Die Halbstarken

Die Halbstarken

Eine Filmkritik von Mike Swain

Mit Entenschwanz und Jeans

„Einen Halbstarken kann man auf den ersten Blick erkennen: Die Bekleidung besteht meistens aus Texashose, schweren Schuhen, Buschhemd und Halstuch. In vielen Fällen sind es Jungens im Alter von 16 bis 20 Jahren. Nichtstuer, die zu faul zum Arbeiten sind und demnach viel Zeit und Langeweile haben“, urteilte der Südwestdeutsche Rundfunk im Jahre 1956.
Doch genau eben jene „Halbstarken“ waren Mitte der 50er Jahre die Idole vieler Jugendlicher. Im Kino wurden sie vom unvergesslichen James Dean oder Marlon Brando in Filmen wie Denn sie wissen nicht was sie tun oder Der Wilde verkörpert. Die deutsche Filmbranche brauchte eine Antwort auf diese amerikanische Übermacht an Teenie-Vergötterung und präsentierte sie offiziell am 27. September 1956: Horst „Hotte“ Buchholz sollte es richten.

Mit Entenschwanzfrisur und in hautenges Leder gekleidet spielt Buchholz den 19-jährigen Freddy Borchert, der sein spießbürgerliches Elternhaus verlassen hat und sich als Chef einer Jugendbande mit Diebstählen über Wasser hält. Heimlich träumt der „Gangster“ jedoch von einem trauten Heim, das er zusammen mit seiner Freundin Sissy, einem wirklich fiesen Früchtchen, gespielt von der damals blutjungen Karin Baal, beziehen möchte. Im Schwimmbad trifft Freddy seinen Bruder Jan (Christian Doermer). Auch auf ihm lasten die Probleme des Elternhauses schwer. Der Hauptgrund für den Unfrieden im Hause Borchert liegt nämlich in Vaters Schulden, die den Familienfrieden empfindlich stören. Man beschließt mit einem großen Coup ein für alle mal alle finanziellen Sorgen aus dem Weg zu räumen. Ein Entschluss, der sich als verhängnisvoll erweisen soll.

Auch die einfach gestrickte Motivation der beiden ungleichen Helden Freddy und Jan — falsche Freunde, finanzielle Nöte – konnten dem Erfolg des Films keinen Abbruch tun. Die Halbstarken wurden zu einem der erfolgreichsten deutschen Filme der Nachkriegszeit. Denn trotz der Schwächen des Plots ist der Film hervorragend besetzt, technisch sehr gut umgesetzt und weiß auch heute noch spannend zu unterhalten.

Die Halbstarken

Einen Halbstarken kann man auf den ersten Blick erkennen: Die Bekleidung besteht meistens aus Texashose, schweren Schuhen, Buschhemd und Halstuch.
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