegenseitig sehr unsentimental und förderlich, angeregt von dem offenen und direkten Arzt, der es ablehnt, seinen Patienten Hoffnungen auf eine unwahrscheinliche Genesung zu machen, die für manche zunächst der einzig verbliebene gute Gedanke in ihrem Leben darstellt. Hingegen arbeitet Dr. Brock konsequent mit den Veteranen daran, dass sie ihr Schicksal akzeptieren, eine ausgiebige und sorgfältige Phase der Rehabilitation durchlaufen und sich darauf vorbereiten, wieder ein weit gehend unabhängiges und gutes Leben zu führen, wobei er sich auch um die Angehörigen sowie die sozialen und rechtlichen Belange der Männer kümmert – eine Strategie, die bei vielen zu erheblichen Fortschritten und neuem Lebensmut führt.

Ken „Bud“ Wilcheck (Marlon Brando) allerdings verweigert verbittert jegliche Mitarbeit, wünscht keinerlei Kontakt zu seiner Verlobten Ellen (Teresa Wright) und überlebt für die vage Möglichkeit, eines Tages wieder gehen zu können. Nach einer langen Zeit der selbst gewählten Isolation in einem Einzelzimmer wird Bud von Dr. Brock kurzerhand in den großen Saal zu einer lebhaften Crew verlegt, die den anfangs widerständigen ehemaligen Leutnant mitreißt, mit dem Training für ein neues Leben zu beginnen. Nach langem Zögern wendet sich Bud schließlich auch wieder Ellen zu, die ihn aufrichtig liebt und heiraten will, doch die Zweifel des jungen Mannes daran, dass sie mit ihm tatsächlich auf Dauer glücklich werden kann, führen immer wieder zu gewaltigen Distanzen zwischen den beiden. Als dann schließlich doch die Hochzeit stattfindet, ist noch längst nicht alles gut für das Paar, und auch die anderen Männer der Station haben mit schwierigen sozialen Beziehungen zu kämpfen. Als Bud sich noch am Hochzeitsabend von Ellen trennt und auf die Station zurückkehrt, überlässt ihn Dr. Brock eine Weile seinem Selbstmitleid, bis die beiden Männer ein sehr persönliches Gespräch führen, nach dem Bud den Mediziner sowie sein eigenes Schicksal in einem ganz anderen Licht betrachtet …

Die Männer ist ein dramaturgisch sehr präzise und pointiert gestalteter Antikriegsfilm, dessen Darsteller ganz ausgezeichnet aufspielen. Marlon Brando erhielt dafür 1952 als bester ausländischer Schauspieler den finnischen Filmpreis Jussi, und das Drehbuch wurde 1951 für einen Oscar nominiert. Die Musik stammt von Dimitri Tiomkin, der ebenso wie Regisseur Fred Zinnemann 1952 mit 12 Uhr Mittags / High Noon zu enormer Berühmtheit innerhalb seiner Profession gelangte. Noch heute berührt vor allem der einerseits sehr zynische, andererseits aber beinahe barmherzig sensible Umgang der Männer mit ihrer Katastrophe und untereinander, der sich nicht in aufgesetzten Dialogen und Gefühlsduseleien ergeht, sondern durch starke schwarzweiße Bilder zum Ausdruck kommt, die dem Zuschauer Raum für eigene Gedanken lassen. Ein absolut sehenswerter Film, der in Andeutungen die wesentlichen Aspekte transportiert, die in manch bemühtem Film zu diesem schweren Thema allzu ausführlich verplaudert und verheizt werden.

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Es gibt hervorragende Filme, die einfach zum unpassenden Zeitpunkt im Kino erscheinen, wenn die aktuellen Entwicklungen innerhalb von Politik und Gesellschaft dazu führen, dass sie nur mäßig erfolgreich sind.
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