Die glitzernden Garnelen (2019)

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Welche Konfliktherde entstehen, wenn ein homophober Trainer zwangsweise ein Team schwuler Wasserballspieler trainieren muss? Die französische Komödie „Die glitzernde Garnelen“ gibt Antworten.

Die glitzernden Garnelen (2019)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Queere Sportler haben mehr Spaß

Filme über Männer, die sich im Wasser sportlich betätigen, haben derzeit irgendwie Konjunktur. Wie lustig es aussehen kann, wenn ungefähr 40-jährige Männer beim Wasserballett die Beine anmutig zu strecken versuchen, konnte man unlängst in „Swimming with Men“ und „Ein Becken voller Männer“ erfahren. Der Ausbruch von Midlife-Crisis-Opfern aus ihrem grauen Alltagstrott wurde in diesen Filmen thematisch mit der Eroberung eines als unmännlich geltenden Territoriums verknüpft.

Der Emanzipationsgedanke findet sich in einer neuen Variante auch in der fidelen Komödie Die glitzernden Garnelen wieder. Hier geht es um ein schwules Wasserballteam, das bei den Gay Games antreten und dabei als Gruppe eine tolle Zeit erleben will.

Ein Team, das sich Die glitzernden Garnelen nennt, ist vermutlich kein Kind von Traurigkeit. Kaum findet sich die vom Freizeitsportler Jean (Alban Lenoir) gegründete Gruppe im Trainingsbecken ein, wird auch schon wild herumgealbert. Schwimmnudeln werden für phallische Gesten benutzt, und niemand scheint noch an den Ball, der ins Tor muss, zu denken. „Das sind Mongos!“, beklagt sich der neue Trainer Matthias Le Goff (Nicolas Gob) am Telefon bei einer Vertrauten. Der Heteromann und Vize-Schwimmweltmeister will nichts wie weg hier, aber er darf nicht. Eine homophobe Beleidigung im Fernsehen hat ihm diesen Strafjob eingebracht, sein Verband will ihn sonst nicht zur nächsten Schwimm-WM antreten lassen.

Erinnerungen an den spanischen Film Wir sind Champions von 2018 werden wach. Dort musste ein arroganter Basketballtrainer nach einem Verkehrsdelikt Sozialstunden mit Menschen mit Lernschwierigkieten ableisten und sie an den Sport heranführen. Während er Menschen kennenlernte, mit denen er sich sonst nie abgegeben hätte, revidierte der Trainer nicht nur seine Vorurteile, sondern auch seine Einstellung zum Leben. Eine Art mentaler Nachhilfe soll nun auch dem Trainer der Garnelen zugute kommen, der sich seiner Homophobie stellen und mit Schwulen zivilisiert von Mensch zu Mensch kommunizieren muss.

Cédric Le Gallo, der mit Maxime Govare Regie führte, ist selbst seit sieben Jahren Mitglied eines schwulen Wasserball-Teams. „Ich hätte nicht gedacht, dass Teil einer Gruppe zu sein, so wichtig für mich sein würde um aus mir herausgehen zu können und mich so zu akzeptieren, wie ich bin“, verrät er im Presseheft. Zusammen Spaß zu haben und zu feiern, sei für das Wasserball-Team mindestens so wichtig wie der Sport an sich. Diese Erfahrungen flossen auch in das Filmdrehbuch ein, das von Le Gallo und Govare unter Mitarbeit von Romain Choay geschrieben wurde.

Auf der Busreise zu den Gay Games macht die Mannschaft Halt in einem Hotel, in dem am Abend der Neuzugang Vincent (Félix Martinez) ein Lied zum Besten gibt, in einer Verkleidung als Popsängerin, hinter der man ihn kaum noch wiedererkennt. Eine Trainingsstunde, für die Matthias seine Männer in Kanus setzt, wird von diesen kurzerhand in ein kollektives Nacktbaden verwandelt. Überhaupt ist diese Busreise an sich schon eine ziemliche Party, auf dem freien Oberdeck des Pariser Stadtrundfahrten-Busses, den einer der Sportler organisiert hat, herrscht überschwänglicher Frohsinn.

Matthias nimmt seine Trainerrolle erst ernst, seit ihm Jean in einem Vieraugengespräch verraten hat, wie wichtig ihm die Teilnahme an den diesjährigen Gay Games ist. Aber ein Training findet in dieser Komödie dennoch kaum statt, was sie dann doch stark von anderen Filmen mit Sportthematik unterscheidet. Matthias stößt bei diesen lustigen Männern ohne erkennbaren Siegerehrgeiz an seine Grenzen. Mit seiner verbissenen, kämpferischen Engstirnigkeit bildet dieser Charakter einen spannenden Kontrast zum Rest der Truppe. Allmählich aber beginnt er sich auch ein wenig zu entspannen, zumindest für Momente. Allerdings braucht die Mannschaft wiederum seine Motivationsansprachen, die bei ihr ungeahnte Kräfte freisetzen.

Die Charaktere ergeben eine buntes komödiantisches Ensemble, sind aber auch einzeln betrachtet ganz interessant. Da ist beispielsweise der eher stille Alex (David Baïot), der darunter leidet, dass sich Jean von ihm getrennt hat. Cédric (Michaël Abiteboul) lügt seinem Mann, der sich zuhause um die kleinen Zwillinge kümmert, unterwegs beim Telefonieren vor, er sei auf Dienstreise. Denn er wurde von diesem vor die Wahl gestellt, entweder die Garnelen, oder die Familie.

Es gibt durchaus auch ernste Töne in dieser Geschichte, wenn von Krankheit, Einsamkeit und Ausgrenzung die Rede ist. In der Gruppe können diese Sportler Witze reißen, die den Erfahrungshorizont heterosexueller Männer sprengen, und zugleich erleben sie dort eine soziale Bestätigung, die ihnen im sonstigen Alltag doch noch ziemlich zu fehlen scheint. Nur weil die Gesellschaft Homophobie in Wort und Tat ächtet, wie Matthias erfahren musste, heißt es nicht, dass sie sich geistig vollkommen davon befreit hat.

Vincent, der Neue im Team, ist ein sehr unsicherer junger Mann, der sich auf komische Weise dauernd entschuldigt. Joël (Romain Lancry) ist der Älteste im Team und der Seriöseste. Weder wollte er Matthias eine Chance geben, noch der Transfrau Fred (Romain Brau), die die Badehose gegen einen Badeanzug ausgetauscht hat. Aber in beiden Fällen wurde Joël von den anderen überstimmt. Fred bringt mit ihrer schrillen Extravaganz, der auffälligen Kleidung und als selbsternannte Choreografin der Gruppe Glamour in die Handlung.

Im Abspann gibt es dann auch Fotos der echten Garnelen zu sehen, manchmal in bunten Verkleidungen, die bezeugen, dass die Feierlaune der Wasserballer im Film keineswegs eine reine Fiktion ist. Es gelingt der Komödie jedenfalls scheinbar mühelos, die Zuschauer*innen in gelöste Stimmung zu versetzen.

Die glitzernden Garnelen (2019)

Das Wasserpolo-Team “The Shiny Shrimps“ hat kaum Chancen, das ersehnte Ziel, die Teilnahme bei den Gay Games, dem größten Sportereignis der  LGBTQ+ Community zu erreichen.Doch dann tritt der Silbermedaillen-Schwimmer Matthias Le Goff auf den Plan, der nach homophoben Äußerungen im Fernsehen zu Sozialstunden verdonnert wurde. allerdings steht dem Team der Sinn mehr nach Party als nach Training. Ob er und das Team jemals zusammenfinden werden?

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