Die grausamen Sieben

Die grausamen Sieben

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Sex & Bikes & Rock `n`Roll

Dass Quentin Tarantino einen mitunter sehr seltsamen Filmgeschmack hat, der häufig genug Werke versammelt, die allenfalls profunden Kennern diverser Subgenres ein Begriff ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Unter den Top-20-Filmen des Meisters befindet sich auch dieser Film, der trotz seiner offensichtlichen Verortung im B- bis C-Movie-Sektor immerhin mit einem Soundtrack von Cream aufwarten kann. Ansonsten unterscheidet den Film nicht viel von anderen Bikeploitation der 1950er, 1960er und frühen 1970er Jahre – mit dem einzigen Unterschied, dass die Nähe zwischen dem Western und den Bikerfilmen selten so augenfällig wurde wie in Die grausamen Sieben — wobei hiermit nicht nur die Ähnlickeit des Titels mit John Sturges‘ Westernklassiker The Magnificent Seven gemeint ist.
Der Rocker Kisum (Adam Roarke) und seine Gang fallen wie die Heuschrecken über ein Indianerreservat her, um vor allem mit den Squaws der Siedlung ordentlich zu feiern. Nach anfänglichen Querelen mit den Indianern feiern die Rocker mit den Damen des Ortes ausgiebigst Versöhnung, was seitens der männlichen Indianer nicht auf ungeteilten Beifall stößt – schließlich lassen es die Bleichgesichter bei ihrem Liebeswerben am nötigen Respekt und den entsprechenden Manieren mangeln, was für ordentlich Zündstoff und eine handfeste Kneipenschlägerei sorgt. Die Spannung zwischen den beiden Gruppen möchte der üble Kapitalist Fillmore (Mel Berger) gerne für sich nutzen, der das Dorf am liebsten dem Erdboden gleichmachen lassen würde, um daraus einen lukrativeren Erholungsort zu formen. Nur logisch, dass Kisums Mannen die Indianer in ihrem Entschluss mit mehr oder minder sanfter Gewalt bestärken sollen. Doch dann kommt den Rockern ausgerechnet die Liebe dazwischen, denn Kisum hat sich in Maria (Joanna Frank), die Schwester des jungen Indianers Johnny Blue Eyes (Robert Walker jr.) verknallt…

Allzu viel Tiefgang sollte man von diesem typischen B-Movie-Produkt der späten 1960er nicht erwarten – sowohl die Indianer wie auch die Rocker sind von so bemerkenswerter geistiger Schlichtheit, dass sie die Manipulationen erst ahnen, als alles längst zu spät ist. Lässt man diese notorische Dummheit der Akteure einmal außer Acht, bietet Die grausamen Sieben viel coole Musik und fast ebenso ausführliches Motorengeknatter und mehr oder minder gelungene Dialoge, die dem Ganzen immerhin einen recht passablen Unterhaltungswert verpassen.

Und obwohl der Film rein inhaltlich nur wenig mit dem ein Jahr später gedrehten Easy Rider zu tun hat, finden sich hier immerhin zwei Namen, die Peter Fondas bis heute unerreichter Biker-Hymne ihren Stempel aufdrückten: Neben Robert Walker Jr., der hier wie dort als Schauspieler zu sehen war, sorgte der aus Ungarn stammende Kameramann László Kovács in beiden Fällen für den schmutzigen Look des Films. Insofern ist die Veröffentlichung von Die grausamen Sieben gleich in doppelter Hinsicht von filmhistorischer Bedeutung – zum einen als Illustration des kinematografischen Bezugssystems von Quentin Tarantino und zum anderen als Beispiel dafür, aus welchen Quellen ein zentraler Kultfilm New Hollywoods seine Inspiration bezog.

Die grausamen Sieben

Dass Quentin Tarantino einen mitunter sehr seltsamen Filmgeschmack hat, der häufig genug Werke versammelt, die allenfalls profunden Kennern diverser Subgenres ein Begriff ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Unter den Top-20-Filmen des Meisters befindet sich auch dieser Film, der trotz seiner offensichtlichen Verortung im B- bis C-Movie-Sektor immerhin mit einem Soundtrack von „Cream“ aufwarten kann.
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