Die Kröte (Filmart Polizieschi Edition)

Die Kröte (Filmart Polizieschi Edition)

Eine Filmkritik von Martin Beck

Der Tag, an dem aus Scheiße Gold wird

Wer immer noch rätselt, warum das italienische Genrekino der 1970er Jahre so abgefeiert wird, bekommt mit Die Kröte eine überzeugende Antwort. Der Film stellt die letzte Zusammenarbeit von Umberto Lenzi und Tomas Milian dar und fährt noch einmal alles auf, was diese beiden Männer im besten Fall auf dem Kerbholz haben: Kernige Grimassen! Sinnlose Gewalt! Prolosprüche mit Fotzen-Alarm! Irre Frisuren! Der Albaner! Mit dem Kinnhaken verabreichte Gesellschaftskritik! Und, immer willkommen, hemmungslose Kamikaze-Action!
Die Kröte steht voll im Saft und tischt breitbeinigen Anarchokrach mit XXL-Eiern auf. Der Clou des Films ist die Doppelrolle von Milian, der hier seine Charaktere aus Die Viper und Das Schlitzohr und der Bulle vereint und dabei derilierende Meta-Höhen ausladender Schauspielkunst erreicht. Der buckelige Vincenzo ist ein ultrafieser Verbrecher mit Topffrisur und Scarface-Aura, der bei einem Überfall auf einen Geldtransporter von seinen drei Komplizen gelinkt wird, sein Zwillingsbruder Monezza besticht mit blauem Overall, Afro-Perücke und einer kurz vor Schimpfwort-Tourette stehenden Riesenklappe.

Nach dem missglückten Überfall machen die beiden Brüder notgedrungen gemeinsame Rache-Sache, was nicht nur für einige gelungene Splitscreen-Illusionen gut ist, sondern auch Ego-Blähungen bisher unbekannter Größe verursacht. Tomas Milian allein ist ja eigentlich schon genug für zwei Filme, doch wenn er wie hier gleich zweimal ungehemmt vom Leder zieht, platzt einem unweigerlich das Brusthaar unter der Bluse hervor. Beide Charaktere sind absolut Granate und bekommen gleich mehrere Szenen, die man unmöglich ungesehen machen kann.

Bei Monezza (der danach noch die üppige Superbullen-Reihe spendiert bekam) ist es der Besuch bei einem Psychiater, dessen Assoziationsspiel unweigerlich auf „Fotze“ hinausläuft, und bei Vincenzo der Besuch in einer Disco, der den Buckel ordentlich zum Grooven bringt….und schließlich in eine überbordende Ansprache mündet, an deren Ende die zunächst noch belustigten Gäste ausgeraubt und mit Abführmittel versorgt werden. Chapeau, einen Stinkefinger Richtung Scarface und ab. Eine Paradevorstellung eines charismatischen Vollblutgangsters!

Man muss Die Kröte einfach mögen, in ihrer ganzen brachialen Rumpeligkeit. Der Film stellt einen der Höhepunkte des italienischen Polizeifilms dar und schafft eine energiegeladene Verbindung all der im ersten Absatz genannten Ausrufezeichen. Derbe Kalauer treffen auf drastische Gesellschaftskritik mit Schwerpunkt Polizei, saftige Durchschüsse reichen sich die Hand mit röhrenden Verfolgungsjagden. Als Kirschen auf der Sahne fungieren der fette Score von Franco Micalizzi und die grandiose deutsche Synchro, die Milian-Sprecher Randolf Kronberg solch legendäre Sätze wie „an dem Tag, an dem aus Scheiße Gold wird, wird der erste Arme ohne Arsch geboren“ abringt.

Die Kröte ist Premium-Unterhaltung Marke Italien und bekommt eine standesgemäße DVD von Film Art spendiert. Scope-Bild, O-Ton, deutscher Ton – alles anwesend, plus ebenso ein Interview mit Franco Micalizzi, ein sehr informatives und gut geschriebenes Booklet und ein Pappschuber plus Filmplakat. Wie meinen, Herr Milian? „Ich bin der Größte, ich bin der Vollste!“

Die Kröte (Filmart Polizieschi Edition)

Wer immer noch rätselt, warum das italienische Genrekino der 1970er Jahre so abgefeiert wird, bekommt mit „Die Kröte“ eine überzeugende Antwort. Der Film stellt die letzte Zusammenarbeit von Umberto Lenzi und Tomas Milian dar und fährt noch einmal alles auf, was diese beiden Männer im besten Fall auf dem Kerbholz haben.
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