Die Mamba

Die Mamba

Eine Filmkritik von Harald Mühlbeyer

Im Kreuzfeuer der Kalauer

Die positive Nachricht: Es gibt einige wirklich radikale Gags in Die Mamba. Und Christoph Maria Herbst hat auch seine Momente in seiner Rolle als CIA-Agent, wenn er gekonnt mit den Klischees jongliert: wenn er in seine Handflächen spricht, um mit seinem Team zu kommunizieren, wenn er seine Sonnenbrille als Beweis der Zugehörigkeit zur Agency aufsetzt, oder wenn er verzweifelt ob der Unfähigkeit seiner untergebenen Lackaffen-Lakeien.
Dann richtet er auch mal voller Zorn seine Pistole auf sie, bei einem missglückten Einsatz im Wiener Zoo, schießt aber doch ins Off – wo die quiekenden Schreie sterbender Hängebauchschweine zu hören sind. Die Kollateralschäden, die der Film nebenbei zelebriert als persiflierenden Kommentar zum Body-Count der Action-Ware ist schon beachtlich: Diverse Tiere lassen ihr Leben – am putzigsten: eine süße Taube –; aber auch die Zahl der Kopfschüsse ist beachtlich, und manchmal fällt auch einfach im Hintergrund ein Kameltreiber um.

Hier schöpft Ali Samadi Ahadi aus dem vollen Reichtum des makabren Humors – doch das ist auch schon alles an Gutem. Denn die Negativseite: Alles andere, jenseits dieser paar Momente, ist grottenschlechte Klamauk-Comedy, unlustig bis nervig, völlig überkandidelt, ungeordnet, schlecht getimet und noch dazu handwerklich schlampig aufbereitet.

Zwar könnte der Hauptdarsteller Michael Niavarani, ein Komiker-Superstar in Österreich, visuell durchaus ab und zu an Louis de Funès erinnern; und er könnte auch durchaus an Inspektor Clouseau geschult sein. Könnte, wohlgemerkt: ist aber nicht. Was er bietet, ist ein ständiges Stolpern und Stürzen, ein Umschmeißen und Zerstören, das aber keiner Ordnung folgt. Und ja: Auch Nonsens-Komik muss irgendwie gestaltet sein.

Es ist schwer zu sagen, wo genau – oder bei wem – die Fehler liegen. Ist es die schlampige Inszenierung, die unübersichtliche Kameraarbeit, der holprige Schnitt? Sind es die Darsteller, die meinen, chargieren sei schon Witz? Ist es die Schauspielführung, die niemals auf den richtigen Moment einer Pointe wartet, sondern alles irgendwie ablaufen lässt? Ist es der billige Unterhaltungswille, der mit Klischees zu spielen vorgibt, sie aber in Wirklichkeit zementiert? Oder die Einfallslosigkeit der Gags? Oder schlicht die ganze Story des Films?

Die geht den etwas ausgetretenen Pfad der Verwechslungskomödie: Ein tumber, tollpatschiger Wiener, aus Belutschistan stammend, wird mit dem Top-Terroristen der Welt, der titelgebenden "Mamba", verwechselt. Während er glaubt, in einem Managertraining einer Headhunter-Agentur zu stecken, reist er zusammen mit einer Killer-Kollegin, die ihn als Idol anhimmelt, von Wien über London nach Casablanca, in tödlicher Mission. Er aber ist nur – seinem Beruf, den er im Übrigen völlig verfehlt hat, entsprechend – am Sounddesign der Waffen und Räume interessiert, da er die Klänge zusammenstellt, die entstehen, wenn wir in einen Keks beißen. CIA ist genauso hinter ihm her wie eine Al Qaida-Truppe und die echte "Mamba". Ach ja: natürlich auch seine eifersüchtige, bösartige Ehefrau.

Wenigstens könnte darin ja ein bisschen Parodie stecken, die aber vergeht bei der Regieführung, die sich in Actionszenen auf schnell hintereinander geschnittene Großaufnahmen versteift, um die eigene Unzulänglichkeit in der Inszenierung zu verbergen. Der Film könnte auch eine schöne kleine Nonsenskomödie, die aber untergeht unter überzogenen Kalauern und einem Ensemble, das einem Haufen Vollidioten gleicht. Aber jenseits von Ehewitzen und Missverständnis-Konfusion bekommt man auch dann ein ungutes Gefühl, wenn der Film – von einem iranisch-stämmigen Regisseur! – sich über Ausländer-Akzente lustig macht oder urplötzlich schwule Gefühle oder Sadomaso-Neigungen bei seinen Figuren behauptet. Das hat den Ruch von Stammtisch-Zote; und ist im besten Fall völlig misslungene Selbstironie.

Die Mamba

Die positive Nachricht: Es gibt einige wirklich radikale Gags in "Die Mamba". Und Christoph Maria Herbst hat auch seine Momente in seiner Rolle als CIA-Agent, wenn er gekonnt mit den Klischees jongliert: wenn er in seine Handflächen spricht, um mit seinem Team zu kommunizieren, wenn er seine Sonnenbrille als Beweis der Zugehörigkeit zur Agency aufsetzt, oder wenn er verzweifelt ob der Unfähigkeit seiner untergebenen Lackaffen-Lakeien.
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